Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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7.12.2019

Engel und Jahresendflügelwesen
Die biblische Glosse

von Lutz Poetter

Engel Lobgetön

Wer kennt den? Der Religionslehrer fragt die Klasse: "Wie heißen die drei Erzengel in der Bibel mit Namen?" "Michael, Gabriel und Raphael." Fritzchen meldet sich: "Und der vierte heißt Lobgetön!" Der Religionslehrer zieht die Stirn kraus: "Den kenne ich aber gar nicht!?" "Wetten doch?" Fritzchen grinst. "In der Weihnachtsgeschichte, damals bei den Hirten auf dem Felde, da kommt er vor: Und es erscholl der Engel Lobgetön..."

Aber Spaß beiseite, denn die Sache mit den Engeln ist ernst und vielschichtig. Es gab und gibt sie – in den monotheistischen Hochreligionen, in vielen Kulten und Sekten. Sogar in der offiziell atheistischen DDR überlebten sie, allerdings unter neuem, regimetreuen Namen. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen, groß und klein, edelmütig und gemein, splitternackt und lang gewandet, mit und ohne Flügel. Und wie ihre äußere und innere Beschaffenheit variieren auch die Tätigkeiten unserer Engel.

Paradiesvögel und Lustmolche

Die ersten in der Bibel genannten Engel hießen Cherubim und waren – Schutzengel. Ihre Aufgabe war der Wachschutz. Genauer: Aufpassen, dass Adam und Eva – gerade aus dem Paradiesgarten Eden vertrieben – nicht heimlich wieder dorthin zurück kehrten. Wie jeder anständige Wachmann waren die Cherubim bewaffnet. "Und Gott der Herr ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens."

Ätherische Himmelswesen in der Umgebung der göttlichen Herrschaft, also eine Art himmlischer Hofstaat – so stellen wir uns die Engel gerne vor. Es muss allerdings auch eine recht fleischlich gesonnene Engelssorte gegeben haben. Im 6. Kapitel des 1. Mosebuches ist von himmlischen Lustmolchen die Rede: "Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. Als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten."

Diese himmlischen Titanenerzeuger dürften eher zu den Engeln der widerspenstigen Art gehört haben. Denn offensichtlich ging es auch im göttlichen Hofstaat nicht ohne Intrigen ab. So gab es Anzeichen für eine höllische Rebellion, als deren Anführer Oberengel Luzifer galt. Die göttliche Allmacht ließ sämtliche Umstürzler hart bestrafen, als gefallene Engel wurden sie hinab in die Unterwelt gestürzt. Man erkennt dabei deutliche Parallelen zum griechischen Göttersohn Prometheus, der das Menschengeschlecht heimlich mit dem göttlichen Feuer versorgte. Als das rauskam, hatte das für Prometheus ebenfalls böse Folgen. Zeus ließ ihn an eine Felsen anketten, ein Adler hackte täglich an seiner Leber... Erst Herakles befreite den kreativen Feuerbringer aus dieser misslichen Lage.

Göttliche Boten

Zurück zu den braven Engeln! Ihre Hauptaufgabe im Himmel besteht im Jubilieren. Auf der Erde sind sie treue Überbringer göttlicher Botschaften. Normalerweise umgibt sie dann ein überirdischer Glanz. Manchmal aber kommen sie incognito.
Das wurde der armen Sara zum Verhängnis, als sie und ihr Mann himmlischen Besuch erhielten, welcher die Geburt des ersehnten Sohnes ankündigte. Die greise Sara fand es zum Totlachen. Der Besuch muss demnach ziemlich abgerissen ausgesehen haben. Denn auch bei göttlichen Boten gilt: Kleider machen Leute. Wären die drei Herrschaften im Engelsgewand erschienen, dann hätte Sara die Botschaft wohl ernster genommen.

Die Engel, die den Propheten erschienen, waren unverkennbar. Jesaja machte Bekanntschaft mit Jahwes Seraphim und ihrer Flugtechnik: " Ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie." Ein Seraph flog dann zu Jesaja, um ihm die unreinen Lippen zu säubern – mit einer glühenden Kohle.

Auch Maria wusste sofort Bescheid, als Gabriel bei ihr erschien, denn sie erschrak mächtig bei der Prophezeiung, dass aus ihrem jungfräulichen Schoß der Messias geboren werde. Dem armen Zacharias hatte es beim selben Engel zuvor völlig die Sprache verschlagen, als der ihm die Geburt des Sohnes Johannes ankündigte, der sich später als Täufer einen Namen machen würde.

Weihnachtsengel

Erst sahen sie nur einen – die Hirten auf dem Felde in der Nähe von Bethlehem. War es wieder Gabriel? "Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr." Völlig grundlos, wie sich dann herausstellen sollte: " Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids." Und auf einmal füllte sich der Himmel – mit der Menge der himmlischen Heerscharen. In dieser Menge müssen auch kleinere Engel dabei gewesen sein, Kinderengel und Babyengel, denn diese bevölkern seitdem den Luftraum über dem Stall und der Krippe. Weiß gewandet oder als niedlicher Nackedei mit allerliebsten Stummelflügelchen, eine Harfe, ein Trompetlein im Patschhändchen: Im Barock konnten sie von diesen Putten gar nicht genug kriegen.

Und auf jeden Fall – blonde Haare. Engel haben anscheinend von Natur aus blonde Haare. Mein Großvater war ganz hingerissen von einem blauen Engel namens Marlene. War natürlich auch blond – im übrigen von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Mein Vater schwor auf Jazz und Swing: O when the saints ... Swing low, sweet chariot... Michael row the boat ashore... so hörten sich seine Engelslieder an. Ich selber habe sie auch einmal gehört. Die Engel im Himmel, nicht die Lieder. Das war, als ich Schlittschuhlaufen lernte am Schlachtensee. Ich schlug lang hin, mein Kopf knallte hart aufs Eis. Da hörte ich die Engel pfeifen und singen.

Was sind nun Engel eigentlich? Schwerelose Lichtgestalten, ätherische Geistwesen, frühe Astronauten von anderen Sternen? Sehen kann man F. W. Bernsteins Engel zur Zeit in der Petruskirche. Hier finden wir die Antwort. Engel sind Wesen wie wir: Halb Mensch, halb Tier.

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