ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Januar 2003

22.3.2019

Von Zeichen und Wundern

von Torsten Lüdtke

C+M+B

Diese drei Buchstaben, mit Kreide geschrieben, finden sich jetzt, Anfang Januar, an mancher Haustür. Es ist, wie mancher erkannt haben wird, das Zeichen der als Caspar, Melchior und Balthasar kostümierten Sternsinger; drei Jungen, die am Dreikönigstag von Haus zu Haus ziehen, Gaben einsammeln und eben diese drei Buchstaben durch die Jahreszahl 2003 eingerahmt, an die Tür schreiben.



Hugo van der Goes: Die Anbetung der Könige (Mittelteil des Monforte-Altars), Berlin, Gemäldegalerie.

Obwohl dieser Brauch vorwiegend in katholischen Gegenden geübt wird, so sind uns doch die "heiligen drei Könige" seit Kindertagen vertraut. In den Sinn kommen uns am ehesten bildliche oder plastische Darstellungen: Bilder wie "die Anbetung der Könige" von Hugo van der Goes (Mittelteil des sog. Monforte-Altars) oder Schnitzereien stellen die Könige meist einträchtig beieinander stehend, Maria und das Kind andächtig betrachtend, dar. Der Älteste von ihnen- seine prächtige Krone hat er abgelegt – kniet anbetend vor dem König der Könige, während dem anderen -der bärtig und im besten Mannesalter dasteht – ein Diener ein kostbares Gefäß als Gabe für den neugeborenen Herrscher reicht. Etwas abseits steht der dritte, jugendliche König, der als Mohr dargestellt wird.

Diese, ein so plastisches Bild zeichnende Darstellungsweise des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, geht nur bedingt auf die im Evangelium des Matthäus (Ev Matth. 2.1-12) geschilderte Erscheinung des Sterns und das Eintreffen der dort genannten Weisen zurück. Die Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe sind biblischer Herkunft, währen die Dreizahl, die Namen und die Ursprungsländer, die den "Königen" in den Darstellungen gegeben werden, ihr Herkommen aus spätantiker und mittelaterlicher Gelehrsamkei haben. So finden sich erst im 9.Jahrhundert die Dreizahl und Namen, die vermutlich auf Beda – einen Kirchenlehrer des 6. Jahrhunderts – zurückgehen; im 12. Jahrhundert wird aus Caspar ein Mohr. Die Darstellung verschiedener Alter und eines Mohren ist symbolisch zu fassen: Sie stehen die für die drei Lebensalter – Jüngling, Mann, Greis – und die drei damals bekannten Erdteile – Afrika (der Mohr), Europa und Asien. Mit Asien wird der Vordere Orient gedacht, der als Quelle der Zivilisation gilt und mit deshalb mit dem Lebesalter Greis verbunden wird.

Spätmittelalterlich ist auch die Funktion der "heiligen Könige" als Schutzpatrone der Reisenden, deren Anrufung bei Gefahr ebenso Hilfe versprach wie die Erteilung von Reisesege in ihrem Namen. Die eingangs erwähnte Formel "20 C+M+B 03" stellt ebenfalls eine Segenformel dar, ausgeschrieben hieße es "Christus mansionem benedicat"- also so viel wie "Christus[Gott] schütze dieses Haus".

Reisende sind die "heiligen drei Könige" über ihren Tod hinaus geblieben; im 4. Jahrhundert lässt die Mutter Constantins die (vermeintlichen) Gebeine nach Konstantinopel überführen, von dor gelangen sie nach Mailand. Im Jahr 1164 werden sie, nach der Zerstörung Mailands durch Friedrich I. Barbarossa, vom Kanzler Barbarossas und Erzbischofs von Köln, Rainald von Dassel, an die Ufer des Rheins gebracht, wo sie nun- im Schatten des gotischen Doms – im berühmten "Dreikönigsschrein" ruhen.

Torsten Lüdtke