ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.1.2019

Weihnachten

von Susanne Peters-Streu

In den Straßen und Häusern wird es Weihnachten, mit viel Glanz, mancher Anstrengung und Angespanntheit. Menschen hetzen, um alles zu schaffen, bevor die Heilige Nacht beginnt und dann ist sie da! Von den Kindern sehnsüchtig erwartet. Von manchem Menschen auch befürchtet. Die Einsamkeit wird besonders stark empfunden. Schöne Erinnerungen rühren einen an, die Entbehrungen erscheinen deutlicher. Erinnern sie sich an die vielen Weihnachtsfeste, die schon hinter ihnen liegen? An die Spannung, die da manches Mal in der Luft lag, an die guten Gerüche in der Weihnachtsstube, an Lichterglanz, Stollen und Krippenfiguren. Vielleicht stehen wehmütige Gefühle im Vordergrund oder ein Fest, das traurig war. Die Widersprüche und Verletztheiten des Lebens sind in der Weihnachtszeit manchmal deutlicher zu spüren, als sonst.

Wie wird es heute in unseren Tagen Weihnachten für die Menschen? Wie wird es Weihnachten für uns, für dich und für mich, wie und wo immer wir leben auf dieser Erde?

Damals in der Nähe von Bethlehem auf dem Felde bei den Hirten haben die Engel gesungen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens."

Es gibt eine kleine Erzählung, die spricht davon, dass einer der Engel falsch sang. Hatte er nicht richtig zugehört, oder die Chorprobe im Himmel geschwänzt, oder war er mit seinen Gedanken einfach immer bei Maria im Stall, statt bei seiner Aufgabe mitzusingen, so wie es sich für einen Engel gehört? Er wusste selbst nicht, wie es kam, der Engel, der in der hintersten Reihe stand. "Ehre sei Gott in der Tiefe, schmetterte er laut und kräftig. "Ehre sei Gott in der Tiefe, immer wieder Tiefe statt Höhe. Höhe, flüsterten ihm die anderen eindringlich zu, Höhe. Aber immer wieder kam aus seinem Mund Tiefe. "Ehre sei Gott in der Tiefe."

Als das Singen vorüber war, ging die Empörung los. Was ihm den einfiele so aus der Rolle zu fallen und dann noch so laut?
Ehre sei Gott in der Tiefe. Aber hat er denn so falsch gesungen??

Wer Gott sucht und wer ihn finden will, der fang nicht oben an, nicht im Himmel hat Luther einmal gesagt, – wer Gott sucht und wer ihn finden will, der fange unten an, im Stall und in der Krippe. Bei einem Kind: nackt, hautnah, wehrlos, verletzbar, unscheinbar. So tief ist Gott heruntergekommen zu uns. Gott hat sich von unten her in unser Leben, in unsere Lebensgeschichte eingemischt. Ehre sei Gott in der Tiefe! Ist das nicht schön und wunderbar, zum Wundern und Staunen.
Gott, ganz unten hat er das Leben der Menschen geteilt, unserer Leben. Elend, nackt, arm und bloß so begann sein Leben und so endete es am Kreuz.

Schutzbedürftig, ohnmächtig, wie oft fühlen Sie sich so? Angewiesen auf Hilfe, auf verlässliche Hoffnung, Heilung. Gott teilt, was ich erlebe und erfahre, er kennt die Not und den Schmerz und ist ganz nahe. Ganz nah ist er. Er ist da, wo wir es vielleicht am wenigsten vermuten. Gott bei uns in der Tiefe, in meinem Herzen mit seiner Liebe. Gott ist in der Tiefe anzutreffen. Es hat ihm gefallen, diesen Ort seiner Gegenwart zu wählen. Da begegnen wir ihm, wo wir es gar nicht vermuten. Die Tiefe wird zum Geheimnis seines Wunder. Da finden wir – mitten in Schmerz und Traurigkeit Trost – im Loslassen Halt – in der Schwäche Kraft – in der Verzagtheit Hoffnung!

Hoffnung, weil Gott bei uns unten ist.

Ehre sei Gott in der Tiefe! So wird Weihnachten.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit

Susanne Peters-Streu