Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.11.2019

Walk of Faith
Woran glaubst Du? Was glaubst Du?

von Lutz Dillenardt

Glaubst Du an immerwährenden Fortschritt? Glaubst Du an das Schicksal? Glaubst Du an den Kommunismus oder an transzendentale Meditation? Glaubst Du Mohammed, Buddha oder an Jesus von Nazareth, an die Zahl Pi, an das Nichts oder an das Aber? Gibt es einen Zahlencode in der Thora, der alles entschlüsseln könnte? Wird 2006 der dritte Weltkrieg ausbrechen? Hatten die Amerikaner doch recht? Was glaubst Du?

An irgendetwas glaubt jeder Mensch, selbst die, die behaupten an nichts zu glauben. Möglicherweise glauben sie an das Größte und Umfassendste überhaupt und sind sich dessen nur nicht bewusst, reden gedankenlos von Nichts. Nach fernöstlicher Weisheit ist im Nichts Alles, heben sich Gut und Böse, Licht und Dunkel gegenseitig auf und es herrscht Ausgleich.

Auch in extremen Bereichen der Physik ist erkannt worden, dass in der absoluten Leere im Innern der kleinsten, auffindbaren Teilchen Gottes gesamter Schöpfungsplan enthalten sein muss. Aber das entzieht sich unserem Denken, unserem Alltag. Unser Gehirn will uns am Leben erhalten und hat für solche Dinge kein Schubfach. Deshalb sagt es "Quatsch". Und die Hippies wollten das Gehirn mit Drogen erweichen. Vielleicht würden wir dann mehr mitbekommen. Glaubst du das?

Wer bin ich wirklich? Und wenn ich das wüsste, würde ich dann noch meine eigene Gegenwart aushalten oder besser zur Ablenkung den Fernseher anschalten? Hier scheint sich eine frohe Botschaft mit bitter-giftigem Beigeschmack anzukündigen. Der Krieg endet. Vor zwölf Jahren sang die Gruppe Keimzeit: "Warum denn immer wieder mit Kanonen auf Spatzen, das Blut spritzt rot..." Ja, warum? Warum kommen Menschen nicht zueinander, demonstrieren dies und das, statt zu kommunizieren? Warum müssen wir uns einteilen in Katholiken und Evangelische, in Juden, Muslime und Hindus, in Naturwissenschaftler und Esoteriker? Warum wird peinlich genau auf Abgrenzung geachtet, wenn die Unterschiede ja gar nicht so gravierend sind. Ist es Sprachverwirrung im metaphorischen Sinne?

Babel – was ist da passiert? Babel – ein mythologisches Bild, das offenbar zeitlos ist und aktueller denn je. Der Turm von Babel könnte auch ein Schacht sein, ein Graben, in den zwei verfeindete Soldaten stürzen um sich zu schützen. Und jetzt? Bewaffnet bis an die Zähne könnte man einander abschlachten, nachfolgende Generationen würden sich erspart bleiben. Aber im Geist Jesu Christi sehe ich zwei Soldaten, die sich streicheln. Absurd nicht war? Doch das lese ich aus meiner Bibel: an das Unmögliche glauben, hoffen, davon reden. Jesus wollte Evangelium kommunizieren, also frohe Botschaft diskutieren, verstehen, weitergeben, hoffnungsvolle Zukunft für alle gestalten. Ich glaube nicht an die letzte Schlacht von Armageddon. Was hätte ich davon? Angst! Sicher, mit Angst kann man reich werden. Ob als Buchautor oder Prediger oder Präsident. Ganze Völker können ihren Lebensstandard sichern, wenn sich andere vor ihnen fürchten. "Ich will den fremden Götzen kein Opferblut mehr darbringen", singt David in einem Psalm. Was sind unsere Götzen und welche Opfer bringen wir ihnen? Glauben hat für mich nichts mit fürchten lehren zu tun.

Zwischen der katholischen Kirche St. Annen und der evangelischen Martin Luthergemeinde, etwa auf halbem Weg, ist eine Brücke. In Kriegen werden Brücken zerschossen. Wenn bei uns Krieg wäre, könnten wir das nicht machen: zueinander kommen, einen gemeinsamen Weg des Glaubens gestalten. Aber das wollen wir zum Kirchentag tun. Wir wollen Evangelium kommunizieren, uns mitteilen, woran und was wir glauben, ob im Gespräch auf diesem Weg oder in persönlichen Statements, mit Bands und Theatergruppen, bei Kaffee oder Bier. Du kannst Dich auf Phantasiereisen begeben, massieren lassen, über innere Bilder nachdenken, Kunst interpretieren, Dich mitteilen auf unserem "Walk of Faith" – eine ökumenische Veranstaltung der Steglitzer Jugend.

Sehen wir uns?

Lutz Dillenardt

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