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20.1.2019

Braucht der Glaube Waffen?

von Pfr. Gunter Behnke

Fürbitten zum Sonntag, den 16. September 2001

Herr, unser Gott, schenke uns in diesem Leben die Erkenntnis deiner Wahrheit zum Kampf gegen das Böse. Und schenke uns das ewige Leben.
Wir sind erschüttert und verängstigt, du aber bist Weisheit und Leben, verschenke dich an uns.
Vater unser im Himmel
Auf der Suche nach einem erfüllten Leben für alle Menschen und Rassen, Kulturen, Religionen bitten wir
Geheiligt werde dein Name
Du, Herr, über Lebende und Tote, nimm die Verunglückten von New York und Washington auf und hilf den Hinterbliebenen in ihrer quälenden Ungewißheit oder großen Trauer.
Dein Reich komme
Schenke Präsident George Bush und seinen Beratern Weisheit, aber auch Entschlossenheit.
Dein Wille geschehe
Unter dem Ringen nach Frieden und auf der Suche nach Gerechtigkeit und engagiertem Teilen bitten wir:
Unser tägliches Brot gib uns heute
Der Egoismus reicher Völker schafft Abhängigkeiten bei den anderen, schafft dort Bitterkeit und leistet dem Hass Vorschub. Deshalb bitten wir:
Vergib uns unsre Schuld
Wir möchten gegen das Böse kämpfen, ohne im Hass zu versinken. Unterstütze uns wenn wir sagen:
Wir vergeben unsern Schuldigern
Wenn Furcht und Gefahr drohen, unseren Glauben verwirren, bitten wir:
Führe uns nicht in Versuchung
Aussichtslos scheint die Lage in Palästina zu sein. Zum jüdischen Neujahrsfest bitten wir dich trotzdem um Frieden für dein Volk Israel und seine Nachbarn.
Erlöse uns von dem Bösen
Über allen Nationen und Kulturen bist du der Herr, du willst Leben und Frieden. Deshalb preisen wir dich!
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Über das Schreckliche des 11.9. ist ausführlich geredet worden. Wir stehen nicht mehr im ersten Schock. Präsidenten, Bischöfe, Politikerinnen, die Frau auf der Straße, Wissenschaftler, Kinder, New Yorker, Berliner und viele Menschen haben sich geäußert. Wir können das nur ständig wiederholen.

Vor allem erschüttert es uns, von etwas zu reden, das eigentlich unsere Kategorien sprengt. Wir sagen zwar "das Böse", "der Krieg" aber ....
Normalerweise sprechen wir von dem bösen Kind, das auch ein guter Junge sein kann.

Normalerweise haben wir ein böses Wort im Gedächtnis, das sich zu gutem Einvernehmen aufklären lässt.

Normalerweise konnten wir bei den Worten Krieg und Frieden an das Völkerrecht denken.

Ohne neue Begriffe für Geschehenes und Geplantes zu kennen, müssen wir heute denken, reden und handeln, wir müssen es, wir tun es. In solcher Sprach- und Denknot schlage ich die Bibel auf. Sie sagt mir Matth.12,11: Wo mir die Worte fehlen, wird Gott sie mir geben. Das verstehe ich so: mit dem Wort kommt auch mein Denken und Handeln in Gang. Der Theologe Hans Asmussen hat einmal gesagt: "Nicht durch die Form der Handlung unterscheiden sich die Christen und Nichtchristen, sondern darin, dass Christen alle Gegebenheiten auf den Herrn beziehen."

So beziehe ich mich auf die Bibel im Brief an die Epheser, Kap.6 ab Vers 10. In manchen Übersetzungen steht über diesem Abschnitt "die Waffenrüstung Gottes". Ich schreibe heute dazu: "Der Kampf gegen das Böse." Wer kämpft hier? Die an Christus glauben (Vers 10). Sie sind aber keine Könner, denn sie werden erst kräftig gemacht. Also, bitte, kein Abschieben des Kampfes in die Personifizierungen eines bösen Teufels und eines guten Gottes. Nicht das Motto: Du, Gott, mach mal! Mit unseren Schwächen zu kokettieren hat keinen Sinn. Sich kräftig machen lassen , bringt ans Ziel. Dieses Ziel ist der Kampf gegen das Böse.

Im Vers 11 heißt es: Greift zu den Waffen Gottes. Also, greift zu! Der Vers spricht von einer ausreichenden Wappnung, von einer Ausrüstung, die dem vollkommenen Gott selbst gehört. Deshalb ist es nicht wahr, dass wir nur im gewohnten überschaubaren Kräftespiel handeln können, sondern nach Vers 12 auch gegen Mächte und Gewalten des Bösen. Mit Gott fassen wir Mut. Nur in dem Christen Bösem entgegentreten, lernen sie was Gott kann. Vers 13 bringt ein Tätigkeitswort mit der Bedeutung: etwas aufnehmen, das am Boden liegt. Wie ein militärischer Befehl übersetze ich es, dann klingt es so: "N-e-h-m-t auf!!" Verglichen mit dem bekannten Kommando "G-e-w-e-h-r über!" Der Historiker Arnulf Barnim hat in der Berliner Morgenpost vom 15.9.01 geschrieben: "Wir hoffen immer, dass unser guter Wille und unsere Friedfertigkeit nur lange genug verkündet, auch die entsprechende Konfliktscheu auf der anderen Seite zur Folge hat – das ist eine Illusion."

So rüstet euch gut für diesen Kampf. Die Ausrüstung besteht in Gottes Wahrheit und Gerechtigkeit, Vers 14. Lieber Leser, bitte, jetzt nicht distanzieren, sicher bleibt die vollkommene Wahrheit und Gerechtigkeit eine Eigenschaft Gottes, aber: so viel wir davon erkennen, sollen wir in unseren Möglichkeiten verwirklichen. Greifbare Wahrheit, erlebbare Gerechtigkeit sind gebrauchsfähige Waffen gegen das Böse.

Vers 15: "Marschiert mutig voran und verkündet überall, dass Gott Frieden mir uns geschlossen hat." Wir meinten, uns die Frage nach Frieden und Versöhnung mit Gott als altmodischen theoretischen Unterbau an den Schuhsohlen abgelaufen zu haben. Nun werden solche theologischen Fragen wieder ganz praktisch und aktuell. Gott hat mit uns Frieden geschlossen. Es geht nicht um seine nachsichtige Ansicht über uns. Es geht um seine Einflussnahme zum Frieden durch uns. Es geht um die Treue Gottes zu seinen Menschen. Wer das verbreitet, der kann damit Böses ersticken, wie einen Brandherd mit Löschschaum. Nicht "Friede, Freude, Eierkuchen" meine ich, sondern Frieden nach Lüge, Ungerechtigkeit und Bosheit.

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