Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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18.9.2019

Martin Buber
Zum 125. Geburtstag eines großen jüdischen Denkers

von E-Mail

Am 8. Februar 1878 wurde Martin Buber in Wien geboren.
Wer ein wenig von seiner Person und auch um die Größe und Tiefe seines Wirkens und Schaffens weiß, der wird sich vielleicht erinnern, dass eines seiner Hauptwerke das Buch "Ich und Du" (1923) ist. Buber selbst hat es einmal als sein wichtiges und bedeutendstes Werk bezeichnet.

Das Nachdenken über die Beziehungen zwischen den Menschen, zwischen Ich und Du, und das Nachdenken über diese Welt der Beziehungen, die ein Ziel hat in dem "Ewigen Du", war für Buber Zeit seines Lebens so etwas wie der rote Faden seines Wirkens.

Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass die Psalmen mit ihrer oft dialogischen Struktur und Sprache für ihn eine besondere Bedeutung hatten und eben ganz besonders der 73 Psalm, der sein Lieblingspsalm war. Die Verse 23+24 sind auch die Inschrift (in hebräischer Sprache) auf seinem schlichten Grabstein.

An diesem Psalm wird besonders deutlich, wie das Reden zu Gott in das Reden von Gott übergeht. Vom Gebet zur Theologie.
Damit ist aus diesem Psalm ein für alles theologische Nachdenken wichtiger Schluss zu ziehen: Das Reden zu Gott ist dem Reden von Gott vorgeordnet. Oder anders ausgedrückt: Theologie erwächst nicht aus dem Denken, sondern aus dem Sein.

Auszüge aus den Erzählungen der Chassidim

Wahrheit

Was bedeutet das, wenn die Leute sagen: "Die Wahrheit geht über die ganze Welt"
Es bedeutet, daß sie von Ort zu Ort verstoßen wird und weiterwandern muß.

Götzenopfer

Man fragte Rabbi Bunam: "Was ist mit Götzenopfer gemeint? Es ist doch ganz undenkbar, daß ein Mensch einem Götzen Opfer darbringt!"
Er sagte: "So will ich euch ein Beispiel geben. Wenn ein frommer und gerechter Mann mit andern bei Tisch sitzt und würde gern noch etwas mehr essen, aber seines Ansehns bei den Leuten wegen verzichtet er darauf, das ist Götzenopfer."

Buber war ein tiefsinniger Denker und einer der großen jüdischen Gestalten des 20. Jahrhunderts.
Ihn in den Blick zu bekommen, ist nicht leicht; seine Arbeitsgebiete – die Beschäftigung mit dem Chassidismus (mystisch bestimmte Bewegung des Judentums in Osteuropa), Bibel, Philosophie, jüdische und zionistische Fragen – umspannen die vier Bände der zu seinen Lebzeiten publizierten "Werke", dazu die Bände der von ihm gemeinsam mit Franz Rosenzweig ins deutsche übersetzten hebräischen Bibel (Alte Testament)
Die drei Bände des "Briefwechsels" eröffnen das Netz der persönlichen und brieflichen Kontakte.

Wer in eine genauere Buber-Bibliographie schaut, wird über die Gedichte und Erzählungen der frühen Jahre, über die Aufsätze zu Dichtern, Schriftstellern, Philosophen, Kulturkritikern, über die politischen Stellungnahmen und Antworten auf Umfragen erstaunt sein.

Bubers erste Schaffensphase war seine Zeit in Deutschland (Ich und Du, Verdeutschung der Bibel). 1938, sieben Monate vor der Progrommnacht, verlässt Buber Deutschland und übernimmt an der Hebräischen Universität in Jerusalem eine Professur für Anthropologie und Einleitung in die Soziologie.
Mindestens die Hälfte seiner Bücher und Essays ist nach seiner Auswanderung aus Deutschland geschrieben.

In seiner Zeit in Jerusalem stand er oft zwischen den starren Fronten, die sich unter Juden und Arabern gebildet hatten. So war er im jungen Staat Israel nicht selten ebenso ein Außenseiter wie in Deutschland und kämpfte auf verlorenem Posten, zwar hoch angesehen, aber ohne Einfluss auf die Politiker, die die Konfrontation suchten. Er aber suchte das versöhnliche, verstehende Gespräch zwischen den Menschen.

Nach dem 2. Weltkrieg und der nationalsozialistischen Terrorherrschaft war Martin Buber einer der ersten, der die Aussöhnung mit den Deutschen einleitete. Im Jahre 1953 nahm er in Frankfurt den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegen. Sein persönlicher Freund und Bewunderer Theodor Heuss, damals Bundespräsident, saß bei diesem Festakt in der ersten Reihe unter den Zuhörern, er erhielt sieben Jahre später den gleichen Preis.

Martin Buber starb am 13. Juni 1965 in Jerusalem. Dort auf dem Friedhof Har Hamenuchot findet sich auch sein Grab.

Im Andenken an seine Lebensleistung wird alle zwei Jahre die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. In diesem Jahr erhält Außenminister Joschka Fischer diese Auszeichnung für besondere Verdienste um den jüdisch-christlichen Dialog, für die Vermittlerrolle des Grünen-Politikers zwischen Israelis und Palästinensern sowie sein engagiertes Eintreten für die Erinnerung an den Holocaust.

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