Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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15.9.2019

Advent und Weihnachten zu Hause

Regine Hildebrandt erzählt

Kurz vor ihrem Tode im November 2001 schrieb Regine Hildebrandt diesen Artikel in der evangelischen Zeitung "Die Kirche".
Zum Jahrestag ihres Todes veröffentlichen wir in Erinnerung an diese unvergessene Politikerin ihre Gedanken zum Weihnachtsfest in ihrer Familie.

Für meine Familie und mich ist Weihnachten das schönste Fest des Jahres überhaupt. Die Freude über das Christkind in der Krippe-noch ungetrübt durch Passion und Kreuzestod – ist aus christlicher Sicht schon beglückend. Dazu kommt die Freude auch der kirchenfernen Menschen an dem großen Familienfest mit freien Tagen, Bescherung, der gemeinsame Spaß am Schenken, am Beschenktwerden, an gutem Essen, an fröhlichen und turbulenten Stunden mit Freundschaft und Verwandtschaft. Geburtstage sind auch schön – aber sie betreffen immer nur Einzelne. Weihnachten kann schön für alle sein! Doch nicht zu vergessen die Adventszeit: die Zeit der Vorfreude, die ja eigentlich noch wichtiger ist als das Fest selbst.

Bei uns beginnt sie mit dem Ausschmücken der ganzen Wohnung, nicht nur mit Adventskranz und vielem Tannengrün, sondern auch mit unseren erzgebirgischen Kostbarkeiten, die wir zu DDR-Zeiten mühevoll zusammengetragen haben: Schwippbögen, Nussknacker, Räuchermännchen, Kurrendesänger – und vor allem die Weihnachtspyramiden, geschnitzt und gedrechselt, von denen eine – atheismusgeschädigt – natürlich keine Heilige Familie geschweige denn eine Krippe aufzuweisen hat. Aber wir sind da bis heute tolerant geblieben!
Einen hohen Stellenwert haben die selbstgebastelten Produkte: die Strohsterne, der Holzschmuck, die modellierten Krippenfiguren, die Papiersterne, Salzteigfiguren und die in den 70er Jahren in der Bastelstraße des Ost-Berliner Weihnachtsmarktes selbstgebauten kleinen Pyramiden, die nie den richtigen Drehschwung bekommen und deshalb pechrabenschwarze angekokelte Flügel haben. Besonders beliebt sind natürlich die Herrnhuter Sterne, die in Gelb und Rot nicht nur in den Wohnungen unseres Mehrgenerationenhauses hängen, sondern auch wetterfest außen am Haus leuchten – zur Freude vieler Menschen, die daran vorübergehen.

Schon mit dem ersten Sonntag im Advent beginnt für uns die Zeit des Musizierens; Chorkonzerte "unserer" Domkantorei mit weihnachtlichen Liedern und Motetten in den Kirchen der Berliner Umgebung – ein ganzes Wochenende lang.

Selbstverständlich wird zu Hause Musik gemacht mit Waldhorn, Geigen, Flöten und Klavier. Und wir singen wie sonst nie im Jahr. Richtig anrührend, wenn nun auch die Enkel schon miteinstimmen und mitspielen!

Und Weihnachten dann als Krönung mit dem großen Familiensingen. Jung und Alt sind dabei: von den Urgroßeltern bis zu den Allerkleinsten. Nicht umsonst hat man einen Domkantor in der Verwandtschaft. Da erklingt das übliche Repertoire vom Ros bis Psallite, europäische Weihnachtslieder, Vertonungen von Distler, Schütz und Eccard, dann aber werden auch hausgemachte neu komponierte Kanons und Liedsätze einstudiert – als Weihnachtsgabe für alle.

Die Zeilen reichen bei weitem nicht aus, um nur annähernd zu schildern, welche Verlockungen uns das Christfest bietet.

Vielleicht hat Sie mein Erzählen aber überzeugt, wie schön Weihnachten mit christlicher Botschaft in Wort und Musik und in volkstümlicher Umsetzung der Freude bei uns daheim sein kann und die vielen anderen Familien und Gemeinschaften auch.

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