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23.3.2019

Weltgebetstag der Frauen am 1. März 2002
Rumänien 2002 – zur Versöhnung herausgefordert

Weltgebetstag in Lankwitz
Die Gemeinden Dreifaltigkeit und Paul Schneider laden ein!
 
lm Rahmen des Weltgebetstages ist Frau Viorica Marcu, eine orthodoxe Religionslehrerin aus Sibiu (Hermannstadt) / Rumänien zu Gast in den Gemeinden Paul Schneider und Dreifaltigkeit.
 
Sie wird innerhalb ihres Besuchsprogramms am Donnerstag, den 28.2. um 18 Uhr in der Paul Schneider-Gemeinde, Mudrastr. 18-26, über die Situation von Frauen, Kindern und Jugendlichen in ihrem Land informieren.
 
Am Dienstag, den 26.2., gibt es in der Dreifaltigkeitsgemeinde, Gallwitzallee 6, rumänische Kreistänze zum Mitmachen (Leitung Ilona Seidel.)
 
Herzliche Einladung zu beiden Veranstaltungen!

Zur Versöhnung herausgefordert

Die rumänischen Weltgebetstagsfrauen leben in einem der Armenhäuser Europas. Wie können sie mithalten im Macht- und Geldgerangel der Welt? Was bedeuten heute landschaftliche Schönheit, kulturelle Vielfalt in den einzelnen Regionen dies- und jenseits der Karpaten oder die berühmten Moldauklöster, die siebenbürgischen Kirchenburgen bis hin zu den Pelikanen im Donaudelta und der ferienfrohen Schwarzmeerküste?

Viele denken nur an die bittere Armut unter den gut 22 Millionen Einwohnern, an die marode Wirtschaft, die immer noch unter kommunistischen Altlasten, unter Korruption und Antriebsschwäche leidet. Wer spricht von der ausgemachten Freundlichkeit der rumänischen Menschen, ihrer Geduld und Lebenskunst und ihrer Bereitschaft, gut miteinander auszukommen? Jede, jeder Zehnte in Rumänien ist ungarischer, deutscher, serbischer, ukrainischer, türkischer oder anderer Abstammung. Eine große Herausforderung stellt das Zigeunerproblem dar (Die Roma in Rumänien nennen sich selbst so!) Von der Politik werden die zwei Millionen (oder gar drei Millionen?) Roma, die meistens weit unter der Armutsgrenze leben, völlig ignoriert, von der übrigen Bevölkerung werden sie abgewehrt als fremd und beunruhigend. Ebenso auch die vielen Straßenkinder jedweder Herkunft.

Zum ersten Mal in der über 100-jährigen Geschichte haben orthodoxe Christen prägend an einer Weltgebetsordnung mitgearbeitet. Das ist einesteils nahe liegend, denn 97 Prozent aller Menschen in Rumänien sind orthodox. Andererseits ist ökumenische Zusammenarbeit – und dann auch noch von Frauen – in der orthodoxen Kirche eher ungewöhnlich. Darum ist die Entstehung der Gottesdienstordnung (der Begriff "Liturgie" ist ausschließlich der "göttlichen Liturgie" in der Orthodoxie vorbehalten) Gestalt gewordene Versöhnung. Das macht sie mir ihrem Thema so glaubhaft authentisch.

Die Frauen aus sieben christlichen Kirchen sind aufeinander zugegangen. Das war nicht immer einfach und wäre ohne eine große Portion Heiligen Geistes nicht gelungen. Für alle Beraterinnen weltweit wird der Weltgebetstag 2002 eine konkrete Herausforderung zur Versöhnung werden – besonders auch zwischen den Konfessionen.

Renate Kirsch

Versöhnung nach dem Chaos

Zwölf Jahre sind vergangen, seit sich Rumänien in einem blutigen Aufstand von der kommunistischen Diktatur befreite. Aber im Jahr 2002 ist die Sprachregelung darüber immer noch unsicher: War es eine Revolution, eine Befreiung oder eine Wende? Wohl von allem etwas. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen sind für die Bevölkerung bis heute verheerend. Die Wirtschaft brach zusammen. Riesige Industriekombinate wurden stillgelegt. Von heute auf morgen verloren Tausende ihre Arbeit. 150 Mark beträgt der Durchschnittsverdienst in Rumänien. Besonders Frauen und Kinder sind die Verlierer.

Dennoch haben die Weltgebetstagsfrauen aus Rumänien viel Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Konfessionen und Menschen unterschiedlichster Abstammung versöhnlich und respektvoll miteinander umgehen. Versöhnung lautet auch das Motto des Weltgebetstags 2002. 84 Prozent der Rumänen sind Christen. Die Mehrzahl von ihnen gehört der rumänisch-orthodoxen Kirche an. 800000 sind Mitglieder der reformierten, meist ungarischsprachigen Kirche. Mit 17000 Mitgliedern ist der Anteil der lutherischen Kirche, der in der Regel die Deutschen angehören, verschwindend gering.

Industrieanlagen aus kommunistischer Zeit haben ökologische Wüsten hinterlassen. Eine von ihnen ist Kleinkopisch bei Mediasch. "Das schwarze Dorf", nennen die Menschen die Arbeitersiedlung, denn so schwarz wie der Ruß der Schlote waren die Wände der Arbeiterhäuser. Gleich nach der Revolution wurde Kleinkopisch stillgelegt. In Siebenbürgen leben die meisten deutschstämmigen Rumänen. Viele sind nach dem Fall der Kommunisten nach Deutschland ausgewandert. Die evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen ist sehr klein. Doch sie trotzt mit Mut und Fantasie den sozialen Problemen. Die Kirche baut Diakoniestationen, Behinderteneinrichtungen und Altenheime. Ihre kirchliche Jugendarbeit bietet Orientierung in einer Phase der ethischen Orientierungslosigkeit.

Gerda Müller