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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Januar 2003 |
19.5.2012 |
Ein Kind schaut mit großen Augen in die Welt. Mit allen Sinnen sieht es, nimmt wahr, entdeckt die Schönheit und die Vielfalt der Welt. Mit allen Sinnen erspürt es was ist. Man sieht nur mit dem Herzen gut, schreibt Saint Exupéry. Was wird aus dem Blick des Herzens auf unserem Weg durchs Leben? Der Mensch sieht, was vor Augen ist! Sehe ich denn, was vor Augen ist? Ist meine Wahrnehmung nicht getrübt und mein Blick verstellt? Kann ich ertragen, was ich sehe? Marie Luise Kaschnitz hat in einem Gedicht beschrieben, wie schwer dieses Sehen sein kann:
Klopfenden Herzens Die Jahreslosung für das vor uns liegende Jahr klingt so tröstlich, weil sie davon weiß und spricht, es ist einer da, der sieht dein Herz an. Gott kennt dich, er weiß, wie es um dich bestellt ist. Das heißt doch zu aller erst er sieht meine Not, meine Ängste sind ihm nicht verborgen. Ihm brauchst du nichts vormachen. Er trägt auch die dunklen Seiten und bringt sie zurecht. In seiner Nähe kannst du hinsehen, der Blick in die eigenen Tiefen soll dich nicht schrecken. Menschen haben gebetet:
"Wir bekennen dir Gott, wer wir sind: Gott misst nicht nach dem äußeren Augenmaß, danach was du darstellst, was du erreicht hast, was du leistest. Samuel, ein Bote Gottes, ist geschickt einen zum König zu salben. Ein junger Mann kommt ihm entgegen, der älteste von Isais Söhnen von hohem Wuchs und ansehnlicher Gestalt. Das ist er, denkt Samuel, aber weit gefehlt. Isai lässt seine sieben Söhne vorbeiziehen aber keiner ist es. Den jüngsten, der auf dem Feld die Schafe hütet, der soll es sein, "denn nicht sieht der Herr auf das worauf ein Mensch sieht, ... der Herr sieht das Herz an." Das Herz als Inbegriff allen menschlichen Tuns, so erzählt die Bibel. Das Herz redet, freut sich, schreit, tröstet sich, empfindet Schmerz, wird verhärtet, wird betrübt, zerbricht, wird stolz, widerspenstig, erfinderisch, irrt sich, liebt, hasst, ist wach, ist eifersüchtig, ist zerrissen, sinnt nach, ist wie Feuer, wie Stein, ist reumütig, warm, wird groß. Das Menschenherz, an das Gott sein Herz grenzen lässt (Hiob 7,17). Manchen ist der Gedanke, Gott sieht alles, unerträglich geworden. Aufgewachsen mit einem Gott, der erdrückt und droht, weil er alles sieht, meine Blößen aufdeckt, mein Geheimnis veröffentlicht. Was ist da angerichtet worden? Wie viel Kraft braucht es, sich vor anderen oder auch vor sich selbst zu verstecken? Wie viel Einsamkeit entsteht, wie viel ungelebtes Leben? Der da in unser Herz sieht, ist der, der uns in Jesus Christus entgegenkommt. Mit herzlichem Erbarmen wendet er sich den Menschenkindern, wendet er sich mir zu. Was siehst du Gott, wenn du in mich hineinschaust? Ich möchte offen sein für deinen gütigen, liebevollen Blick. Ich möchte von deiner Liebe erfahren und sie weitergeben. Was siehst du? Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz. Pfarrerin Susanne Peters-Streu
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