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18.7.2019

300 Ellen lang, 50 Ellen breit, 30 Ellen hoch – Maße und Gewichte in der Bibel
Eine biblische Glosse

von Lutz Poetter

Früher oder später landet man beim Bibellesen ganz hinten. Ich meine nicht die Offenbarung, dieses letzte Buch des Neuen Testaments. Dahinter nämlich kommt noch was: Der Anhang! Also verständnisfördernde Sach- und Worterklärungen zu biblischen Personen und Begriffen, Zeittafeln zur biblischen Geschichte und zur Überlieferung der Bibel, ein Stichwortverzeichnis, ein Ortsregister, mehrere Landkarten. Außerdem finden wir eine Übersicht über die in biblischer Zeit gebräuchlichen Maße und Gewichte.
Wir begeben uns auf die Suche danach im Alten Testament.

Keine Elle im Paradies

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Einziges Maß dieser Schöpfung war die Zeit. Gott schuf die ersten Tage: Sechs Schöpfungstage und einen Sabbat als Ruhetag. Alles andere blieb noch ungemessen und ungewogen.
Unsere neugierigen Fragen müssen deshalb leider unbeantwortet bleiben: Wie groß war der Garten Eden? Welche Kragenweite hatte Adam? Wie viele Lot wog Eva? Wie hoch war der Baum der Erkenntnis? Wie lang war wohl die listige Schlange im Paradies? Und wie lang war der Schurz aus Feigenblättern, den das erste Menschenpaar um die neu entdeckte Blöße schlang?

Der Kasten

Erst bei Noah werden wir fündig: Gott beauftragte ihn vor der Sintflut mit dem Bau der Arche, mit präzisen Maßangaben: "Mache dir einen Kasten von Tannenholz und mache Kammern darin und verpiche ihn mit Pech innen und außen. Und mache ihn so: Dreihundert Ellen sei die Länge, fünfzig Ellen die Breite und dreißig Ellen die Höhe. Ein Fenster sollst du daran machen obenan, eine Elle groß. Die Tür sollst du mitten in seine Seite setzen. Und er soll drei Stockwerke haben ..."

Noah wird gewusst haben, was Gott wollte, wir allerdings haben ein Umrechnungsproblem: Welche Elle meinte der HERR? Die normale mit 46 cm oder die alte Elle, die sogenannte Groß-Elle mit 52 cm?
Gehen wir von der alten Elle aus in vorsintflutlicher Zeit, dann haben wir folgende Meter-Maße für Noahs Kasten: 156 m lang, 26 m breit und 16 m hoch. Genügend Platz also auf drei Stockwerken für all die Tiere, die Noah einladen sollte, bevor die Tür geschlossen wurde und der Regen kam. Die Luft dürfte allerdings knapp gewesen sein in Noahs schwimmendem Zoo – nur ein Fenster, eine Elle groß...

Erstaunlich vor allem, was Noah im biblischen Alter von 600 Jahren als Amateur-Tischler zustande brachte, selbst wenn man unterstellt, dass seine drei Söhne ihm kräftig zur Hand gingen und die drei Schwiegertöchter vielleicht Kaffee gekocht und Stullen geschmiert haben...
Die Arche wurde jedenfalls pünktlich bezugsfertig, bevor die Wassermassen die Erde bedeckten. Witzbolde vermuten hier übrigens trotz der Feuchte das allererste Fußballspiel – Gott sprach zu Noah: Geh du in den Kasten, ich mache den Sturm!

Der Turm

Als die Sintflut sich verlaufen hatte, machte Gott einen Bund mit Noah. Die neuen Menschenkinder hatten leider auch nur Frevel im Sinn: "Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen!"
Durch göttliche Einwirkung konnte dieses Bauprojekt zu Babel allerdings nicht fertiggestellt werden. Bei welcher Bauhöhe der Himmelsturm stagnierte, das verschweigt uns die Bibel.

Auch danach sind die Größenangaben eher rar: Wie lang war wohl Jakobs Himmelsleiter? Wie groß der brennende Dornbusch, aus dem Gottes Stimme zu Moses sprach? Und wie hoch war eigentlich dieser Gottesberg Horeb bis zum Gipfel? All dieses bleibt ein Geheimnis – wie auch der Umfang der Wolken- und Feuersäule samt der Länge der Trocken-Passage durch das Schilfmeer.
Detailliert beschrieben und bemessen sind allerdings die heiligen Gerätschaften, die das Volk Israel auf seiner Wüstenwanderung mitführte: Die Bundeslade zur Aufbewahrung der Gebote, die Stiftshütte aus Teppichen zum Schutz der Lade, der siebenarmige Leuchter...

Der riesige Philister

Zur Zeit des ersten Königs über Israel herrschte Krieg mit den Philistern im gelobten Land Kanaan. Und selbst der herausgeforderte König Saul – "eines Hauptes länger als alles Volk" – als kampferprobter Kriegsheld musste sich plötzlich wie ein Zwerg gefühlt haben, geschüttelt von peinlichem Muffensausen.
Denn der Recke, den die Philister da als Einzelkämpfer Mann gegen Mann wider Israel aufboten, hatte so beeindruckende Ausmaße, dass sein bloßer Anblick auch die hartgesottensten Haudegen in Angst und Schrecken versetzte: Sechs Ellen und eine Handbreit!

Selbst mit der Normal-Elle kommen wir bei diesem Goliath auf Zweimetersechsundachtzig, die Groß-Elle lässt den Vorzeigephilister auf furchteinflößende Dreimeterzwanzig anwachsen. Und dann die Waffenrüstung für diesen Koloss! 5000 Lot Erz wog allein sein Schuppenpanzer – mit sechzig Kilogramm also genauso viel wie der ganze Hirtenknabe David, der gegen diesen Terminator antreten wollte.

Rechnet man noch den ehernen Helm, die ehernen Beinschienen, den baumgroßen Wurfspieß und das Riesenschwert dazu, dann trug Goliath volle drei Zentner Eisen am Leib – ohne Lendenschurz und Schuhe gerechnet und auch ohne den mächtigen Schild, den ein Knappe vor ihm hertragen musste. Weil Goliath auch bei diesen Gewichten noch kämpfen konnte, erscheinen die Dreimeterzwanzig glaubhafter als die Zweimetersechsundachtzig.

David hingegen konnte in Sauls geliehener Rüstung keinen einzigen Schritt machen, geschweige denn dessen Schwert ziehen. Zum eigentlichen Kampf kam es dann allerdings gar nicht: Der Knabe David zog es vor, Goliath aus sicherer Entfernung mit göttlichem Beistand und seiner Steinschleuder kampfunfähig zu machen. An der Schläfe getroffen stürzte der Riese der Länge nach zu Boden.
Wie es David nun gelang, Goliath mit dessen eigenem monströsem Schwert den Kopf abzuschlagen bleibt wiederum im Unwägbaren verborgen. Sollte auch dabei die Hand Gottes im Spiel gewesen sein?

Salomos zierliche Bauwerke

König David hatte bereits das Grundstück für den geplanten Tempel zu Jerusalem erworben – für fünfzig Lot Silber war die Tenne des Jebusiters Araunas anscheinend ein echtes Sonderangebot. David errichtete schon mal einen Altar auf dem Gelände.

Auch die fette Kriegsbeute aus zahlreichen gewonnenen Schlachten gegen Philister, Moabiter und Aramäer hatte er bereits für den Tempelbau bestimmt. Allein – David baute zwar einige Häuser und Paläste für den königlichen Eigenbedarf, zum Tempelbau für den Gott Israels aber kam er nicht mehr. Dies blieb seinem Sohn und Nachfolger auf dem Thron Salomo vorbehalten. Und der legte sich mächtig ins Zeug, beziehungsweise ließ andere sich ins Zeug legen, nach der Devise: Nicht kleckern sondern klotzen.

Hier Salomos königlicher Tagesbedarf an fester Nahrung: 90 Sack Mehl à 390 Liter, 30 Rinder, 100 Schafe ohne die Hirsche, Gazellen, Rehe und das Federvieh aus der Jagdbeute.
Nicht mal übertrieben bei einen Jahreseinkommen von 24 Tonnen Gold von tributpflichtigen Untertanen. So ließ Salomo es auch beim Anwerben der Arbeitskräfte für den Tempelbau eher üppig angehen: Hiram von Tyros erhielt für das Fällen der Zedern im Libanon 8 Million Liter Weizen und 30.000 Fronarbeiter. Dazu kamen 70.000 Lastträger und 80.000 Steinhauer für die Tempelsteine.

Angesichts dieser 180.000 Handwerker fragt man sich unwillkürlich, ob Salomo den einst gescheiterten himmelhohen Turmbau erneut in Angriff nehmen wollte. Im ersten Buch der Könige erfahren wir dann die Ausmaße des Tempels – und sind überrascht: Sechzig Ellen lang, zwanzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch. Auch wenn das Buch der Chronik nachträglich versichert, es habe sich dabei um alte Ellen gehandelt, nimmt sich der Bau ziemlich schmächtig aus: Mit rund dreißig Metern Länge, zehn Metern Breite und fünfzehn Metern Höhe war der sagenhafte Gottestempel zu Jerusalem kaum größer als unsere Giesensdorfer Dorfkirche, die ja wohl die zweitkleinste Berliner Feldsteinkirche darstellt.

Man fragt sich unwillkürlich, wie 180.000 eifrige Bauhandwerker bei einem derartigen Bauvorhaben Beschäftigung fanden. Des Rätsels Lösung liegt wohl bei den 3.300 Vögten, die Salomo als Aufseher angestellt hatte. Beim Bau seiner eigenen königlichen Immobilien dürfte der weise Salomo dann auf einen beträchtlichen Teil des Bau- Managements verzichtet haben. Denn sein erster eigener Palast – niedlich "Libanon-Waldhaus" genannt – fiel wesentlich stattlicher aus als der Tempel Gottes: 100 Ellen lang und 50 Ellen breit.

Im Vergleich zu Noahs Viermann-Arche aber geriet auch dieses Bauwerk geradezu zierlich. Die alte Handwerkerregel gilt wohl doch nicht immer: Viel hilft viel. Manchmal ist weniger eben mehr.

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