ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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19.7.2019

"Alte Dorfkirchen in Berlin"

Buchbesprechung von Torsten Lüdtke

Christel Wollmann-Fiedler (Fotos)
und Jan Feustel: Alte Dorfkirchen in Berlin.
Mit einem Vorwort von Wolfgang Huber.
Berlin Edition, Berlin 2001, 144S. – 25,50 EUR

Am verkehrsreichen Ostpreußendamm steht "unsere" Dorfkirche. Der kleine, aus Feldsteinen errichtete Bau blickt auf eine bewegte, über siebenhundertjährige Geschichte zurück und weiß von Zeiten zu berichten, als Giesensdorf noch "Ghyselbrechtsdorp" hieß – und noch nicht zu Lichterfelde oder Berlin gehörte, sondern ein märkisches Gutsdorf war. Von dieser dörflichen Herkunft der heutigen Großbezirke künden über vierzig erhaltene, mittelalterliche Dorfkirchen im Berliner Stadtgebiet, die Christel Wollmann-Fiedler und Jörg Feustel besucht haben. Die Ergebnisse ihrer Besuche stellen sie mit einem weiteren Buch zu Dorfkirchen in Berlin, dem soeben erschienen Band "Alte Dorfkirchen in Berlin" in Text und Bild vor.

Der Autor, Jan Feustel, stellt – nach einer allgemein gehaltenen Einleitung zur Geschichte der Mark Brandenburg seit der hochmittelalterlichen deutschen Kolonisation und den damit verbundenen Ausführungen zum Kirchenbau – die vor 1871 errichteten Dorfkirchen alphabetisch geordnet vor.
In seinen Beschreibungen verknüpft er die Geschichte der einzelnen Gotteshäuser mit anekdotenhaften Geschichten, die sich um Kunstwerke oder Gutsbesitzerfamilien ranken, so dass ein leicht lesbarer und anschaulicher Text entsteht. Den an einigen Stellen an berühmte Vorbilder erinnernden Schilderungen stehen stimmungsvolle Photographien von Christel Wollmann-Fiedlers gegenüber, die sich besonders durch den Versuch auszeichnen, einen heilen, dörflichen Charakter abzubilden und so kaum erahnen lassen, dass viele der Kirchen wie Inseln im Großstadtverkehr stehen.
Auch die verhältnismäßig schlichten Innenräume werden ebenfalls oft stimmungsvoll 'in Szene' gesetzt oder ausschnittweise in Detailaufnahmen präsentiert, so dass immer ästhetische Ansichten oder Einblicke entstehen. – Zu "unserer" Dorfkirche – wie auch zu der von Lichterfelde am Hindenburgdamm – finden sich im Buch zwei inhaltsreiche und gut formulierte Kapitel, die durch Außenansichten und Detailaufnahmen illustriert sind.

Leider lassen sich nicht immer alle Abbildungen bzw. Details sicher dem beschreibenden Text zuordnen: In der Lichterfelde- Passage zum Beispiel, die sich durch einen großen Reichtum an Photographien auszeichnet, bleiben Details unerklärt und dadurch Fragen offen.

Das Buch lässt in der gesamten Aufmachung den Willen erkennen, ein geschmackvolles und schön gestaltetes Werk zu schaffen, in dem sich Text und Bild in vorbildlicher Weise zu einem Ganzen vereinigen, so dass ein gelungener Band herauskommt, der den Spagat zwischen Kunstbuch und historischem Wegweiser schafft. Als Begleiter bei Erkundungstouren, wie Wolfgang Huber in seinem Vorwort anregt, ist der Band durch sein großes Format nicht allzu gut geeignet, doch eignet er sich bestimmt als anspruchsvolles Geschenk.

Torsten Lüdtke