ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.1.2019

Günstige Spitzenweine auf Kosten von billigen Arbeitskräften
Das diesjährige 'Brot für die Welt'-Projekt im Rahmen der Aktion Süd Afrika – Westkap Provinz
Projekt ZAF 0004-0006, Träger: Women on Farms Project (WFP)

Es geht auch anders: die gepa (Gesellschaft zur Partnerschaft mit der Dritten Welt) bietet Weiß- und Rotwein aus der Kapregion an. Zur Zeit arbeiten auf der Farm Ruitersvlei 42 Männer und 35 Frauen. Sie haben alle einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Die Familien leben auf dem Weingut, auch nach der Pensionierung.

Fair erwirtschafteten Wein erwerben Sie bei der gepa und in allen einschlägigen WeltLäden!

Ivy stürzt weinend ins Büro von "Women an Farms Project". Bis vor kurzem war sie als Farmarbeiterin auf einem Weingut beschäftigt. Doch verlor Ivy Job und damit auch Unterkunft. Ihre Habseligkeiten wurden einfach auf die Straße geworfen. Sie hatte nicht rechtzeitig eine andere Bleibe gefunden. Eine Mitarbeiterin von "Women an Farms Project" (WFP) ermutigt Ivy, Anzeige zu erstatten. Ihr Fall kommt vor Gericht. Die Räumung der Wohnung war rechtswidrig. Ivy wohnt wieder auf der Farm des ehemaligen Arbeitgebers, bis sie eine neue Bleibe und Arbeit gefunden hat.

Women an Farms Project (WFP) wurde 1996 gegründet. Ein Team von acht Frauen unterstützt Farmarbeiterinnen, die auf den Wein-, Apfel- und anderen Obstplantagen um Stellenbosch, Paarl und Wellington arbeiten. Dort sind die Löhne niedrig. Und Frauen verdienen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen noch 50 bis 70 Prozent weniger. Arbeitsverträge existieren zwar, doch die meisten Frauen kennen sich in der Gesetzgebung nicht aus. Sie unterschreiben den Vertrag, ohne den Inhalt zu kennen. Deshalb schult WFP Frauen zum Thema Arbeitsrecht. Ziel ist, dass die Frauen lernen, Missstände zu artikulieren. Dann können sie eigenständig in Verhandlung mit dem FarmManagement treten, natürlich mit Rückendeckung von WFP und Gewerkschaft.

"Den Farmarbeiterinnen soll mit Würde und Respekt begegnet werden", so die Vision von WFP. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Farmarbeiterinnen sind verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt. So erzählt die 17-jährige Elaine, dass sie von einem Farmer ins Gesicht geschlagen wurde, nur weil sie beim Nachhauseweg eine Abkürzung durch sein Gelände gewählt hatte. Eine andere Farmarbeiterin kam völlig außer Fassung zu WFP: Ihr Vater brachte seine Lebensgefährtin vor den Augen der Tochter um.

Nach Kapstadt ist Stellenbosch die zweitälteste Siedlung am Kap. Heute gehört die Region mit einer Jahresproduktion von rund einer Milliarde Litern zu den bedeutensten Weinproduzenten der Welt.

Zahlreiche Frauen sind von häuslicher Gewalt in Verbindung mit Alkohol- und Drogenmissbrauch betroffen. Lobby-Arbeit mit Kampagnen zum Thema "Häusliche Gewalt" ist hier eine wichtige Arbeitsmethode von WFP.

Weit weniger bekannt ist, dass vor allem Farmarbeiterinnen in Südafrika unter schlechten Bedingungen leben und arbeiten. Und das, obwohl in den letzten Jahren verschiedene neue Gesetze in Kraft getreten sind, die ihren rechtlichen Status erheblich verbessert haben. Ungleiche Beziehungen zwischen Farmern und Arbeiterinnen lassen wenig Spielraum, neue Gesetze umzusetzen. Ohne Unterstützung von Nichtregierungs-Organisationen und Gewerkschaften wagen es Farmarbeiterinnen nicht, sich für ihre Rechte einzusetzen.

Kostenübersicht (drei Jahre):
Gesamtkosten: EUR 768.000,-
 
Finanzierung:
andere Organisationen:  EUR 535.200,-
Brot für die Welt:  EUR 232.800,-
  EUR 768.000,-
Brot für die Welt