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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > September 2001 |
19.5.2012 |
Mit dem Einmarsch der deutschen Soldaten in Russland änderte sich das Schicksal der Wolga-Deutschen schlagartig. Stalin erklärte sie pauschal zu Spionen und Diversanten, folglich zu Feinden des Sowjetvolkes und der Sowjetmacht und ordnete Strafmaßnahmen gegenüber der gesamten deutschen Wolga-Bevölkerung an. Die Überlebenden hatten es schwer in Kasachstan und in Sibirien, denn sie galten durch die deutsche Herkunft ihrer Vorfahren als eine feindliche Minderheit, die in jeder erdenklichen Weise gedemütigt und unterdrückt wurde. Alles was an ihre ursprünglich deutsche Herkunft erinnerte, wurde geächtet und verboten: Die deutsche Sprache durfte weder gesprochen noch gelehrt werden, deutsche Bücher und Lieder waren bei Strafe verboten. Gerade auch die Religionsausübung in der überlieferten deutschen Form galt als staatsfeindlich: Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers und das Kirchengesangbuch mit den Liedern in deutscher Sprache waren verboten. Aber auch nachdem man die ehemals wolga-deutsche Bevölkerung von allen Resten ihrer deutschen Kultur getrennt hatte, blieben sie die benachteiligte Minderheit innerhalb der mehrheitlich russischen Bevölkerung. Viele entschlossen sich nach Öffnung der Grenzen zur späten Aussiedlung nach Deutschland, in das Land ihrer Ahnen, ihrer Sprache und ihrer Kultur, die ihnen zwangsweise fremd geworden waren. Ironie des Schicksals: Waren sie in Kasachstan und Sibirien als "Deutsche" geächtet, so werden sie nun bei uns oft abschätzig "Russen" genannt. Die großen christlichen Kirchen rufen aus Anlass der Vertreibung der Wolga-Deutschen vor 60 Jahren zur Erinnerung an dieses schreckliche Geschehen und zur Fürbitte und tätigen Hilfe für alle Menschen, die davon betroffen sind. Was das Schönste sei hier bei uns in Lichterfelde... Frau M. verriet es mir: Anders als in Kasachstan darf man hier überall frei Deutsch sprechen – auf der Straße, im Bus, im Gottesdienst.
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