Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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24.9.2019

Zum 60. Todestag Pfarrer Ulrich Muhs

von Torsten Lüdtke

In diesem Monat, am 10. Oktober 2002, jährt sich der Todestag unseres Pfarrers Ulrich Muhs zum sechzigsten Male. – Grund genug, um hier an einen verdienten Heimatforscher und den ersten Gemeindepfarrer der Petruskirche zu erinnern.

Muhs' Leben und Werk sind bis heute – nicht nur für den mit der Heimatgeschichte Vertrauten – untrennbar mit dem Namen Lichterfelde verbunden; nur ist Muhs kein "waschechter" Lichterfelder. Erst als junger Pfarrer kam der am 22.Juli 1868 in Premslin (Prignitz) geborene Muhs nach Lichterfelde, um im "aufstrebenden Villenvorort zwischen Potsdamer und Anhalter Bahn", an der in den Jahren 1897-98 errichteten Petruskirche als "Hülfsprediger" seine erste Pfarrstelle anzutreten. Als Wohnung wurde ihm das Pfarrhaus der Giesensdorfer Dorfkirche – heute ein Teil des Gemeindehauses am Ostpreußendamm – überlassen Auch nach seiner Heirat mit Getrud Busse im Jahr 1901 blieb Muhs im Pfarrhaus, dessen mit Linden bewachsener Garten für den Pfarrer und Heimatforscher Muhs besonders idyllisch und anregend war: So entstanden hier nicht nur Predigten, sondern auch erste kleinere heimatgeschichtliche Werke, wie das 1904 erschienene Büchlein "Aus der Vergangenheit von Giesensdorf und Lichterfelde".

Neun Jahre später kann Muhs das fertiggestellte Pfarrhaus der Petrus-Gemeinde in der Kiesstraße im Herzen des blühenden Villenvororts – zwischen Levkojen und Georginen gelegen – beziehen. Doch waren die weiteren, von der Gemeinde und Pfarrer Muhs vorangetriebenen Projekte, wie das (ebenfalls in der Kiesstraße geplante) Gemeindehaus und die – besonders von Muhs – gewünschte Innenausmalung für die Petruskirche wegen des Kriegsausbruches 1914 nicht mehr zu verwirklichen.

Nach dem Zusammenbruch 1918 erschien Muhs' Hauptwerk "Lichterfelde einst und jetzt – Ein Heimatbuch" in kleiner Auflage und auf schlechtes Papier gedruckt. Das Nachwort gibt einen Einblick in eine scheinbar ausweglose Situation der Umwälzung und des Chaos:
"Das Buch erscheint in dunkler Zeit. Aber es kann und will ein Buch der Aufrichtung sein. Die Geschichte ist dazu da, daß wir an ihr lernen [...]. So wäre es mir noch eine besondere Freude, wenn auch die Vertiefung in dieses Büchlein manchem in der Gemeinde Mut machen würde, mit aller Kraft weiter zu schaffen unter der Losung: Über Gräber vorwärts einer neuen, großen, lichten Zukunft entgegen!"

Wenige Jahr später, Mitte der zwanziger Jahre, konnten die ruhenden Projekte wiederaufgenommen werden: die Petruskirche erhielt endlich die gewünschte Ausmalung und auch die Pläne, ein Gemeindehaus zu errichten, wurden in die Tat umgesetzt. Zwar konnte das Gemeindehaus nicht in der Kiesstraße gebaut werde, doch bot sich in der Parallelstraße ein ausreichender Bauplatz, so daß 1930 schließlich auch das Gemeindehaus eingeweiht werden konnte.

Giesensdorfer Dorfkirche

Nach 37 Jahren Amtszeit wurde Pfarrer Muhs 1935 in den Ruhestand versetzt; für den Lichterfelder Lokalanzeiger schrieb er die Serie: Berlin-Lichterfelde – seine Anlagen und seine Anstalten; weitere kleinere Publikationen folgten.
Muhs hat die Zerstörung großer Teile Lichterfeldes und der Giesensdorfer Dorfkirche, an der sein Herz besonders hing, nicht miterlebt, er starb am 10.10. 1942 und ist auf dem alten Giesensdorfer Friedhof beerdigt.
Seine Worte, am Schluß seines Heimatbuches "Lichterfelde einst und jetzt" stehend, können als sein Vermächtnis gelten:

"Ich grüße den, der sich von mir führen ließ. Ich grüße ihn mit großer Freude, wenn das Empfinden in ihm wach geworden ist: Der Weg, den ich geführt wurde, lohnte sich. Er darf versichert sein: Ihm ist der Weg leichter geworden als mir, der ich durch die Arbeit vieler Jahre mir erst den Weg bahnen mußte. Ich grüße ihn mit dankbarer Genugtuung, wenn auf dieser Wanderung der Wille in ihm sich gestärkt hat: Ich will nun meine Heimat noch lieber haben."

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