ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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19.5.2019

Alle Jahre wieder: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

von Torsten Lüdkte

Wenn die Nächte länger und kälter werden, wenn ein bleigrau verhangener Himmel Schnee verkündet, wenn Frost und Wind den Aufenthalt im Freien unangenehm machen, dann erwarten wir das Fest der Feste, das Christfest...

Vom Bummel durch stille Gassen zurückgekehrt, erfreuen wir uns in der geheizten Stube am goldenen Schein der Kerzen und dem liebevoll geschmückten Tannenzweigen, deren harziger Geruch sich mit dem feinen Duft von würzigem Adventsgebäck mischt. Aus weiß glänzenden Tassen steigt das Aroma dampfenden Kaffees auf und wie in längst vergangenen Kindertagen ziehen uns im Licht der Adventskerzen die bekannten Geschichten und die vertrauten Lieder in ihren Bann ...

Wer kennt sie nicht, diese Stimmung der Advents- und Vorweihnachtszeit, in der sich Vorfreude, Heimlichkeit und altes Brauchtum mischen, und die ein Leuchten in die Kinderaugen zaubert?

Doch täuscht diese Idylle; das Brauchtum weicht zunehmend den durch Werbung und Fernsehen vermittelten Modeerscheinungen. Wenn sich am 6. Dezember in den Schuhen und Stiefeln der Kleinsten die köstlichsten Leckereien finden, so denken die wenigsten an Nikolaus, den mildtätigen Bischof von Myra, sondern an einen schwitzenden Santa Claus, aus der CocaCola-Reklame, der durch Schornsteine steigt. Beim Gang über den Weihnachtsmarkt begegnen uns neben der traditionelle Volkskunst des Erzgebirges wie Räuchermann, Nußknacker, Schwibbogen oder Pyramide, auch bunt blinkende und lärmende Plastikgestalten aus Fernost, die uns "Stille Nacht" auf Englisch, Französisch und Japanisch vorsingen können.

Vorfreude und Heimlichkeit weichen zunehmender Hast und Hektik; im weihnachtlichen Kaufrausch müssen noch am Heiligabend die letzten Geschenke gekauft werden, wenn nicht sogar gleich Geld geschenkt wird. Auf den Wunschzetteln der Kinder häufen sich die Erzeugnisse der Unterhaltungselektronik; statt Puppen oder Eisenbahnen erscheinen immer öfter Computerspiele oder elektronisch gesteuertes Spielzeug.

Und die festliche Kaffeetafel mit dem typischen Weihnachtsgebäck? In der Kaffeewerbung ist sie noch zu finden, ebenso wie in vielen Familien, doch wird meist nicht mehr selbst gebacken; Spekulatius und Lebkuchen lassen sich ja auch bequem kaufen. Spätestens seit Mitte September sind die weihnachtlichen Spezialitäten in den Geschäften zu bekommen, und zum Teil sind diese dann bereits Ende November ausverkauft.

Manchem mag diese Zusammenstellung vielleicht gesucht und skurril erscheinen, doch sind die zuvor erwähnten Dinge nur einige Auswüchse einer in der Weihnachts- und Adventszeit überbordenden Konsumgesellschaft. Über Hast und Hektik wird nur zu gern vergessen, worum es eigentlich geht; denn es geht nicht um immer größer werdende Geschenke oder um ein noch größeres Festtagsmenü, sondern um die Geburt Christi, der als Sohn Gottes in einem bescheidenen Stall geboren wurde. Ein wenig mehr Bescheidenheit und die Besinnung auf die eigentlichen Inhalte der Advents- und Weihnachtszeit wäre sicher in einer immer schnellebigeren Zeit angebracht, und so wünsche ich allen Lesern eine ruhige und besinnliche Adventszeit.

Torsten Lüdtke