ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.5.2019

Zum Monatsspruch für September

von Dr. Peter Neumann

"Es gibt viel zu tun – nichts wie weg." Manchmall habe ich große Lust, mich diesem Spruch anzuschließen. Da mühen wir uns in kleinen Gruppen um die Verbesserung der Welt, unterstützen Flüchtlinge, schreiben Briefe für amnesty, sammeln Unterschriften gegen Rüstungsexporte, boykottieren Bekleidungsfirmen, die ihre Arbeiterinnen in den armen Ländern ausbeuten, stehen Mahnwache für Gewaltfreiheit Fremden gegenüber, arbeiten in der Eine-Welt-Gruppe für einen fairen Handel und eine gerechte Weltwirtschaftsordnung...
Und die Erfolge? Die sind kaum zu sehen gegenüber dem riesigen Berg von Elend, Tränen, Armut und Ungerechtigkeit.

Vielleicht ist es den Menschen, die Jesus folgten, ähnlich gegangen. Die Jüngerinnen und Jünger müssen manchmal recht mutlos gewesen sein, dass die Welt so gross und ihre Schar so klein war. Wie sollten sie, diese paar armen, schlecht angesehenen Leute jemals eine nennenswerte Zahl von Menschen für das Evangelium gewinnen oder gar die Welt verändern? – Wie können wir für das Evangelium der Liebe und Gerechtigkeit, dem Reich Gottes, das sich bereits hier und heute in unseren Begegnungen und Gemeinsamkeiten ansatzweise zeigen soll, Boden gewinnen?

Vielleicht hat Jesus darum für seine Freundinnen und Freunde diesen kleinen Ermutigungssatz vom Senfkorn gefunden.
Das Senfkorn galt als sprichwörtlich kleiner Samen. Dass daraus eine Staude von über 2 Metern Höhe wachsen konnte, glich einem Wunder. Was für eine unglaubliche Wachstumskraft steckt in diesem kleinen Korn! Was für ein Kontrast zwischen dem kleinen Samen und der riesigen Staude. Jesus redet nicht von dem gewaltigen Glauben, den er unter uns Menschen erwartet, vergleichbar jener großen Staude. Sondern er meint jenen kleinen Glauben, den er unter uns anzutreffen hofft, so klein, wie ein Senfkorn. Wir brauchen nur einen Glauben, der so groß ist wie ein Senfkorn. Denn mit dem Glauben ist das Wunder verbunden. Jesu Wort sagt uns: Lasst euch nicht entmutigen.

Glauben wir daran, dass in uns selbst Kräfte sind, Möglichkeiten liegen, die noch nicht entdeckt, nicht entfaltet, nicht wirksam sind? Dies zu sehen und anzuwenden, ist eine lohnenswerte und spannende Aufgabe für uns. Stellen wir ihr uns. Denn ohne unsere Praxis kein Wissen über das Reich Gottes. Es zu erkennen heißt, frei und befreiend zu leben, zu lieben und zu arbeiten. Wo Befreiung geschieht, Liebe und Solidarität bekundet werden, ereignet sich Reich Gottes. Dazu sind wir berufen.

Der Mehrwert des Reich Gottes ist Welten entfernt von den Profiten an Börsen und in Konzernetagen, welche ohnehin nur einer kleinen Minderheit zugute kommen. Der Mehrwert des Reich Gottes, das ist die Kraft und Perspektive der Liebe und Befreiung, zu denen uns Jesus und seine NachfolgerInnen unentwegt auffordern.

Dr. Peter Neumann