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21.1.2019

Ich glaube
Das Glaubensbekenntnis – Teil 1

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Die Aussagen, mit denen sich das Glaubensbekenntnis beschäftigt, sind schwergewichtig: Da ist vom allmächtigen Gott, Jesu Leben, Tod und Auferstehung, dem Heiligen Geist, der Auferstehung, dem Jüngsten Tag die Rede. Über all diese theologischen Schwergewichtigkeiten übersieht man schnell die zwei kleinen Worte, mit denen das Glaubensbekenntnis beginnt, die doch aber wenigstens genauso gewichtig sind wie der gesamte Rest: "Ich glaube." Eigentlich geben diese Worte dem ganzen Rest erst ihren Sinn, sie sind so etwas wie das Vorzeichen vor der Klammer, das über den Wert all dessen, was in der Klammer steht, entscheidet. Ohne das "Ich glaube" ist alles, was folgt, nur noch Schall und Rauch, sind alle schönen Worte nur Floskeln.

Zugleich gehört das "Ich glaube" aber auch zu den meistinterpretierten und dabei zumeist fehlinterpretierten Worten des Glaubensbekenntnises. Fehlinterpretiert oft weniger von denen, die es noch mitsprechen können, als von denen, die nach guten Gründen dagegen suchen. "Ich glaube" wird dann als "ich halte es für wahr, weiß es aber letztendlich nicht" interpretiert. Nach dieser Interpretation müsste das Glaubensbekenntnis eigentlich heißen: "Ich glaube, dass Gott existiert und dass Gott ein Vater, allmächtig, und der Schöpfer des Himmels und der Erde ist. Ich glaube, dass Jesus sein eingeborener Sohn ist..." Danach wären Christen Menschen, die z.B. glauben, dass der Himmel und die Erde von Gott geschaffen wurde, während Nichtchristen glauben, dass diese durch astrophysikalische Gesetze, durch die Tötung eines mythischen Urtieres, durch einen ungeheuren Zufall oder durch was auch immer entstanden sind. Ein Christ wäre demnach ein Mensch, der eine bestimmte Zusammenstellung von Aussagen als Tatsachenfeststellung für wahr halten würde (etwa dass Maria eine Jungfrau war oder dass die Kirche heilig ist). Attacken gegen den christlichen Glauben richten sich dann häufig gegen diese Tatsachen, von denen der Nichtgläubige denkt, dass der Gläubige sie für wahr hält oder zumindest halten soll. "Was wäre denn nun aber, wenn es Gott nicht gibt?", "Woher weißt du überhaupt, dass Jesus wirklich gelebt hat?", "Wie kannst du daran noch glauben, wo wir doch heute wissen, wie das Weltall entstanden ist?" – solche Fragen bekommt man tatsächlich öfters zu hören. (Zumindest, wenn irgendwie ruchbar wird, dass man mit diesem komischen Verein "Kirche" noch was am Hut hat.)

Dabei sollte jedem, der der deutschen Sprache mächtig ist, einleuchten, dass es darum nicht geht, denn unser Glaubensbekenntnis beginnt eben nicht mit den Worten: "Ich glaube, dass...", sondern: "Ich glaube an..." Im Alltag verwenden wir viel häufiger "glauben, dass..." Und da geht es dann tatsächlich darum, dass wir etwas für zutreffend halten, aber wissen, dass wir es nicht so genau wissen. Ein Beispiel: "Ich glaube, dass es morgen regnet" bedeutet: "Ich persönlich bin der Meinung, dass es morgen regnen wird, ich weiß aber, dass es vielleicht auch nicht regnen wird." "Glauben an..." verwenden wir seltener, aber ein Vergleich zeigt, dass es dabei um etwas ganz anderes geht. Der schöne Satz: "Ich glaube an dich" bedeutet nicht: "Ich bin persönlich der Meinung, dass du existierst, ich weiß aber, dass du vielleicht auch nicht existierst." Warum sollte der Satz: "Ich glaube an Gott" also bedeuten "Ich bin persönlich der Meinung, dass Gott existiert, ich weiß aber, dass er vielleicht auch nicht existiert", wie man uns häufig weis machen möchte?

Jedes "glauben an" setzt auch ein bißchen "glauben, dass" voraus, soviel sei zugestanden. An etwas, von dem man selbst denkt, dass es nicht existiert, kann man nicht glauben. Aber das ist eben nicht das, worum es sich bei "glauben an" wirklich dreht.

Leider lässt sich "glauben an" nicht so leicht in andere Wort fassen wie "glauben, dass", vielleicht auch einer der Gründe, warum man beides gerne vorschnell miteinander gleichsetzt. Man kann an Gott glauben oder an sich selbst oder an das Gute im Menschen. Was tut man eigentlich, wenn man das tut? Wenn man sagt, dass man an etwas oder jemanden glaubt, dann will man meistens damit ausdrücken, dass man diese Sache, Person oder Idee für wichtig hält und davon überzeugt ist, dass sie eine Bedeutung für das eigene Leben hat oder in Zukunft bekommen wird, oft gerade dann, wenn der Augenschein dagegen spricht. Von einer offensichtlichen Tatsache zu sagen, dass man an sie glaubt, ist unsinning. "Glauben an" ist also gerade nur da möglich, wo es eine Diskrepanz gibt zwischen dem für jeden Offensichtlichen und dem, was für einen persönlich bedeutsam ist. Deshalb ist "glauben an" anders als "glauben, dass" auch nie folgenlos für das eigene Leben. Zu sagen, dass man an etwas glaubt, ist im allgemeinen gleichbedeutend damit, dass man deshalb auch für das, woran man da glaubt, einstehen möchte, um die Diskrepanz zwischen dem Offensichtlichen und dem Geglaubten zu überwinden. Wer zu einem jungen Menschen sagt: "Ich glaube an deine Begabung als Musiker", der will damit zum Ausdruck bringen, dass er tun wird, was in seiner Macht steht, damit aus dieser Möglichkeit, die er sieht und an die er glaubt, eine Tatsache wird, die dann möglichst nicht nur für ihn selbst, sondern auch für alle anderen sichtbar sein soll.

An Gott zu glauben schließt somit also ein, dass man die Existenz eines Gottes voraussetzt. Vor allem bedeutet es aber, dass dieser Gott für einen eine Möglichkeit ist, von der man will, dass sie im eigenen Leben wie im Leben möglichst vieler anderer Menschen eine Wirklichkeit wird und dass man bereit ist, dafür mit seiner Person und seiner Überzeugen nach besten Kräften einzustehen. Und das ist eben nicht nur etwas anderes, sondern auch viel mehr als ein blutleeres "für wahr halten".

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