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22.5.2019

Das Buch der Bücher – Die Bibel und ihre Geschichte
Teil 1: Das frühe Christentum und die Bibel

von Torsten Lüdtke

Für das Jahr 2003 haben die großen Kirchen ein "Jahr der Bibel" ausgerufen, an dem sich auch viele Gemeinden mit besonderen Veranstaltungen beteiligen. Für mich stellt das "Jahr der Bibel" den Anlass dar, in einer mehrteilige Serie die Bibel als Buch, die Geschichte der Bibel sowie verschiedene Übersetzungen der Bibel vorzustellen.

Es ist ein heißer Nachmittag in Mediolanium, durch den prächtigen Garten geht ein leichter Wind, der den Duft von Rosen und Myrten mischt und von den Alpen herkommt. In einem schattigen Winkel einer Laube sitzt gedankenverloren ein junger Mann, den seine Freunde Aurelius Augustinus nennen, und dessen reiche Tunika auf eine edle römische Abstammung hindeutet. An sich und seinem Glauben zweifelnd, ist er in den Norden – nach Mailand – gekommen, um in den Schriften der alten Philosophen zu studieren.


Abb.:Titel einer Vulgata (Biblia sacra vulgatæ editiones) "neueren" Datums, Venedig 1757.

"Tolle, lege !" – "Nimm und lies !" ruft eine feine Kinderstimme – Aurelius sieht neben sich ein Buch liegen. Ein Lächeln geht über das eben noch düstere Gesicht des Jünglings, er schlägt das Buch auf und beginnt zu lesen ...
Diesem Bekehrungserlebnis wird Augustinus (354 – 430 n. Chr), als Kirchenlehrer und Bischof von Hippo Regius, einen zentralen Platz in seinen Lebenserinnerungen, den "Bekenntnissen" ("Confessiones"), einräumen. Bis in die Zeit Augustinus' hinein hatte im Römischen Reich neben dem Christentum noch eine Vielzahl heidnischer Kulte als Staatskulte Bestand gehabt, die jedoch im Jahre 391 n. Chr. verboten wurden.

In diese Zeit des Umbruchs fällt auch die Entstehung einer allgemein verbindlichen, Bibelübersetzung für die lateinische Sprache, die frühere, aus dem Gemeindebedarf entstandene lateinische Varianten, wie die "vetus latina" oder die "Itala", ablösen sollte. Auf Grundlage der bereits in vorchristlicher Zeit in das Griechische übersetzen "Septuaginta" (Altes Testament) und dem ohnehin in griechischer Sprache vorliegenden Neuen Testament entstand die "Vulgata" des Hieronymus (um 345 – 420), in deren genauem Titel "Biblia sacra vulgatæ editiones" sich der Anspruch seiner Bibelübersetzung wiederfindet, eine allgemeine Ausgabe zu schaffen, und die bis heute für die katholische Kirche maßgeblich geblieben ist. Diese Übersetzungen sind in der Spätantike jedoch nicht so verbreitet, wie man aufgrund des Titels annehmen möchte, denn durch das Nachlassen klassisch-antiker Schriftkultur und Buchproduktion werden Bücher seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. unerschwinglich; doch zeigen die erhaltenen Exemplare auch den hohen Stellenwert, der dem geschriebenen und damit auch festgelegten Wort der Heilsbotschaft Christi gegeben wurde: Christliche Traktate und Predigten, die das Schriftwort auslegen, werden geschrieben und eine neue Wissenschaft entsteht die Theologie.

Die starke Anfälligkeit antiker Rollenbücher führte bereits im zweiten nachchristlichen Jahrhundert zum Entstehen des noch heute gebräuchlichen "Codex"-Buches mit in den Buchrücken eingebundenen Seiten. Diese Form des Buches ließ sich nun – ohne größere Schäden zu nehmen – überall hin mitnehmen und so ist die spätantik-frühmittelalterliche Mission ohne diese Buchform ebenso undenkbar wie der Zug christlich gewordener Germanenvölker in der Völkerwanderungszeit.

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