Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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14.12.2019

Wie es weiterging ...
20 Jahre Kulturarbeit in der Petruskirche – Teil 2

von Gisela Kürschner

Nach Abschluss der Umbauarbeiten in der Petruskirche 1982 begannen Pfarrer Rolf Reisert und seine Mitarbeiter mit der regulären Kulturarbeit. Konzerte, Theater, Kabarett und Ausstellungen gehören seitdem zum festen Programm der Petruskirche.

Siggi Jacobs

Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kulturarbeit prägten mit ihrer Persönlichkeit auch die Arbeit: Der Musiker Matthias Witting, der Schauspieler und Theaterregisseur Siggi Jacobs und die Pädagogin Monika Römer-Jacobs, der Kunstwissenschaftler Horst Ellenbeck um nur die wichtigsten zu nennen.

Ein gravierender Einschnitt war das Ausscheiden des Initiators 1989: Rolf Reisert erlitt einen Herzinfarkt und ging danach aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde nach einer Interimsphase Pfarrer Volkmar Metzner, der die Gemeinde nach zwei glücklosen Jahren wieder verließ. Seit zehn Jahren ist Lutz Poetter der zuständige Kulturpfarrer. Seitdem ist auch Gisela Kürschner hauptamtliche Kulturorganisatorin, mit dem Pfarrer und sieben weiteren Mitgliedern bildet sie die Kulturgruppe. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit ermöglicht die Gruppe unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen die Kulturarbeit. Die Motive dafür sind der Spaß an dieser Arbeit, die Aufrechterhaltung einer der wenigen Kulturstätten in Lichterfelde und die Attraktivität, die Kirche und Gemeinde dadurch erhalten.

Die Grundlage der Kulturarbeit ist die "Offene Kirche", unser Kirchencafe, das immer mittwochs und samstags besucht werden kann. Sie öffnet die Kirche, macht sie begehbar und gesellig. Darüber hinaus ist sie noch eine wesentliche finanzielle Einnahmequelle der Kulturarbeit.

Die Durchführung der Veranstaltungen ist oft mit erheblichen Aufwand für die Mitarbeiter verbunden, muss doch die Kirche am Sonntag wieder ordentlich aufgeräumt sein für den Gottesdienst. Wenn das manchmal nicht ganz zur Zufriedenheit aller gelingt möge man uns das verzeihen, denn Podeste, Scheinwerfer, Lautsprecher müssen auf- und abgebaut, Vorhänge (zur Verbesserung der Akustik) müssen aufgehängt , Stühle gestellt, Tische auf- und abgebaut werden. Zwei Stunden vor dem Konzert und dasselbe noch mal danach sind nötig, um eine Veranstaltung möglich zu machen. Während der Konzerte wird man für die Mühen belohnt. Die Kirche, vor allem auch die Winterkirche, mit ihrer hervorragenden Akustik und ihrer angenehmen Atmosphäre begeistern sowohl Besucher wie auch Künstler.

Ausstellung Tucholskytage

Wenn man auf die 20 Jahre zurückblickt, fällt einem einiges ein, was besonders im Gedächtnis geblieben ist. Viele erzählen von den Tucholsky-Tagen (1985), die mit viel Aufwand veranstaltet wurden. Es handelte sich dabei um eine Revue zur Kabarettgeschichte inklusive Ausstellung und Workshop mit Rolf Linnemann.

Rolf Linnemann

Andere wiederum schwärmen von den Rockkonzerten unter der Leitung von Matthias Witting: Auf mehreren Bühnen wurde in der Kirche das Musikerprojekt "Freiheit und Abenteuer" gezeigt. Mit von der Partie war unter anderen bekannten Künstlern auch Ulla Meinecke. Von diesem eindrucksvollem Abend wurde eine CD aufgenommen, die eine zeitlang in der Kirche zu erwerben war. Später haben dieselben Musiker "Freiheit und Abenteuer" am Grips-Theater fortgeführt.

Stolz waren wir als wir unserem Publikum den Jazzpianisten Alexander von Schlippenbach präsentieren konnten, eine herausragende Persönlichkeit der europäischen Jazzszene.

Im Jahre 1996 konnten wir mit der finanziellen Unterstützung des Kulturamtes Steglitz-Dezentrale Kulturarbeit- eine Licht und Klanginstallation des Künstlers Günter Ries in der Kirche zeigen. Es war ein beeindruckendes Spiel von farbigen Flächen und plastischen Formen, die durch spezielle Diaprojektoren die Wände schmückten im stetigen Wechsel und im Gleichklang mit der Musik von Friedemann Graef, Uli Moritz und Jörg Schippa (Saxophon, Perkussion und Gitarre).

Ebenfalls von Günter Ries stammte die Idee und Ausführung der Feuer-Klang-Inszenierung zu unserer 100 Jahrfeier, die sicher vielen im Gedächtnis geblieben ist.
Durch Straßensperrungen rund um den Oberhofer Platz bis vor zur S-Bahn konnten sich sehr viele Leute versammeln und das Schauspiel genießen. Die beliebten Feste rund um die Kirche, die ihren Ursprung in der Finanzierung des Umbaus hatten, wurden vor über 10 Jahren abgelöst durch das wetterunabhängige Maifest. Mit Essen, Trinken, Tombola, Varieteprogramm und zum Schluss den Tanz in den Mai feiern die immer sehr zahlreichen Besucher den Beginn des Wonnemonats.

Vielleicht erinnert sich mancher auch gerne an die Tanzvorführungen der "Tanzemonie", einer Gruppe von Leuten, die sich intensiv mit den Tänzen an den Höfen des Mittelalters beschäftigen, originalgetreue Kostüme nacharbeiten und das Ganze zu einer sehr schönen Vorführung bringen. Wenn man alte Zeitungsberichte durchblättert, die in unserem Archiv gesammelt wurden, findet man öfters Artikel über Prominenz, die die Petruskirche zu Dreharbeiten zu verschiedenen Filmen nutzten. So hatten wir öfter Dieter Hallervorden zu Gast, Günter Pfitzmann flog hier beim Versuch die Hochzeit seiner Filmtochter zu verhindern, drehbuchgemäß über die Beine von Hildegard Knef.

Im nächsten Jahr werden zum 5ten Mal die Lichterfelder Jazz- und Bluestage stattfinden, ein Festival, das die Petruskirche über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Eine Woche lang Jazz und Blues der verschiedensten Art lockte im letzten Jahr 800 Besucher zu uns. Die Planung für den März steht bereits, die Finanzierung bereitet noch etwas Schwierigkeiten, da das Kulturamt, das uns bisher unterstützte keine Gelder mehr zur Verfügung hat.

Eine große finanzielle Hilfe für uns ist nach wie vor der Förderkreis der Kultur, der von Anfang an unsere Arbeit unterstützt hat. Für die Deckung der Gagen reichen meist die Eintrittsgelder nicht aus, unsere "Technik" muss unterhalten und erneuert werden, die Werbung muss bezahlt werden und wir müssen die Kosten für die halbe Stelle unserer Mitarbeiterin abdecken.
Wenn sie uns helfen wollen werden sie Mitglied im Förderkreis oder durch eine einmalige Spende (Konto-Nr. 87 068, BLZ 100 602 237, Evangelische Darlehensgenossenschaft e.G. )

Sie unterstützen uns natürlich auch, wenn Sie unsere Veranstaltungen besuchen. Durch unser vielseitiges Angebot ist sicher auch etwas für Ihren Geschmack dabei. (Unsere Eintrittspreise sind im Vergleich zu anderen vergleichbaren Veranstaltungsorten relativ niedrig.)

Im  nächsten Teil folgen Berichte über die Kunstausstellungen und das Kindertheater.

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