Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Gemeindezentrum CelsiusstraßeGemeindehaus Ostpreußendamm
Gemeindehaus ParallelstraßeDorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Mai 2002

14.12.2019

Frau Marter geht...
... nach 30jähriger Tätigkeit im Lindenhof in den Ruhestand

von Gilka Rohlfs-Haupt

"Gut so", sagt Frau Marter, " die weiteren Kürzungen in den Kitas kann ich nicht mehr verkraften. Mein Ruhestand kommt gerade richtig". Sie hat das alles noch erlebt in ihrem langen Berufsleben; übergroße Gruppen, die Erzieher mehr in aufsichtsführender denn in pädagogisch fördernder Funktion.
Sie hat das alles noch vor Augen, die 40 Eisenbettchen, die im Mehrzweckraum standen, die notgedrungen autoritär auftretenden auftretenden Erziehungspersonen, die das Rudel Kinder in den Schlaf drängten ...

Dann müssen sich jedoch die Verantwortlichen überlegt haben, daß Kinder Wesen mit Seelen sind, die in zartem Alter ein Höchstmaß an individueller Zuwendung brauchen. Die Erziehungssituation in den Tagesstätten verbesserte sich stetig. Seit 1990, so schreibt die Gewerkschaft, ist die Entwicklung wieder rücklaufig. Wir stellen massive Verschlechterungen seit 1995 fest. Wofür ist das ein Zeichen? Sicher auch für leere Kassen, aber auch für die Prioritäten, die in unserem Land beim GeldVerteilen gesetzt werden. Kinder in den ersten 5 Jahren ihres Lebens haben keine Lobby.

Still und bescheiden wird Frau Marter abtreten, so wie sie sich immer gegeben hat. Sie beansprucht nicht die große Bühne. Aber würde sie sie denn bekommen, wenn sie sie wollte? In Deutschland stehen Kita-Erzieher nicht im Rampenlicht gesellschaftlicher Anerkennung. Und so geht man auch mit ihnen um. Das Wissen um die signifikante Bedeutung der ersten 5 Jahre im Leben eines Menschen ( und die daraus resultierende hohe Bedeutung des Erzieherpersonals) ver -bleibt an den Instituten für Kleinkind-Pädagogik, lagert im Fach oder im Buch. Die politisch Handelnden in Deutschland bleiben davon völlig unberührt. Das Bedrückende an diesem Phänomen ist die Vorbildfunktion. Die Politik bewertet welchen Wert ein Kind ( und damit auch seine Erzieherin ) zu haben hat. Mindere Wertschätzung setzt sich fort bis in alle Segmente gesellschaftlichen Handelns.

In anderen Ländern ist das anders. Nehmen wir z. B. Japan. "In Japan haben Kindergärtnerinnen den gleichen Status wie Professoren, weil die Japaner wissen, wie wichtig die ersten Lebensjahre eines Kindes sind. Und wahrscheinlich sorgen die gute Bezahlung und das hohe Ansehen des Kindergartenpersonals auch für ein ausgewogeneres Verhältnis von Erziehern und Erzieherinnen." (Vgl. dazu Gerster/Nürnberger; "Der Erziehungsnotstand", S.68)

Auch in unseren Reihen ist das anders. Da genießen Sie, liebe Frau Marter, großen Respekt und unser aller Anerkennung für Ihre Lebensleistung. Rechnen wir mal mit, so haben sie 300-400 Kinder auf die Reise geschickt, ihnen die Grundlagen mitgegeben, damit sie ihre besten Fähigkeiten ausbauen konnten, um selbstbewußt in diesem Leben zu bestehen.

Die Kita Lindenhof bedankt sich bei Ihnen für die vielen Jahre der Treue und des unermüdlichen Einsatzes. Wir wissen, ihr Ruhestand wird so kreativ und farbig sein, so, wie sie auch immer die Arbeit mit den Kindern verstanden haben. Leben Sie wohl.

Gilka Rohlfs-Haupt

zum Seitenanfang   Übersicht der Themen   blättern