Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Würfelt Gott?
Buchbesprechung

von E-Mail

"Ein außerirdischen Gespräch zwischen Physik und Theologie" lautet der Untertitel, und damit ist schon viel gesagt. Natürlich unterhalten sich nicht die Theologie und die Physik, sondern ein Theologe und ein Physiker, und dass nicht nur fiktiv, sondern ganz real, denn das ist der jeweilige Hintergrund, den die Autoren des Buches mitbringen. Wie sie selbst im Vorwort erklären, war es ihr Wunsch, den Dialog der beiden Wissenschaften, der sie durch eine langjährige Freundschaft begleitet hat, in eine Buchform zu fassen.


Arnold Benz, Samuel Vollenweider: Würfelt Gott?
Patmos Verlag, 280 Seiten,
gebundene Ausgabe, 11,95 Euro

Das mit dem Dialog ist ihnen dabei recht gut gelungen, die Buchform dagegen ist zumindest etwas eigenwillig ausgefallen. So wie sich das Ganze jetzt präsentiert, handelt es sich um den Bericht eines Redaktionsteams, das das Material aus der Endphase einer gescheiterten Mission zum Jupitermond Titan sammelt, sichtet und präsentiert, darunter insbesondere die Gespräche, aber auch Tagebuchnotizen der beiden an Bord verbliebenen Astronauten, eins – welch Überraschung! – Physikers und Theologen, die sich in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten, im Begriff, eine neue Welt zu erforschen, über Gott, das Universum und den ganzen Rest Gedanken machen.

Tatsächlich hat man das Gefühl, eher eine Materialsammlung als ein Buch in den Händen zu halten was bei mir während des Lesens wiederholt ein Gefühl des Unbefriedigtseins hervorgerufen hat. Man hat das Gefühl, eigentlich von allem nicht genug zu bekommen und immer wieder gewaltsam aus dem Lesefluss geworfen zu werden, wenn immer wieder von einer Handlung- und Stilebene auf die andere gesprungen wird und dabei in der Regel ein Handlung- oder Gedankenstrang nicht zu Ende oder detailliert ausgeführt, sondern abrupt abgebrochen oder nur skizzenhaft umrissen wird.

Zugestandenermaßen erhält das Buch dadurch einen ganz eigenen Charakter, und es mag auch an den Vorlieben des Lesers liegen, ob er sich dadurch eher angezogen oder abgestoßen, gestört oder gut unterhalten fühlt. Das, was da im Einzelfall produziert wird, ist nämlich durchaus interessant, oft originell und hier und da auch witzig. Allerdings bleibt die Frage, ob es nicht einfacher, ehrlicher und vielleicht sogar ansprechender gewesen wäre, unseren Physiker und Theologen einfach auf eine Gartenbank in der Sonne zu platzieren und den Leser dann einfach zum Ohrenzeugen ihrer Gespräche zu machen. Die Konzentration auf den eigentlichen Gegenstand hätte es jedenfalls erleichtert.

Das Buch ist also etwas kompliziert was seine Form angeht, zum Glück aber nicht im Hinblick auf die Inhalte. Die etwas ungewöhnliche Form begünstigt nämlich eins: Dass alles so erklärt wird, als wisse der Leser gar nichts, weder von Theologie, noch von Physik, noch über Jupiter und seine Monde, so dass das Buch zumindest seinem Ziel, dem Leser unabhängig von dessen Vorbildung einen Einblick in Ansichten der zeitgenössischen Physik und Theologie wie auch in die Geschichte der beiden Disziplinen zu geben, gut gerecht wird. Für den, der schon etwas weiß, ergeben sich zugleich durch die originelle Kombinatorik interessante Perspektiven. Gelegentlich hat man den Eindruck, dass die Autoren dabei etwas zu selbstverliebt mit Versatzstücken aus der Geistesgeschichte spielen, alles abgerundet mit einem Schuss Mystik, aber alles auf sehr hohem Niveau, deutlich abgesetzt von billigem New-Age-Gewäsch. Aber warum sollen Autoren nicht auch ihren Spaß haben, vor allem wenn sie das Spiel schon im Titel des Buches zur Metapher nehmen?

Wer diese Freude an Metaphern teilt und Spaß an einer spielerischen Außeinandersetzung mit Physik, Theologie und mystischen Traditionen teilt, wird hier fündig, der moderate Preis ist zusätzlich geeignet, aus diesem Buch eine kleine Freude zu machen, die man sich selbst oder jemand anderes gönnen kann.

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