ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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20.5.2019

Pfarrer gesucht – und gefunden!

von Lutz Poetter

Er heißt Michael Busch und wird am 1. September seinen Dienst als Pfarrer unserer Gemeinde beginnen. Am 7. Mai 02 hat der GKR unter Leitung des Superintendenten Friedrich Gülzow die Pfarrerwahl durchgeführt und Michael Busch gewählt. Und in drei Monaten wird er bei uns sein.

Etwas Zeit bleibt uns noch – Klarheit zu schaffen über die Aufgaben eines Gemeindepfarrers und die Erwartungen, die Menschen in unserer Gemeinde an seinen Dienst richten. "Pfarrer" meint hier den Beruf, nicht das Geschlecht der Person, die ihn ausübt. Aufgabe eines Pfarrers ist der Dienst in der Gemeinde. Dabei denken wir zuerst an die Besucher der Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen, an die zahlreichen Gruppen und Kreise, die sogenannte Kerngemeinde. Kinder machen erste Gemeinschaftserfahrungen im Raum der Kirche und erfahren spielerisch die biblische Botschaft in Familiengottesdiensten und bei Kinderbibeltagen. Jugendliche finden Raum und Rückhalt in der Gruppe der Gleichaltrigen. Hier können sie sich treffen und werden ernst genommen als heranwachsende Glieder der Gemeinde – nicht nur im Konfirmandenunterricht.
Junge Familien und Alleinerziehende finden Beratung und Begleitung – unsere beiden Kindertagesstätten und Mini-Clubs sind gefragte Einrichtungen für unsere Jüngsten und unterstützen die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder.
Unseren alten Menschen bietet die Gemeinde einen Ort der Gemeinschaft und der praktischen Hilfe in der zunehmenden Anonymität der Großstadt, die den Lebensabend vieler Einwohner mit Vereinzelung und Einsamkeit bedroht. Gegen diesen Trend wollen wir "Offene Kirche" sein. Auch unser Kulturangebot in der Petruskirche ist ein deutliches Zeichen für die Offenheit unserer Gemeinde. An allen diesen Gruppen und Kreisen soll der Pfarrer regelmäßig teilnehmen. Bei Gemeindeveranstaltungen wird seine Anwesenheit selbstverständlich erwartet: Ein Pfarrer muss schließlich Bescheid wissen, was in seiner Gemeinde geschieht. Er muss die Personen und die Probleme kennen, sein Rat, seine Hilfe, seine Vermittlung sind oft gefragt.

Es nehmen jedoch höchstens 10% unserer rund 12.000 Gemeindeglieder am Kerngemeinde-Leben aktiv teil. 90% der Gemeindeglieder nehmen also die Dienste und Angebote der Gemeinde und ihrer Pfarrer nur zu bestimmten Anlässen wahr. Sie fühlen sich aber keineswegs als "Fernstehende", sondern als vollwertige Gemeindeglieder. Sie zahlen Kirchensteuer und besuchen die Kirchen regelmäßig zur Weihnachtszeit. Bei wichtigen Anlässen im Leben geben sie sich als Christen zu erkennen: Kinder werden getauft, Jugendliche konfirmiert, Brautpaare lassen sich in der Kirche trauen, Verstorbene werden mit kirchlichem Geleit bestattet. Bei all diesen Gelegenheiten erwartet man zu Recht persönliche Begleitung, seelsorgerlichen Beistand und feierliche Gestaltung durch den Pfarrer.

Viele alte Menschen finden den Weg in die Kirche nicht mehr. Sie wünschen daher, dass der Pfarrer zu ihnen kommt. Aber auch viele Jüngere und Menschen mittleren Alters haben kaum noch Kontakt zu ihrer Ortsgemeinde. Sie sind Gemeindeglieder, wissen aber oft gar nichts von ihr. Sollte ein Pfarrer nicht gerade auf diese Menschen achten, sich ihren Fragen und Zweifeln aussetzen? Muss er nicht hinhören auf die kritischen Anfragen aus der Gemeinde, aus der Gesellschaft? Schließlich soll er Pfarrer für alle sein und nicht nur für 10%.

Die Gemeinde Petrus-Giesensdorf mit zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für 12.000 Gemeindeglieder ist ein mittleres Unternehmen. Als Pfarrer und Mitglied der Gemeindeleitung ist man irgendwie auch "Chef". Weisungsbefugnis und Dienstaufsicht erfordern eine genaue Kenntnis der Arbeitsgebiete und Aufgaben, welche die Mitarbeiterschaft zu bewältigen hat: viele Dienst- und Arbeitsbesprechungen. Die Geschäftsführung der personellen, finanziellen und baulichen Angelegenheiten unserer Gemeinde in Abstimmung mit dem Kirchenkreis Steglitz und der Landeskirche Berlin-Brandenburg erfordert Kraft und Zeit – nicht nur in Zeiten jahrelanger Bauvorhaben, die wir in diesem Herbst glücklich anschließen werden. Auch wenn die Hauptlast der Geschäftsführung auf den Schultern ehrenamtlicher Ältester des Gemeindekirchenrates liegt, sind die Pfarrer immer beteiligt. Denn zusammen mit den gewählten Ältesten bilden sie die Gemeindeleitung.
Der GKR berät alle wichtigen Fragen und trifft Entscheidungen. Diese Beschlüsse müssen vorbereitet und durchgeführt werden. Über die Bewältigung der laufenden Geschäfte hinaus besteht die Leitungsaufgabe des GKR darin, Perspektiven für die Zukunft der Gemeinde zu entwickeln und tragfähige Konzeptionen für einzelne Arbeitsbereiche in Zeiten knapper Finanz- und Personalausstattung zu erarbeiten. Dies gelingt nicht von heute auf morgen und nur im fortwährenden Gespräch. Hier muss die Gemeinde einbezogen werden. So ist es eine der Hauptaufgaben der Pfarrer, Informationen weiter zu geben – im persönlichen Gespräch, in den Beratungen der Gremien, bei Gemeindeveranstaltungen, im Gemeindebrief....

Pfarrers eigentliche Aufgabe ist die Verkündigung. Zu Predigt und kirchlichem Unterricht ist er als Theologe berufen. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Botschaft: Das Evangelium von der Gnade Gottes gehört in unsere heutige Zeit hinein. Dies verkündigt der Pfarrer im Gottesdienst, und bei Amtshandlungen, im Konfirmandenunterricht und im seelsorgerlichen Gespräch. Hierzu muss er auf der Höhe der theologischen Diskussion und am Pulsschlag der Zeit bleiben, sonst hat er als Prediger schnell ausgepredigt und wiederholt bloß Abgedroschenes. Deshalb muss er als Pfarrer über den Horizont des eigenen Gemeindegebiets gucken. Er braucht den Kontakt und die Beratung mit den Pfarrkollegen im Kirchenkreis und in der Landeskirche. Er muss wissen, was weltweit in den christlichen Kirchen vor sich geht.

Wichtigste Anforderung an einen Pfarrer: Zeit haben! Er soll ansprechbar sein für die Wünsche und Sorgen, die Chancen und Schwierigkeiten in der Gemeinde. Er soll jederzeit ein offenes Ohr haben, wenn er gebraucht wird. Dies verlangt Ruhe und Gelassenheit. Ein abgehetzter, rastloser Pfarrer ist keine Empfehlung für die Gemeinde. Er braucht Raum für sein eigenes Glaubensleben und für die eigene Geborgenheit in seiner Familie, nur dann ist er gerüstet für seinen Dienst. Sein privater Lebensbereich darf keinesfalls zu kurz kommen – um seiner selbst und um der Gemeinde willen.

Die Gemeinde wartet auf ihren neuen Pfarrer Michael Busch. Er wird der neue Jugendpfarrer sein für die Jugendlichen unserer Gemeinde – vor, während und nach der Konfirmandenzeit. Außerdem ist er ja einer von drei Gemeindepfarrern und damit zuständig für ... und ...

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