ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > September 2002

25.3.2019

Erfolgreiche Brut der Schleiereulen ohne Erfolg in Berlin
Aus dem Petrus-Kirchturm

von Ludwig Schlottke

Foto: Reiner Kolodziej

Im Kirchturm der Petruskirche in Berlin – Lichterfelde brüten seit über 20 Jahren ohne Unterbrechung Turmfalken (Falco tinnunculus) in einem eigens für diese Vogelart gebauten Holzkasten (Größe 60 x 32 cm, 38 cm hoch) in ca. 30 m Höhe über Grund. Auch dieses Jahr hatte sich ein Paar gefunden und vor dem 12. April mit der Eiablage begonnen, wie ich bei der Kontrolle am Kasten sehen konnte.

Am 5. Mai stellte ich fest, dass beide Turmfalken sich längere Zeit außerhalb des Kastens auf dem Kirchendach aufhielten. Wenigstens einer der beiden hätte, nunmehr fast 3 Wochen nach der ersten Eiablage, auf dem Vollgelege brüten müssen. Nach dem Aufstieg im Turm habe ich durch ein kleines Loch in der Holzwand geschmult: ich sah zwei Vögel im Kasten, die ich nicht zuordnen konnte. Die Umrisse der Vögel waren im Gegenlicht gegen die Einflugöffnung sehr breit und rund im Kopfbereich zu erkennen. Die Silhouette und Größe entsprach weder der von Turmfalken noch der von Tauben (die als Brutplatzkonkurrenten auftreten): Die Schwanzfedern standen sehr steil nach unten, hörten aber über dem Boden auf. Einige Federn waren braun bis sehr hell in der Farbe erkennbar. Nach einem leisen Klopfversuch am Kasten hörte ich nur ein kurzes Gurren. Beim zweiten Klopfen drehte der eine Vogel langsam den Kopf – und ich erkannte die Gesichtsmaske und den kurzen Krummschnabel einer Schleiereule (Tyto alba)! Neben der einen Schleiereule lagen zwei Turmfalkeneier mit ihrer typischen dunkelbraunen Sprenkelung.

Bei einer erneuten Kontrolle nach drei Wochen (25. Mai) waren immer noch die zwei Schleiereulen anwesend. Die eine schien zu sitzen, eine fauchte bei einem kleinen von mir verursachten Geräusch. Ein Gelege konnte ich nicht sehen.

Nach weiteren viereinhalb Wochen (26. Juni) kamen zwei andere Ornithologen mit und wir stellten fest, dass bei den anwesenden Schleiereulen mindestens ein Jungvogel dabei war. Genaueres war nicht zu erkennen und eine Störung sollte vermieden werden. Ich nahm gleichzeitig einige Maße vom Kasten und schlug vor, den Kasten zu vergrößern, um den vielleicht auch mehreren Jungen mehr Bewegungsraum zu ermöglichen. Die hintere Klappe des Kastens ließe sich einfach entfernen. Aber wann macht man den Umbau / die Erweiterung für das Aufzuchtgeschehen verträglich? Der Kasten sollte bei mehreren Jungen möglichst bald geräumiger gemacht werden, denn Bauanleitungen sehen für Schleiereulen eine mindestens 0,5 qm große Grundfläche vor.

Nach dem Bau des Erweiterungskastens stiegen wir zu viert am 5. Juli abends nach 22.30 h hinauf. Die vorherige Beobachtung hatte gezeigt, dass die Altvögel gegen 22.20 h abflogen. Nach dem Schließen der Einflugöffnung (damit die Jungen nicht flüchten) versuchten wir die Kastenerweiterung zu montieren, aber sie passte nicht. Also musste Werkzeug aus dem Auto geholt werden und der Kasten wurde in einstündiger Arbeit so umgebaut, dass er angesetzt werden konnte. Nach Entfernen der alten Kastenrückwand sahen wir drei junge Schleiereulen, die uns vor Angst anfauchten. Sie wurden beringt, gemessen und gewogen. Auf dieser Grundlage waren sie im Alter von ca. 25, 22 und 17 Tagen. Bei der Entnahme von Gewölle fanden wir noch ein viertes verendetes Junges, das vor wenigen Tagen gestorben sein musste. Um 1.00 h war die nächtliche Aktion beendet und wir hatten wieder Pflaster unter unseren Schuhen.

Am 12. Juli erfolgte abends die nächste vorsichtige Kontrolle am Kasten. Die Altvögel waren bei den nun 32 / 29 / 24 Tage alten Jungvögeln auch am Tage nicht mehr im Kasten. Aber von den drei Jungen waren durch die Kontrollöffnung nur noch zwei Junge zu sehen. Es galt abzuwarten und Geduld zu haben, denn Schleiereulen haben eine verhältnismäßig lange Entwicklungszeit.

Am 18. Juli, also zwei Wochen nach der Beringung, fand ich einen verwesenden Jungvogel unten am Turm im Gras liegen. Die Hauptfedern waren 1 cm aus den Federkielen herausgewachsen. Die Kontrolle oben im Turm ergab die traurige Tatsache, dass keine lebende junge Schleiereule mehr im Kasten war. Das eine Junge lag verendet mit weißem Daunengefieder und 2 – 3 cm langen sichtbaren Federn an den Handschwingen auf dem Kastenboden obenauf, ein weiteres fand ich mumifiziert daneben. Eine Einwirkung von außen als Todesursache konnte ich nicht feststellen. Da aber die nächste Feldflur als arttypisches Ernährungsgebiet in 2 km Entfernung am Stadtrand liegt, ist zu vermuten, dass die Jungen alle verhungert sind. Für diese Annahme spricht auch das Sterben der Jungen nacheinander in zeitlichen Abständen. Vielleicht ist ja auch noch einer der Altvögel bei der Jagd verunglückt oder auch vom Habicht geschlagen worden.

Nun hoffen wir, dass der erweiterte Kasten im nächsten Jahr wieder Schleiereulen als Brutstätte dient, denn es ist dieses eines der zwei bekannten Brutpaare, die im Stadtgebiet gebrütet haben.
Und die Turmfalken? Sie bekommen einen neuen Kasten noch in diesem Jahr am Ostfenster des Turmes gebaut.

Ludwig Schlottke