ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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24.3.2019

Sehnsucht

von Pfrn. Susanne Peters-Streu

Wenn die Ferienzeit sich langsam nähert, scheinen Hektik und Geschwindigkeit des Lebens noch einmal zuzulegen. Wieviel Dringendes muss noch erledigt und auf den Weg gebracht werden, bevor dann endlich die lang ersehnte Ruhepause kommt. Dann, dann habe ich Zeit für alles, was ich schon längst einmal gern tun wollte. Zeit für mich selbst, Zeit für den Lebenspartner, die Eltern, die Kinder, den Garten, das Haus, die Natur, ein Buch... Zeit für alles wonach mein Herz verlangt.

So erlebe – oder sollte ich besser sagen: ertappe – ich mich manchmal bei meinen Gedanken auf dem Weg von einer Arbeit zur nächsten, von einem Termin zum anderen. Das Lebensgefühl: Gehetzt! Und dann wache ich auf von Zeit zu Zeit: "Du Närrin", denke ich, "was gibt dir denn die Gewissheit, dass du dann Ruhe findest, Kraft haben wirst, gesund bleibst und lebst, um all das zu tun, zu erleben, zu erfahren, für das du heute keine Zeit gefunden hast?"
Hektisch und schrill rast die Zeit, hämmernd und stampfend.

Wenn das Herz erzählen könnte, was würde es wohl sagen?
Wie fühlen wir uns in diesem Zeitgeist? Wie ein Fisch im Wasser, oder eher wie Treibgut, das sich mit Mühe über Wasser halten kann, hilflos trudelnd?

Dankbar denke ich dann an Worte, die Dietrich Bonhoeffer einmal aufgeschrieben hat: "Jeder Tag ist ein abgeschlossenes Ganzes. Der heutige Tag ist die Grenze unseres Sorgens und Mühens. Er ist lang genug, um Gott zu finden oder zu verlieren, um Glauben zu halten oder in Schande zu fallen. Darum schuf Gott Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wandern, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sähen."

Ich wünsche uns, dass wir jeden neuen Tag entdecken als Geschenk Gottes: Heute zu leben, heute zu lachen und zu weinen, heute Kraft einzusetzen und Kraft zu schöpfen.

Gott sagt nicht: "Das ist ein Weg zu mir, dies aber nicht",sondern er sagt: "Alles, was du tust, kann ein Weg zu mir sein, wenn du es nur so tust, dass es mich zu dir führt." (Martin Buber)

Ich wünsche uns allen für die kommende Zeit – sei es nun Arbeits- oder eben Ferienzeit – ruhige Gelassenheit. Sie wächst aus dem Wissen, dass jeder neue Tag uns einen neuen Anfang schenkt: Heute können wir in Aufrichtigkeit der Liebe und der Wahrheit unseres Lebens ein Stück näher auf die Spur kommen.

Pfrn. Susanne Peters-Streu