ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.1.2019

Und alsbald krähte der Hahn...

von Susanne Peters-Streu

Petrus war felsenfest überzeugt, er hält zu seinem Freund und Herrn. "Auch wenn alle Ärgernis nehmen an dir, Jesus, ich nicht. Auch wenn ich mit dir sterben müsste, ich will dich nicht verleugnen," so beteuert er leidenschaftlich. Er hatte doch schon einmal gezeigt, dass er zu Jesus hält. Als viele sich von Jesus abwandten, ist Petrus Sprecher derer, die zu ihm halte. Er findet Worte, die passen: "Herr, du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt: du bist der Heilige Gottes." Ein deutlicheres Bekenntnis hätte man sich nicht wünschen können. Als Jesus gefangen genommen wird, schlägt das Temperament von Petrus noch einmal voll durch. Er zieht sein Schwert, will einen Soldaten erschlagen, den Kampf eröffnen für Jesus und seine Sache. Jesus selbst muss ihn zurückrufen.

Und nun diese Nacht. Jesus ist abgeführt. Man hat ihn ins Haus des Hohenpriesters gebracht. Petrus ist ihnen gefolgt. Er mischte sich unter die Menschen, stellt sich zu ihnen in den Hof. Wärmt sich am Feuer, wartet.
"Du bist doch auch einer von denen!" Und Petrus, der große Bekenner, bringt nur noch hervor: "Ich kenne ihn nicht, ich kenne ihn nicht, und noch einmal, ich kenne ihn nicht." Da kräht der Hahn! Dreimal hat er Jesus verleugnet, ehe der Hahn kräht. Er wendet sich ab und weinte bitterlich.

Petrus scheitert. Er scheitert an seiner Angst. Sie hat ihm den Mut erstickt. Sein Eifer hat ihn verlassen. Er scheitert an dem Bild, dass er sich von sich selber gemacht hat.

Die Geschichte Jesus und seiner Jünger ist nicht eine Geschichte von Helden, von mutigen und furchtlosen. Es ist die Geschichte von Menschen mit ihren Ängsten, mit ihrer Scham. Es ist die Geschichte von Menschen, die nicht halten, was sie versprechen, die schuldig werden aneinander, die andere und sich selbst verwunden. Darin ist sie für uns nahe und öffnend. Öffnend, weil sie den Blick dorthin lenkt, wo ich nicht gern hinschaue, was ich nicht gern wahrhaben will und was doch zu meinem Leben gehört. Wie oft ist die Angst der heimliche Anführer in meinem Tun. Die Angst zu kurz zu kommen, nicht genug zu leisten, nicht genug zu gelten, nicht geliebt und angenommen zu sein. Wie oft ist verdeckte Scham eine Höhle, die mich umschließt und gefangen hält?
Petrus hat in dieser Nacht gesagt: "Ich kenne ihn nicht" und dann bitterlich geweint.

Am Aschermittwoch beginnt die Passions- und Fastenzeit. Zeit das eigene Leben zu bedenken, meine Grenzen, mein Versagen, meine Verfehlungen, meine Not. Was ist es, dass mich, wenn ich mein Leben betrachte, bitterlich weinen lässt? Ist es

dass ich mich nicht zu leben gewagt habe?
dass ich blind war für die Not um mich herum?
dass meine Angst meinen Mut erstickt hat?
dass ich Gott nichts mehr zutrauen konnte?
dass ich niemanden verprellen wollte?
dass ich geschwiegen habe?
dass ich die Wahrheit nicht zulassen konnte?
dass mir das Ziel wichtiger war als der Weg?
dass ich die Liebe aus dem Blick verloren habe?
dass ich meinen Eltern gefallen wollte?
dass mir der Erfolg über alles ging?
dass ich die Angst der anderen nicht sehen wollte?
dass mir der Erfolg zu Kopf gestiegen ist?
dass ich mich nur als Opfer sah?
dass ich meine Eltern vernachlässigt habe?
dass ich die falschen Prioritäten gesetzt habe?
dass ich die Träume meiner Kindheit aufgegeben habe?
dass ich meinen Kindern mehr zumute als mir selber?
dass ich nicht weiß, wie es um meinen Partner steht?
dass ich den Tod aus meinem Denken verdrängt habe?
dass ich von der Kirche viel erwarte und wenig einbringe?
dass mir der Himmel verloren gegangen ist?
dass ich die Schönheit der Schöpfung verleugne?
dass ich der geschundenen Kreatur nicht gedacht habe?
dass Neid mich zerfrisst?
dass ich einer gerechteren Welt entgegenstehe?
dass ich eine Alte Schuld noch immer verdränge?
(aus: Was beichten, Pfr. J. Machel)

Jesus hat zu Petrus gehalten, er hat ihn nicht fallen lassen, auch wenn er nach unseren Maßstäben vielleicht von ihm enttäuscht war. Jesus hat mit Petrus neu angefangen, hat ihn beauftragt seine Gemeinde zu weiden, zu behüten.
Möge uns die Erfahrung geschenkt sein und werden, dass Gott auch mit uns immer wieder neu anfängt. Dass unsere Geschichte nicht dort endet, wo wir wie Petrus bitterlich weinen.