ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.1.2019

Steinbrucharbeiter(innen) schließen sich zusammen
Unser diesjähriges Projekt

Siva ist zwölf Jahre alt. Zwölf Kilo wiegt der Hammer, mit dem er täglich Steine klopft. Die schwere Arbeit im Steinbruch ist ihm zwar gesetzlich verboten, doch das kümmert keinen:

In Sivas Städtchen im Süden Indiens, in Yeleswaram, sind Steinbrüche die einzige Industrie. Viele Kinder arbeiten dort.

Mit sieben Jahren ging Siva für kurze Zeit in die Schule. Dann verletzte sich sein Vater im Steinbruch. Siva ersetzte ihn – und musste bleiben, als der Vater zur Arbeit zurückkehrte. Denn Siva und seine Familie sind Schuldsklaven. Sie waren gezwungen, Geld zu leihen, weil sie nichts mehr zu essen hatten. Seitdem klopfen Siva und sein Vater Steine, um die Schulden zu bedienen, die immer weiter wachsen.

Diese Schuldenfalle hat in Indien einen festen Namen: "Bonded labour" – gefesselte Arbeit. Sie ist verboten, aber niemand hält sich dran.

Menschenrechts-Organisationen brandmarken die Schuldknechtschaft als moderne Form der Sklaverei. Auch Siva dient als Faustpfand für einen Kredit, den sein Vater aufnahm. Fünf Euro verdient er für eine Woche Schuften im Steinbruch. Damit steht er nicht alleine da: Bis zu 70 Millionen Kinder arbeiten in Indien für Hungerlöhne – davon allein 15 Millionen als Schuldsklaven.

In Tamil Nadu im Dingidul District brechen 1,5 Millionen Steinbruchar-beiter(innen) all die Steine, die für Straßen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude benötigt werden. Dabei verdienen sie nur einen Hungerlohn und sind den Steinbruchbetreibern oft schutzlos ausgeliefert: ohne Arbeitsschutz, Kranken- oder Unfallversicherung.

Traditionell werden die Arbeiten im Steinbruch von einer Gruppe Kastenloser, den Vaddera, durchgeführt. Meist Analphabeten, kennen sie ihre Rechte kaum. Beim Arbeitsantritt im Steinbruch bekommen sie eine relativ hohe Vorauszahlung, die sie dann zusammen mit Frau und Kindern abarbeiten müssen. Da sie ihre Arbeitskraft im Voraus verkaufen, sind sie gezwungen, die gebrochenen Steine weit unter dem üblichen Marktpreis an den Steinbruchbetreiber abzugeben, der sie weitervermarktet und mit der Vorauszahlung verrechnet.

In dieser Branche geht es um sehr viel Geld, denn der Export von Steinen ist für Politiker und Geschäftsleute ein lukratives Geschäft. Ein großes Problem ist dabei der illegale Abbau durch Exporteure ohne die geringste Rücksicht auf die Menschen und die Umwelt.

Für nicht organisierte Steinbrucharbeiter(innen) ist es so gut wie unmöglich, sich gegen die Mächtigen und ihre ausbeuterischen oder illegalen Praktiken durchzusetzen. Indische Steine werden u.a. auch nach Deutschland exportiert.
1989 wurde die Entwicklungsgesellschaft der Steinbrucharbeiter QWDS (Quarry Workers Development Society) gegründet. Sie setzt sich erfolgreich für die indischen Steinbrucharbeiter ein, mit dem Ziel den Menschen neue Perspektiven aufzuzeigen, sie auszubilden, zu beraten, über ihre Rechte aufzuklären und zu organisieren, z.B. in Dorfkomitees. Mit der Unterstützung von QWDS haben sich inzwischen auch viele befreite "Schuldknechte" zu Genossenschaften zusammengeschlossen. Darüber hinaus sieht die Partnerorganisation ihre zukünftigen Aufgaben verstärkt in der Rechtshilfe und Lobbyarbeit für die Steinbrucharbeiter.
Diese Arbeit des QWDS unterstützt "Brot für die Welt".

Wir wollen in diesem Jahr u.a. in den Gottesdiensten der Weihnachtszeit für dieses Projekt von "Brot für die Welt" sammeln.

Sie können Ihre Spende in allen Weihnachtsgottesdiensten in die Kollekte geben – wenn Sie das Geld in einen mit Ihrem Namen und Adresse versehenen Umschlag tun, erhalten Sie eine Spendenquittung von uns – oder direkt überweisen auf das Konto beim Kreiskirchlichen Verwaltungsamt Steglitz
(Konto-Nr. 77 64 75 bei Evangelische Darlehnsgenossenschaft Kiel, BLZ 100 602 37
Bitte als Stichwort "Petrus-Giesensdorf, Brot für die Welt" nicht vergessen. Auch in diesem Fall erhalten Sie von uns eine Spendenquittung.