Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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13.12.2019

Urlaub und Alltag

von E-Mail

Urlaub ist der Versuch, dem Nachbarn zu entgehen, obwohl man ziemlich sicher sein kann, dass man ihn im Strandkorb nebenan trifft.

Jacques Tati

In wenigen Wochen wird die Ferien- und Urlaubszeit beginnen, und viele werden dieser Zeit mit großer Erwartung entgegenfiebern. Dann wird die alljährliche Reisewelle wieder einsetzen, und Millionen von Menschen werden sich wieder auf Autobahnen durch unzählige Staus quälen, auf überfüllten Flughäfen sitzen und sich an überquellenden Touristenorten über schmutzige Strande und schlechtes Wasser ärgern. Alljährlich zur gleichen Zeit brechen Millionen auf, um sich von den Belastungen, Entfremdungen und Defiziten des Alltags zu erholen, um Unabhängigkeit zu erleben, um ein wenig Freude und Glück zu erfahren. Raus aus dem Alltag! Nichts wie weg! Für ein paar Wochen alles vergessen!

Die Erwartungen an den Urlaub, geboren aus den alltäglich erlebten Mängeln und Zwängen, sind oft groß. Und nur allzu oft werden diese Erwartungen nicht erfüllt. Oft wissen wir, wenn man uns danach fragen würde, dass wir auch im Urlaub kein Paradies finden können. Aber die Sehnsucht tief in uns will dies dennoch nicht wahrhaben. Und das Verlangen nach immer entfernteren, noch paradiesischeren Zielgebieten steigt. Das Bedürfnis nach Abstand vom Alltag drückt sich zunehmend auch in den zurückgelegten Kilometern zwischen Arbeits- und Urlaubsort aus. Und wenn unsere Erwartungen dennoch erfüllt werden, so bleiben sie oft ein punktuelles Erlebnis, das nach der Rückkehr das Grau und Einerlei des Alltags nur noch verstärkt.
Hilfreich wäre es vielleicht, Arbeit und Ruhe, Anspannung und Entspannung als gegenseitige Bedingungen aufeinander zu beziehen.

Was wir heute oft als immer weiter auseinandertreibende Gegenpole von Arbeit und Ruhe erfahren, ist in der Schöpfungsgeschichte im l. Buch Mose in einer ganz engen Verflechtung aufeinander bezogen. "So vollendete Gott am siebten Tag seine Werke, die er machte, und ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken." (l. Mose 2,2)
Die Ruhe selbst gehört mit zum Schöpfungswerk, erst die Ruhe des siebten Tages vollendet das Werk der vorherigen sechs Tage, gibt ihm den letzten Glanz. Erst diese Ruhe ermöglicht es zu sagen: "Siehe es war gut!" So lassen sich gelassen neue Kräftesammeln für ein neues Werk. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schöne und erfüllte Urlaubs- und Sommerzeit.

Pfarrer Michael Busch

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