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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > November 2002 |
19.5.2012 |
Nicht jeder, der redet, wird gehört. Nicht jeder, der gehört wird, wird auch verstanden. Sich verständlich machen zu können und verstanden zu werden ist eine Gnade. Das eigentliche Wunder von Pfingsten sind nicht die erstaunlichen Fremdsprachenkentnisse, die die Jünger Jesu plötzlich auf unerklärliche Weise an den Tag gelegt haben sollen. Das Wunder liegt darin, dass sie sich beflügelt fühlen, zu reden. Und das es andere Menschen gibt, die sie höre, verstehen, und von der Rede anrühren lassen. 3000 Menschen sollen sich an diesem Tag haben taufen lassen. Ob das nun übertrieben ist oder nicht: Es zeigte, dass die Geschichte der Wirksamkeit und Gegenwart Gottes unter den Menschen auch jetzt, wo Jesus nicht mehr da war, noch nicht zu Ende war, sondern in neuer Form präsent geworden war: In Form seines Geistes, der eine neue Gemeinschaft von Menschen gestiftet hatte: die Kirche. In diesem Sinne ist Kirche Wirkungsort des Heiligen Geistes, und sie darf eben deswegen auch selbst "heilig" genannt werden. Folgt daraus, dass ich Mitglied der Kirche sein muss, um ein guter Christ zu sein? Streng genommen nein. Denn wenn die Kirche als Wirkungsort des Heiligen Geistes definiert wurde, dann bedeutet dies nicht, dass die Kirche der Ort ist, wo dieser Geist wirkt, sondern dass Kirche eben da ist, wo der Heilige Geist wirkt. Und dies kann an keine immer auch menschliche Institution gebunden sein. Aber entgegen weit verbreiteter Ansicht schadet die Kirchenmitgliedschaft dem Christsein auch nichts. Das entscheidende Stichwort dazu fällt im nächsten Satz: Gemeinschaft. Keine Institution, ob das Wort "Kirche" in ihrem Namen auftaucht oder nicht, kann aus oben genannten Gründen behaupten, dass die Mitgliedschaft in genau ihrem Verein heilsnotwendig sei oder dass sie allein und niemand sonst über das Heil verfügen könnte. Gleichzeitig darf aber auch nicht übersehen werden, dass christliche Berufung auch immer Berufung zur Gemeinschaft ist. Ich kann ein guter Christ außerhalb jedweder Institution namens "Kirche" sein. Aber im stillen Kämmerlein, und zwar nur im stillen Kämmerlein, kann ich es nicht sein. Gemeinschaft kann sich nun auf ganz unterschiedliche Weise konstituieren. Wir kennen Zweckgemeinschaften und Glaubensgemeinschaften. Gemeinschaften auf Zeit oder auf Dauer. Gemeinschaft kann gelingen oder scheitern. Soweit eine Kirchengemeinde eine menschliche Gemeinschaft ist, unterliegt sie diesen Beschränkungen. Da gelingt es dem einen trotz guten Willens nicht, sich in der Gemeinde heimisch zu fühlen. Oder die Gemeinschaft besteht nur für einen Lebensabschnitt oder im Zusammenhang mit einem bestimmten Interesse und endet, wenn die Konfirmandenzeit vorbei ist, das Kind nicht mehr die Kita besucht oder der Tanzkreis sich auflösen muss. Alles ganz normal, alles ganz menschlich. Daneben entsteht aber auch so etwas wie eine ewige, überzeitliche und -räumliche Gemeinschaft derer, die von Gottes Geist bewegt dazu beitragen oder beigetragen haben, Gottes Gegenwart in dieser Welt zu verwirklichen. Mit ihnen dürfen wir uns über alle Grenzen aus Raum und Zeit oder auch über die Grenzen der Konfession hinweg verbunden fühlen. In keiner kirchlichen Institution werden menschliche Gemeinschaft und durch Gottes Geist gestiftete Gemeinschaft jemals völlig deckungsgleich sein. Aber es ist Aufgabe der Kirche, daran zu erinnern, dass beide aufeinander hin angelegt sind, insofern als die Kirche auch dort, wo sie sich in ihrer menschlichen Beschränktheit zeigt, doch berufen ist, Wirkungsstätte des Heiligen Geistes zu sein oder eben zu werden, wo sie es nicht ist. Und dies dann aber auch nicht als Selbstzweck, denn nicht eitle Selbstbespiegelung in Heiligkeit kann Ziel des Heiligen Geistes in einer dann zu Recht heilig genannten Kirche und einer Gemeinschaft wahrhaft Heiliger sein, sondern immer nur das wirklich und wirksam Werden Gottes unter den Menschen und für die Menschen. Lesen Sie zu diesem Thema auch:
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