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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > April 2003 |
19.5.2012 |
Das einzige, was ihr noch blieb: wenigstens am Grab noch einmal in seiner Nähe sein. Wenigstens in aller Ruhe um ihn trauern, den Tränen freien Lauf lassen und den ganzen Schmerz heraus heulen. ![]() Giotto di Bondone: Noli me tangere (Rühr mich nicht an), 1320. Fresko in der Magdalena-Kapelle in der Unterkirche von Assisi. (Links unten: Detail.)
Dieses Gefühl werden viele kennen, die schon einmal von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten und wenige Tage nach der Beisetzung allein am Grab standen: leer, ausgebrannt und die Augen von Tränen angefüllt. Sie haben erlebt und erlitten, was es heißt: allein an einem Grab stehen. Alles was das Leben bisher ausgemacht hat, ist in Frage gestellt. Der Tod verändert alles, wirft alle bisher geordneten Lebensbezüge durcheinander. Das einzige, was bleibt, sind Tränen und das oft so bedrückende Gefühl, jetzt ganz allein zu sein am Tisch, in der Wohnung, am Abend und am Grab. Manche Worte der Verwandten und Nachbarn, der Freunde und Bekannten mögen noch durchdringen. Aber es gibt Zeiten, wo sie Trauernde kaum erreichen, wie abgeschnitten von allem Leben.
Was dann passiert, beschreibt die Schriftstellerin Luise Rinser in ihrer Erzählung "Mirjam" folgendermaßen: "Da sah ich im Olivenhain, in dem das Grab lag, zwischen den Bäumen einen Mann... Als er noch etwas näher kam, hielt ich ihn für einen Arbeiter, einen Gärtner. Doch zu so früher Stunde? Aber als ich seine Knie umfassen wollte, wich er zurück. 'Nicht so, Maria, so nicht mehr und noch nicht. Bleib stehen, wo du stehst. Höre: Ich gebe dir einen Auftrag. Hör genau zu!' Dann war die Stelle, an der er gestanden hatte, leer. Aber in mir brannte es. Ich lief ein paar Schritte. Vielleicht war er zwischen den Bäumen verborgen. Aber da war nichts. Und keine Spur im feuchten Gras. Kein Geräusch von Schritten, die sich entfernten. Rabbi! Rabbi! Nichts mehr." Maria musste lernen, dass sie nicht einfach in das frühere Leben mit ihm zurückkehren, nicht einfach an Gewohntes, Vertrautes und Liebgewonnenes anknüpfen kann. Alles ist ganz anders geworden. So wenig wie sie den Leichnam Jesu für sich behalten konnte, so wenig kann sie nun den Auferstandenen festhalten und an sich binden. Auch wir erhalten nicht einfach zurück, was wir verloren haben: Menschen, die wir vermissen, Gelegenheiten, die wir versäumt haben, Hoffnungen, die uns zerbrochen sind. Aber dafür bekommen wir neue Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Ein Leben, in dem wir nicht nur zurückschauen und uns an das Vergangene klammern, um es zurückzuholen. Maria aus Magdala hat es erfahren: Im tiefsten Dunkel des Leids, dort wo sie noch in ein schwarzes Loch starrt, leuchtet bereits Befreiendes auf. Mögen wir viele dieser befreienden Ostererfahrungen machen! Und so wünsche ich Ihnen frohe und gesegnete Ostertage Ihr Michael Busch, Pfr.
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