ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > April 2003

20.5.2019

Der Meister Ochse

von Liselotte Studinger

Zu meinen Erinnerungen aus der Zeit, die ich in Dahme in der Mark verbrachte, gehört auch der feierliche Umzug der Fleischer-Innung durch die Stadt, wenn ein Geselle den Meister-Titel erhielt.

Die Handwerker-Innungen (früher nannten sie sich Zünfte) haben sicherlich in den verschiedenen Gegenden bei besonderen Anlässen eigene Feste entwickelt, die zu feststehenden Bräuchen wurden und immer wieder in gleicher Art abliefen. So auch der Umzug der Fleischer, wenn ein Geselle nach der vorgeschriebenen Gesellenzeit seinen Meister machen wollte.

Nachdem er vor dem Innungsvorstand die entsprechenden Prüfungsfragen richtig und zur Zufriedenheit beantwortet und sich in theoretischer Hinsicht die Qualifikation als "Meister" erworben hatte, war es unerlässlich, dass er auch sein Können in der Praxis bewies. Mit anderen Worten: "Er musste einen Ochsen schlachten!"

Ein großes, starkes Tier war schon bereitgestellt und besonders sauber gewaschen, die Hörner und Hufe mit Goldbronze bestrichen und der ganze Körper mit Blumen und bunten Bändern geschmückt. Er sah prächtig aus und damit jeder Bürger ihn betrachten konnte, wurde er mit einer Blaskapelle durch die Stadt zum Schlachtplatz geführt. Die Prüfungskommission, andere Innungsmitglieder, Freunde und viele Kinder marschierten hinter der Musik her. Am Schlachtplatz angekommen, vollzog dann der Prüfling die Schlachtung, die nach Vorschrift mit einem gewaltigen Hieb auf den Kopf des Tieres zu erfolgen hatte. Auch die weitere Zerlegung des Ochsen musste fachgerecht vonstatten gehen. Nachdem alles zur Zufriedenheit verlaufen war, überreichte man dem Prüfling den Meisterbrief und die Stadt Dahme hatte einen neuen Fleischermeister.

Anschließend ging die ganze Gesellschaft ab in die nächste Kneipe, um das Ereignis gebührend zu feiern und tüchtig zu begießen, wobei die gesamte Zeche auf Kosten des neuen Meisters ging.

Liselotte Studinger

zum Seitenanfang

Lesen Sie zu diesem Thema auch: