![]() |
|||
![]() |
![]() |
![]() |
|
ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Februar 2002 |
19.5.2012 |
Petrus war felsenfest überzeugt, er hält zu seinem Freund und Herrn. "Auch wenn alle Ärgernis nehmen an dir, Jesus, ich nicht. Auch wenn ich mit dir sterben müsste, ich will dich nicht verleugnen," so beteuert er leidenschaftlich. Er hatte doch schon einmal gezeigt, dass er zu Jesus hält. Als viele sich von Jesus abwandten, ist Petrus Sprecher derer, die zu ihm halte. Er findet Worte, die passen: "Herr, du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt: du bist der Heilige Gottes." Ein deutlicheres Bekenntnis hätte man sich nicht wünschen können. Als Jesus gefangen genommen wird, schlägt das Temperament von Petrus noch einmal voll durch. Er zieht sein Schwert, will einen Soldaten erschlagen, den Kampf eröffnen für Jesus und seine Sache. Jesus selbst muss ihn zurückrufen.
Und nun diese Nacht. Jesus ist abgeführt. Man hat ihn ins Haus des Hohenpriesters gebracht. Petrus ist ihnen gefolgt. Er mischte sich unter die Menschen, stellt sich zu ihnen in den Hof. Wärmt sich am Feuer, wartet. Petrus scheitert. Er scheitert an seiner Angst. Sie hat ihm den Mut erstickt. Sein Eifer hat ihn verlassen. Er scheitert an dem Bild, dass er sich von sich selber gemacht hat. Die Geschichte Jesus und seiner Jünger ist nicht eine Geschichte von Helden, von mutigen und furchtlosen. Es ist die Geschichte von Menschen mit ihren Ängsten, mit ihrer Scham. Es ist die Geschichte von Menschen, die nicht halten, was sie versprechen, die schuldig werden aneinander, die andere und sich selbst verwunden. Darin ist sie für uns nahe und öffnend. Öffnend, weil sie den Blick dorthin lenkt, wo ich nicht gern hinschaue, was ich nicht gern wahrhaben will und was doch zu meinem Leben gehört. Wie oft ist die Angst der heimliche Anführer in meinem Tun. Die Angst zu kurz zu kommen, nicht genug zu leisten, nicht genug zu gelten, nicht geliebt und angenommen zu sein. Wie oft ist verdeckte Scham eine Höhle, die mich umschließt und gefangen hält? Am Aschermittwoch beginnt die Passions- und Fastenzeit. Zeit das eigene Leben zu bedenken, meine Grenzen, mein Versagen, meine Verfehlungen, meine Not. Was ist es, dass mich, wenn ich mein Leben betrachte, bitterlich weinen lässt? Ist es
dass ich mich nicht zu leben gewagt habe? Jesus hat zu Petrus gehalten, er hat ihn nicht fallen lassen, auch wenn er nach unseren Maßstäben vielleicht von ihm enttäuscht war. Jesus hat mit Petrus neu angefangen, hat ihn beauftragt seine Gemeinde zu weiden, zu behüten.
|