Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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23.9.2019

Zum Monatsspruch für Dezember 2001

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Mit dem Monatsspruch für Dezember legen wir uns sozusagen mit etwas ganz Großem an: dem Bösen. Immer wieder haben sich Menschen damit beschäftigt, mit dem Bösen an sich und seinem Verhältnis zum Guten. Ganze Generationen von Philosophen und Theologen haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, wie es so etwas wie "das Böse" überhaupt geben kann, wenn wir an einen Gott glauben, von dem wir bekennen, dass er einzig, allmächtig und gut ist. Und was ist "das Böse" überhaupt? Wenn man sich "das Böse" als abstrakte Macht, "dem Guten" entgegengesetzt, vorstellt, wird daraus leicht der Teufel, der ja auch schon in der Bibel manchmal nur "der Böse" genant wird. Oder gibt es nicht "das Böse" an sich, sondern nur böse Taten, vielleicht auch böse Menschen? Aber wie verhält sich da das Tun zum Sein? Ist böse der, der Böses tut? Oder wieviel Böses muss man getan haben, damit die böse Tat auf einen abfärbt, so dass man selber böse wird? War ein Adolf Hitler böse? Ist es Bin Laden? Ist es George Bush? Muss man dafür einen Menschen umgebracht haben – oder hundert? Oder reicht schon die Absicht oder der böse Wille?

Versuchen wir einmal, etwas Nüchternheit in diese Betrachtung zu bringen. Führen wir die Frage "Was ist das Böse?" auf die einfachere zurück: "Was steht da denn eigentlich in unserem Monatsspruch?". Das griechische Wort, das hier für "das Böse" steht, ist "poneron". Damit ist "ponos", die Mühe , verwandt. "Poneron" ist also ursprünglich das, was mir Mühe macht, mich anstrengt oder belastet. Von daher bekommt es die Bedeutung "schlecht, krank, untauglich" und schließlich "übel, böse". Auch als Substantiv kann es gebraucht werden, nicht als das Böse, sondern der Böse und heißt dann, auf überirdisches zielend, "der Teufel", aber auch ganz irdisch-trivial "der Übeltäter".

Machen wir einen Test. Übersetzen wir unseren Monatsspruch neu. "Der Herr ist treu; er wird euch Kraft geben und euch vor Belastendem bewahren." Wenn ich das so lese, fühle ich mich ganz anders, als wenn ich da von "dem Bösen" lese. Der leichte Schauer, der einen erfasst, Auge in Auge mit "dem Bösen", ist plötzlich verschwunden.

Der entscheidende Unterschied liegt also in dem, was wir fühlen, und die Macht des Bösen wird plötzlich erkennbar als die Macht, die wir selber ihm zuschreiben. Fast sieht es also so aus, als sei das Problem des Bösen damit als Scheinproblem enttarnt, aber dies ist ein Trugschluss, denn unsere Gefühle, die uns etwas als böse betrachten lassen, sind ja eben kein Schein, sondern real.
Was fühlen wir, wenn wir vom "Bösen" reden? Worin liegt der Unterschied, wenn wir etwas nicht als "schlecht", "unangenehm", "widrig", sondern als "böse" bezeichnen?

Im Gegensatz etwa zu "schlecht" ist "böse" immer eine absolute Kategorie. "Böse" ist etwas, was sich zu uns selbst in absoluten Gegensatz befindet und womit keine Versöhnung, kein Arrangement möglich ist. Unser Verhältnis zum Bösen ist das zu einer Sache, von der wir meinen, dass entweder wir sie oder sie uns vernichten wird. Es ist etwas, dass wir hassen oder fürchten oder beides.
Damit wird auch schon klar, dass "das Böse" in einem christlichen Weltbild nur eine begrenzte Rolle spielen kann. Das Evangelium ruft uns auf, zu vertrauen und zu lieben, nicht zu hassen und zu fürchten. Wo wir in Hass und Furcht verharren, hat es uns noch nicht wirklich erreicht.

Nicht, dass es immer einfach wäre, so mal eben mit dem Hassen und Fürchten aufzuhören! Auch das steckt in unserem Monatsspruch. "Gott wird euch vor dem Bösen bewahren". Oder in die Bitte des Vaterunsers gefasst: "Erlöse uns von dem Bösen!" Der Mensch kann sich schwer alleine aus seiner Verstrickung in negative Gefühle befreien, aber im Vertrauen auf Gott kann es ihm leichter werden und gelingen.

Der absolute Gegensatz, den wir zwischen uns und dem Bösen errichten, speist sich aus Hass, Furcht, aber auch dem Wunsch, nicht so zu sein wie "der da". Sobald wir uns einem Menschen oder einer Sache zuwenden und dabei nicht mehr dem Drang nachgeben, einen tiefen Graben zwischen sie und uns zu legen, sondern mit der Bereitschaft zu Offenheit und Versöhnung, wird sich "das Böse", das wir vorher dort gesehen haben, vor unseren Augen auflösen wie Nebel in der Sonne. Was immer bleibt, ist Lästiges, Bedrängendes, Mühseliges, vielleicht sogar Schlechtes. Aber das Böse ist verschwunden. Nicht unbedingt für immer, weil wir immer wieder zurückfallen können. Und unser Leben ist damit auch nicht unbedingt einfacher geworden. Das Böse zu identifizieren und dann nach Kräften zu hassen und zu bekämpfen ist viel leichter. Was wir aber gewinnen können, sind Freiheit, Offenheit, Zuversicht und ein Leben jenseits "des Bösen"

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