ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > April 2002

19.1.2019

Zum Monatsspruch für April

von Pfrn. Susanne Peters-Streu

Drei Monate ist der Jahreswechsel her. Denken Sie noch manchmal an die guten Vorsätze, die Sie für das neue Jahr gefasst hatten? Oder haben Sie es schon längst aufgegeben mit den guten Vorsätzen, weil Sie wissen, es bleibt doch nur beim Vorsatz? Wie schwer tue ich mich Gewohntes zu verändern. Mein Leben ist eingerichtet dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig oder mehr Jahre lang. Ich habe meinen Rhythmus. Meine Wege, meine Umgebung kenne ich. Ich weiß, wie ich mir andere gewogen mache oder wie ich sie mir vom Hals halte. Was mich verunsichert und ängstigt meide ich.

Zieh den neuen Menschen an! Alles Gewohnte wie einen abgetragen, alten, löchrigen, aber gerade doch deshalb so lieb gewordenen Pullover abstreifen. Kann ich das?

Wie oft handle ich wider besseres Wissen. Ich weiß, was mir gut tut, aber ich tue es nicht. Ich weiß, was der Umwelt gut tut, aber ich tue es nicht, die Bequemlichkeit siegt. Wie komme ich dahin Altes abzulegen, doch nur, wenn ich tief in mir spüre oder vor Augen habe, dass das Neue erfülltes, wahres, gelingendes Leben ist.

"Seht doch euer altes Leben an", sagt Paulus. "Habt ihr euch nicht viel zu lange in die Irre führen lassen? Wollt ihr mir vielleicht sagen, dass ihr glücklich seid?"

Stefan Kraft; ohne Titel, 1993
© VG Bild-Kunst, Bonn 2002

Der Weg zur Wahrheit ist kein leichter, oft bedarf es tiefer Einschnitte und großer Verunsicherungen, um sich der Lebenswahrheit ein Stück zu nähern. Was verliere ich, wenn ich den alten Menschen ablege, mich verändere? Und doch, wie befreiend kann es sein, die Wahrheit zu erkennen, ein Stück wahrhaftiger mit sich und den anderen zu sein. Wie leicht will man ausweichen und zurückweisen. Ich nicht glücklich? Nein. Eingerichtet in dem Haus, das ich mir jahrelang gebaut habe, in das ich mich zurückziehe, ein Haus, das schützt und birgt, das verhindert, dass mir einer zu nahe kommt, mich verunsichert. Manche Wand ist gebaut aus meiner Angst. Die Fensterläden habe ich geschlossen, dass nicht hereindringt, was mich meine Lage erkennen ließe und dass ich nicht hinausblicke und die Weite des unbekannten Landes nicht spüre, die mich lockt und ängstigt. Nein, ich bin doch nicht unglücklich. Bis mir eines Tages die Wände, die ich aufgebaut habe zu eng werden, bis sie immer näher rücken und ich Mühe habe, noch Luft zum Atmen zu finden.

Bis ich spüre, was ich mir aufgebaut habe als Schutz und Sicherheit, ist quälend geworden, der wahrhaftige Grund unter meinen Füßen wankt. Es gibt nichts mehr zu beschönigen, wenn ich nicht meinen eigenen Lebensfaden abtrennen will, wenn ich nicht weiter mit Lüge mir und anderen begegnen will. In wie vielen Beziehungen zwischen Menschen, in wie vielen Lebensgemeinschaften wird dies zur Wahrheit.

Menschen leben beieinander und miteinander, vieles ist ganz normal und ein-gespielt im guten Sinn und doch sind sie wie eingemauert, unerreichbar und unter Druck. Nach innen hin spüren sie den Druck und die Sehnsucht nach einem anderen Leben, aber nach außen entwickeln sie viel Gegenkraft.

Ich sehe an mir herab und denke: Was verliere ich, wenn ich mich ändere? Hat mein "alter" Mensch mir bisher geholfen, mein Lebensziel zu erreichen? Oder sind es nur die Gewohnheiten, die mich binden, unfrei machen, den Schritt ins Neue zu tun?

Paulus schwärmt: "Der neue Mensch, geschaffen nach dem Bild Gottes". Wie wir, doch ohne das, was uns tagtäglich misslingt. Mit dem, wonach wir uns immer wieder sehnen: Gerechtigkeit, Heiligkeit, Frieden mit Gott und den Mitmenschen ...

Pfrn. Susanne Peters-Streu