Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.11.2019

Am Anfang war die Ölkrise
20 Jahre Kulturarbeit in der Petruskirche – Teil 1

Ein Rückblick von Gisela Kürschner und Rolf Reisert


Rettet die Petruskirche!

Mit viel Liebe und Einsatz hat die Petrusgemeinde ihre Kirche nach dem 2. Weltkrieg wiederhergestellt. Als die neue Orgel in den 60er Jahren feierlich eingeweiht wurde, dachten wohl alle: Nun ist es geschafft! Unsere Kirche ist fertig und gerüstet für die nächsten Generationen.

Wir hatten um 1970 drei volle Pfarrstellen, eine A-Organistenstelle, ca. 30 hauptamtliche Mitarbeiter für etwa 12.000 Gemeindeglieder. Es ging uns wie dem reichen Kornbauern. Selbstzufrieden konnten wir uns sagen: "Nun liebe Seele hast du Ruhe."

Doch es kam anders. Die Ölkrise zwang uns wegen der hohen Heizkosten im Winter die Kirche zu schließen. Die Orgel litt darunter erheblich, der Holzbetonfußboden zog Kondenswasser und wurde zu einer Schlitterbahn. Die Finanzlage unserer Kirche verschlechterte sich mehr und mehr. Die Unterhaltungskosten für die freistehende Platzkirche waren in Relation zur Nutzung viel zu hoch.

Am 2. Advent 1978 feierten wir das 80. Kirchweihjubiläum – als Trauergottesdienst. Sollte dies der Abschied der Gemeinde von ihrer Kirche sein? Die im Anschluss an den Gottesdienst einberufene Gemeindeversammlung beschloss damals: Wir retten die Petruskirche für Lichterfelde. Wir wollten die Kirche im Dorf lassen. Als Gemeinde wollten wir sie rentabler nutzen, als eine Kirche für das Gemeinwesen, als Ort dezentraler Kulturarbeit, als Begegnungsstätte für unser Wohn- und Lebensviertel.

"Rettet die Petruskirche" hieß der Auftrag der Gemeindeversammlung an den Gemeindekirchenrat und federführend an Rolf Reisert, der bis 1990 Pfarrer in der Petrusgemeinde war.

Zur Verwirklichung dieses Plans für die Petruskirche war zunächst ein Umbau nötig, der durch den Verkauf von Teilen des Pfarrgartens, durch großzügige Spenden unserer Gemeindemitglieder und durch den Erlös bei Festen rund um die Kirche finanziert wurde.

Folgende wesentliche Veränderungen wurden vorgenommen: Der Fußboden wurde erneuert und mit Keramikplatten belegt; eine neue Beheizungsanlage, Toilettenräume und Notausgänge wurden erstellt. Die alten Holzbänke wurden durch Stühle ersetzt, die je nach Bedarf zu Gruppen zusammengestellt werden können. Unter der Orgelempore wurde durch eine Glaswand eine sogenannte Winterkirche vom Kirchenschiff abgetrennt, die für eine kleinere Gruppe leichter zu beheizen ist, wodurch auch ein Beitrag zur Energieeinsparung geleistet wurde. Für das Kirchenschiff wurden ein transportabeler Altar und Bilderschienen mit Galeriebeleuchtung angeschafft.

Nach diesen Umbauten standen der Gemeinde zwei Veranstaltungsräume zur Verfügung. Während das Kirchenschiff neben den Gottesdiensten Raum für klassische Konzerte, Blasmusik, Jazz und Kunstausstelllungen bietet, können in der "Winterkirche" kleinere Jazzkonzerte, Kabarett und besonders Kindertheater stattfinden; sie dient aber auch als Foyer bei Veranstaltungen und als Cafeteria, die sich mittwochs und sonnabends während der Marktzeiten als Treffpunkt zum Frühstück besonders bewährt hat.

Matthias Witting, 1. Kulturbeauftragter der Petruskirche

Die Planung zur Umgestaltung unserer Kirche konnte nicht allein durch ehrenamtliche Helfer geleistet werden, sondern wurde mit Hilfe von qualifizierten ABM-Kräften erstellt. Später wurde eine unbefristete Stelle eingerichtet und zur Finanzierung dieser ein Förderverein gegründet. Die Hälfte der Kosten musste aufgebracht werden. Im Jahre 1994, nach dem Ausscheiden des hauptamtlichen Mitarbeiters wurde die Stelle auf die Hälfte gekürzt. Zur Bewältigung des Arbeitsaufwands wurden Veranstaltungen und Ausstellungen getrennt. Nun wurde ein Kulturbeirat gefunden, der sich mit der Auswahl der Bilder und Objekte befasst.

Rückflickend auf 20 Jahre Kulturarbeit können wir sagen: das neue kulturelle Angebot unserer Kirche ist von Christen und anderen Bewohnern unseres Wohnbereichs angenommen worden. Der Wunsch der Gemeindeversammlung ist Wirklichkeit geworden:

Petruskirche für Lichterfelde

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