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17.1.2019

"Gott der Vater, der Allmächtige, Schöpfer des Himmels und der Erde"
Das Glaubensbekenntnis – Teil 2

von E-Mail

So groß und erhaben spricht das Glaubensbekenntnis von Gott. Ist uns das inzwischen nicht eigentlich eine Nummer zu groß? Vor allem das "der Allmächtige". Und wie ist das mit dem "Schöpfer des Himmels und der Erde"? Hat die moderne Naturwissenschaft den nicht längst entthront? "Macht" kommt von "machen". Bedeutet "allmächtig" also, dass Gott alles machen kann?

Altehrwürdig ist folgendes Gedankenspiel, das schlüssig erweist, dass Gott auf gar keinen Fall alles machen kann. Die Ausgangsfrage lautet: Könnte Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er selbst ihn nicht heben kann? Wenn er es nicht kann, ist er offensichtlich nicht allmächtig. Wenn er es aber kann, gibt es ja wieder etwas, was er nicht kann, nämlich diesen Stein heben.
Nun ist diese Gedankenspiel wunderbar geeignet, gleichzeitig auch vor Augen zu führen, dass es bei der Allmacht Gottes nicht darum gehen kann, Gott zum steinestemmenden Zirkuskünstler zu machen. Aber worum geht es dann? Am einfachsten kommt man auf die richtige Spur, wenn man sich fragt, was es bedeuten würde, wenn Gott nicht allmächtig wäre.

Wenn Gott nicht allmächtig wäre, wenn er nicht der Schöpfer der Welt wäre, dann gäbe es etwas, was mächtiger wäre als er, etwas was außerhalb seiner stände, gäbe es einen Bereich, der ihm entzogen wäre. Aber unter der Maßgabe des "Ich glaube" ist dieser Gedanke undenkbar. Glauben bedeutet hier, die Welt als eine zu betrachten, in der es nichts gibt, was seinen Grund nicht in Gott hätte. Er ist der Anfang und das Ende, und zugleich auch die Mitte unseres Lebens. Dies ist keine Aussage über Kausalzusammenhänge, sondern darüber, wie wir, wenn wir glauben, die Welt sehen und unser Leben führen wollen.

Um nichts anderes geht es auch, wenn wir uns zu Gott als dem Schöpfer von Himmel und Erde bekennen. Es geht dabei nicht darum, wie diese Welt entstanden ist, sondern darum, welche Qualität sie für uns hat. Die Aussage, dass Gott der Schöpfer dieser Welt ist, bedeutet, dass diese Welt, in der wie leben, von Gott gewollt und gutgeheißen ist. Daraus zu folgern, dass Darwin unrecht hat, heißt diese fundamentale Aussage in ihrer Stoßrichtung fundamentalistisch mißzuverstehen.

Vielleicht liegt dieses fundamentalistische Mißverständnis nahe, weil man in der lange Geschichte des Christentums oft fast vergessen hat, dass uns die Verpflichtung mitgegeben ist, diese Welt als gute Gabe Gottes zu betrachten. Zu welt-, leib- und lebensfeindlich hat sich das Christentum häufig betragen, so dass daraus der Eindruck entstehen musste, dass die Welt in den Augen des Christengottes schlecht ist. Es ist fast ein Glück, dass sich immer wieder Menschen dazu haben hinreißen lassen, diesen Standpunkt tatsächlich zu vertreten, oft bis ins Extrem, denn dadurch haben sie dir Kirche dazu gezwungen, sich auch immer wieder darauf zu besinnen, dass sie dort etwas zu verteidigen hat, nämlich das grundsätzliche "Ja" Gottes zu dieser Welt. Sie hat sich nicht abhandeln lassen, dass der Gott Jesu Christi, der Gott der Liebe, zugleich auch der Gott ist, der Himmel und Erde gemacht hat und von dem das Alte Testament in epischer Breite erzählt. Es gab Versuche, den Gott der Schöpfung und den Gott der Erlösung, den Gott der Juden und der Christen, den Gott des Neuen und des Alten Testamentes gegeneinander auszuspielen. Es ist ein Verdienst der Kirche, diesen Versuchen und Versuchungen nicht erlegen zu sein.

Man macht es sich nämlich nicht unbedingt einfach, wenn man auf dieser Einheitlichkeit und Kontinuität Gottes besteht. Es wäre doch so viel bequemer, die ungeliebten Züge auszusortieren und dann mit einem reinen Bild eines nur noch lieben, guten, bequemen Gottes übrig zu bleiben. Stattdessen müssen wir uns so fragen, wie wir das Schlechte und Böse, die offensichtlichen Unzulänglichkeiten des Lebens, unter denen wir leiden, mit dem Bild eines allmächtigen Gottes vereinbaren. Kurz gefragt: Warum lässt Gott das zu?
Wenn nun diese Welt in ihrem Dasein und Sosein höchster Ausdruck göttlichen Willens und göttlicher Allmacht ist, sollte es uns nicht verwundern, dass sich die Macht Gottes eben nicht bevorzugt als Einbruch in und Aufstand gegen diese Welt zeigt. Gottes Macht liegt nicht darin, dass er aus der Welt hinaustritt, sondern gerade darin, dass er in ihr ist und bleibt.

Um die Person Jesu ranken sich etliche Versuchungsgeschichten, in denen seine Widersacher, darunter sogar der Teufel selbst, ihn genau bei dieser Allmacht zu packen versuchen. "Bist du der Sohn Gottes, so steige herab vom Kreuz!" (Matth. 27, 42f.) Aber nicht nur seine Gegner, auch seine Anhänger drängen ihn zu immer neuen Machterweisen. Er hat ja die Macht, warum soll er ausgerechnet für sie nicht vielleicht doch noch ein kleines Wunder tun, wenigstens ein ganz kleines?
Der Mensch ist also geneigt, die Macht Gottes gerade in dem Außergewöhnlichen, Spektakulären, Naturwidrigen zu suchen und geradezu nach einer solchen Manifestation zu lechzen, weil er daran gewöhnt ist, Macht nur daran zu messen, in welchem Maße sie in der Lage ist, Widerstände zu überwinden und Grenzen zu überschreiten. Sie wird also immer als eine Macht gegen etwas verstanden. Damit geht die menschliche Definition von Macht vorbei an der göttlichen Macht, die sich nicht in einem Gegen, sondern in einem Für manifestiert: In der nicht nachlassenden Hingabe an und Stellungnahme für die Welt durch Gott, die sich in seinem Schöpfersein ebenso ausdrückt, wie in seiner größten Liebestat an die Welt, die wir nächsten Monat betrachten werden, wenn wir uns dem nächsten Punkt zuwenden: Jesus Christus, seinem eingeborenen Sohn.

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