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21.5.2019

"...hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel..."
Das Glaubensbekenntnis – Teil 5

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Das "Reich der Todes" – was ist das? Zu verschiedenen Zeiten und Orten haben Menschen unterschiedliche Vorstellungen darüber entwickelt, was mit dem Menschen nach seinem Tod passiert. Bestimmte Völker waren besonders phantasievoll darin, sich das Schicksal des Menschen nach seinem Tode auszumalen und das Jenseits im Guten wie im Bösen detailverliebt auszustatten.

Die alten Ägypter beispielsweise, von deren Jenseitsvorstellungen wir durch Texte und Gemälde in den Gräbern wie auch durch Papyri ausführlich unterrichtet sind.
Die alten Sumerer dagegen waren prosaischer und ließen ihren Ängsten und Hoffnungen weniger Raum: bei ihnen ist die Unterwelt vor allem ein trauriger Ort, wo die Menschen als Schatten ihrer selbst dahinvegetieren, macht- und kraftlos. Diese Vorstellung finden wir auch noch bei Homer, wo Odysseus an der Schwelle zum Hades die Toten beschwört. Er schlachtet einen Widder, und die schemenhaften Seelen drängen sich darum, vom Blut des Tieres zu kosten. Durch die fremde Lebenskraft, die sie mit dem Blut aufnehmen, bekommen sie für kurze Zeit wieder Leben, erinnern sich und können auf Odysseus Fragen antworten. Doch sobald er versucht, sie anzufassen, greift er in die Luft.
So ähnlich stellten sich auch die Menschen im alten Israel die Unterwelt großteils vor, als eine "Hölle" die nicht dadurch schrecklich ist, dass in ihre die Verstorbenen grausig gequält werden, sondern weil sie keine eigene Lebenskraft mehr haben und damit von der Gemeinschaft mit den Lebenden und auch der Gemeinschaft der Glaubenden getrennt sind. Wer tot ist, der kann nichts mehr bewirken und ist fern von Gott und Menschen. Darin liegt auch die Verbindung zwischen der Sünde und dem Tod.
Man sagt: "Der Tod ist der Sünde Lohn." Das klingt nach Todesstrafe. Du hast gesündigt, deshalb musst du jetzt zur Strafe sterben. Aber tatsächlich ist die Verbindung viel inniger. Wenn man es vom Ergebnis her betrachtet, sind die Sünde und der Tod ein und dasselbe: Sie trennen von Gott und den Menschen.

Damit wird klar, warum der Abstieg Jesu in die Unterwelt notwendig ist, und zwar gleich doppelt notwendig: einmal vom Standpunkt der Sünde und einmal von Standpunkt der Erlösung. Wenn Jesus tatsächlich die Sünde der Welt trägt, dann muss ihn diese Sünde auch in die äußerste Gottesabgeschiedenheit führen, die man sich denken kann, bis in das Reich des Todes. Und nur indem Gott selber, in der Person seines Sohnes in diese tiefsten Tiefen hinabsteigt, wird sinnbildlich deutlich, dass die Sünde und der Tod nun wirklich besiegt sind. Nach Gottes Erlösungstat in und durch Jesus Christus kann nichts, wirklich gar nichts, den Menschen mehr von Gott trennen. Die Hölle ist nicht mehr.

Besonders in der orthodoxen Kunst wird dies gerne versinnbildlicht durch Figuren aus dem Alten Testament, die Zeuge von Jesu Abstieg in und Aufstieg aus der Unterwelt sind. Im abgebildeten Mosaik aus dem Kloster Hosios Lukas sehen wir links die Könige David und Salomon, rechts Adam und Eva. In dem gähnenden Loch unter Jesu Füßen sehen wir Schlüssel und Türflügel. Beides ist jetzt nutzlos geworden, die Pforten zum Totenreich sind ein für alle mal gesprengt, die ganze Menschheit ist mit Gott versöhnt.

So drückt auch das "aufgefahren in dem Himmel" zunächst und vor allem aus, dass Jesus nach seinem irdischen Tod nicht von Gott getrennt ist, sondern sich immer noch in völliger Gemeinschaft mit ihm befindet.
"Aufgefahren in den Himmel" bedeutet aber auch, dass Jesus nicht mehr unter uns lebt und wirkt, so wir er es zu seinen Lebzeiten getan hat. Wenn das Glaubensbekenntnis die Himmelfahrt so deutlich erwähnt, wenn wir ein Fest "Chrsiti Himmelfahrt kennen und für wichtig halten, dann dokumentieren wir damit auch ein Stück neue Ferne, eine neue Art der Getrenntheit, die der urchristlichen Gemeinde noch weitgehend abging.
Aus ihrem Kreis stammen die Berichte von Begegnungen mit dem auferstandenen Christus, den seine Freunde, seine Familienmitglieder zunächst nicht als in ferne Himmel entrückt, sondern als wirklich lebendig, wahrhaft auferstanden erlebten. Dieses Erlebnis war es, das sie bewegte und das sie mit anderen Menschen teilen wollten. Zum Wunder von Ostern gehört auch das: dass es immer wieder neue Menschen gab, die tatsächlich teilhaben konnten an diesem Erlebnis, denn welchen Sinn hätte die Heilstat Gottes, wenn aus ihr nicht eine Heilsbotschaft geworden wäre, die über die Jahrhunderte weitergegeben werden konnte von einem Menschen zum anderen?

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