Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen – Berufsarbeit von Adam bis Noah
Die biblische Glosse

von Lutz Poetter

Leben – von der Hand in den Mund

Ursprünglich war Arbeit für das menschliche Wesen nicht vorgesehen. Gott der Herr schuf die Menschen zu seinem Ebenbild, er schuf sie als Mann und Weib und segnete sie: "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht!"

Vermehrung des Menschengeschlechts und Herrschaft über die Kreatur – von den Mühen der Arbeit war bei Adam und Eva anfangs nicht die Rede. Eden muss ein Paradiesgarten für Obstliebhaber und Vegetarier gewesen sein – es hätte so bleiben können, wäre da nicht unwiderstehlich die Verlockung der einzig verbotenen Frucht gewesen. Diese Frucht vom Baum der Erkenntnis – war sie ein Apfel? – sollte klug machen. Der Erkenntnisgewinn des ersten Menschenpaares war allerdings ernüchternd. Zwar wurden ihnen die Augen aufgetan, aber was sie sahen, war ihnen eher peinlich: Adam und Eva wurden gewahr, dass sie splitternackt durch das Paradies geschritten waren, ein Umstand, der beide bis dahin keineswegs irritiert hatte, den sie nun aber schamhaft zu verbergen suchten. Der Schurz war erfunden – und die schmerzhafte Einsicht, dass der Gottheit der Tabubruch nicht verborgen bleiben würde. Schließlich half auch kein Sich-heraus-Reden und Auf-die-andern-Schieben: Das paradiesisch süße Nichtstun in fröhlicher Unsterblichkeit nahm ein jähes Ende – der Rauswurf aus dem Paradies bedeutete den Anfang menschlicher Arbeit.

Fluch und Segen der Landarbeit

"Verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist!" Dies die knappe göttliche Arbeitsplatzbeschreibung für Adam als den ersten Landwirt. Sein Weib Eva traf es als Hausfrau und Mutter ebenso hart: "Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären!" Ahnte Eva damals schon, dass diese Mühen keineswegs mit überstandener Geburt beendet, sondern dann erst so richtig los gehen würden? Dass das Elternquälen von den ersten Koliken über Zahn- und Trotzphase bis zu Pubertät und Doppelstudium zur Hauptbeschäftigung der lieben Kleinen werden sollte? Vom eigenen Fleisch und Blut – gequält bis auf's Blut! Kain und Abel jedoch fand als erstes Brüderpaar auch noch genug Zeit für den großen Bruderzwist. Lag es daran, dass die beiden nicht denselben Job hatten oder war es nur das unter Brüdern Übliche:

Konkurrenz, Neid, Eifersucht? Kain, der Erstgeborene ergriff den Beruf seines Vaters und wurde Bauer. Abel als Nachzügler wurde Schäfer. Sein Opferlamm gefiel Gott besser als Kains Früchte – Grund genug für Kain, seinen Bruder tot zu schlagen. Das Mordmotiv war also nicht beruflich, sondern demnach die unterschiedlich erfolgreiche Religionsausübung. Manche Ausleger der Genesis vermuten in diesem biblischen Bruderzwist den Nachklang alter Rivalitäten zwischen sesshaften Ackerbauern und wandernden Hirtennomaden, die durch ihre unterschiedliche Lebensform zwangsläufig miteinander in Konflikte gerieten. Dennoch dürfte es müßig sein, Mutmaßungen über Kain und Abel anzustellen. Selbst wenn beide Schäfer oder Landwirt gewesen wären: Kain hätte schnell einen anderen triftigen Grund gefunden, seinem kleinen Bruder den Schädel zu zertrümmern. Vielleicht jedoch wäre Abel mit dem Leben davon gekommen, hätte er statt eines Bruders eine Schwester gehabt....

Noah, der Trostspender

Der nächste namentlich genannte Erwerbstätige war Noah. Bei seiner Geburt sprach Vater Lamech: "Der wird uns trösten in unserer Mühe und Arbeit auf dem Acker, den der Herr verflucht hat!" Damit war dem Kleinen seine berauschende Lebensaufgabe bereits in die Wiege gelegt: Tröster der Mühseligen und Beladenen durch den Rebensaft. Noah wurde Weinbauer, Winzer, Kellermeister. Vom Anbau der Weinstöcke bis zum Ausbau des fertigen Endprodukts lagen alle Arbeitsgänge in seiner Hand. Berühmt wurde Noah allerdings nicht durch seinen Wein, sondern mit einem Fabrikat, das nur entfernt mit seiner eigentlichen Profession zu tun hatte: Der Arche. In absoluter Rekordzeit und mit minimalem Personal gelang es Noah, diesen 150 Meter langen schwimmenden Holzcontainer zusammen zu zimmern.
Obendrein schwamm das Ding auch noch perfekt, beladen mit allem was da kreucht und fleucht und es erwies sich als extrem seetüchtig in stürmischer Sintflut.

Das legt die Vermutung nahe, dass Noah sich auch seine Weinfässer selbst gebaut hat, ohne die Hilfe eines Küfners in Anspruch zu nehmen. Denn wer ein Fass dicht kriegt, für den dürften auch die Spanten eines Bootsrumpfes kein unlösbares Problem darstellen. Für einige Zeit jedoch wurde Noah unfreiwillig zum Seemann – viel zu tun hatte er allerdings nicht, denn die Arche trieb ziel- und steuerlos auf den unermesslichen Sintfluten herum. Der Kapitän hielt sich wie alle anderen Passagiere unter Deck auf. Damit war er quasi Direktor eines schwimmenden Zoos. Käfige oder Gehege dürfte es kaum gegeben haben in den gewaltigen Decks der Arche – heftiges Durcheinander also bei der Kreatur im Schiffsbauch.

Hoffentlich hatte der arg gebeutelte Noah das eine oder andere Fässchen seines besten Roten mit an Bord genommen. Gegen Ende des Jahres in der Arche wandte sich Noah übrigens der Ornithologie zu: Durch seine Flugexperimente mit Raben und Tauben schuf er die Grundlage für spätere Forschungen. Ihm ist es sicherlich zu verdanken, dass wir Brieftauben und nicht Briefraben kennen.

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