ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.7.2019

Mitregieren – unmittelbar oder durch freigewählte Vertreter
(Human Right, Artikel 21, Grundgesetz Artikel 20)

Leserbrief von Ulf Wolter

Das sollte das Grundprinzip sein in Kirche, Gesellschaft und allen Völkern, wenn es um schwerwiegende Entscheidungen geht. Nicht die politischen Machthaber, nicht die Besitzer von großen Eigentumstiteln sollen für sich entscheiden, sondern nur im Einvernehmen mit dem Volk bzw. den Völkern sollen derartige Entscheidungen getroffen werden, die unser aller Zukunft betreffen.

Wir Christen sind überzeugt mit den Anhängern auch anderer Religionen, dass die Menschen etwas von Gott verliehen bekommen haben, dass die Machthaber – und die Macht ist ihnen immer nur auf Zeit gegeben worden – nicht antasten können. Deshalb befürworten wir folgenden Brief, der dazu auffordert, für die Grundanliegen unseres Lebens, wie Krieg und Frieden, Grundrechte des Lebens und Basisversorgung aller Menschen, eine Volksabstimmung durchzuführen.

Während Christen Weihnachten feiern, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen wünschen, in welcher Sprachform auch immer, und eine "allgemeine menschliche Übereinkunft" (1932 von Freud an Einstein vorgeschlagen) darüber noch aussteht, eine Mehrheit in den meisten Ländern und insgesamt scheint gewiss, herrscht in Bethlehem Kriegszustand, obwohl auch in diesem Gebiet wahrscheinlich die Mehrheit der Menschen für ein Ende der blutigen Auseinandersetzungen ist – und in einem Referendum für einen Waffenstillstand votieren würde, gäbe es Gelegenheit dazu.

Freud'sche Verwunderung oder Einstein'sche Verbitterung darüber, letzterer wurde gerade zur Person des 20. Jahrhunderts gewählt, warum Meinung und Wille der Mehrheit der Menschen nicht wirksam zum Ausdruck gebracht werden, warum Friedensabkommen wieder und wieder ausschließlich und monopolartig auf Spitzenebene gesucht werden, ohne die Bevölkerung einzuschalten. Mit einer Abstimmung gemäß Artikel 21 der MenschenrechtsErklärung über eine unbefristete Waffenruhe hätten die Bewohner des Gebietes die Möglichkeit, direkte Beziehungen zwischen den Völkern der verfeindeten Staaten oder Quasi-Staaten aufzunehmen und ihren Friedenswillen gemeinsam zu artikulieren, der so oft übertönt wird. Das wäre eine Politik der Würde und der Inklusion.

Man kann erwarten, dass eine Mehrheit der Bevölkerung in dem Gebiet die Chance nutzen und für ein Ende der blutigen Form der Auseinandersetzungen stimmen würde, wie anderswo auch. Ausnahmen bestätigen die Regel, weshalb man auch eine Gesamtzählung der Pro- und Contra-Stimmen der Erdenbürger in einer "Welturabstimmung" ins Auge fassen sollte, denn darin unterscheiden wir uns nicht, dass wir nicht alle ein Kreuz bei den Optionen in Sachen Krieg und Frieden und der Gestaltung des Friedens machen können und wollen.

Mit besten Grüßen und guten Wünschen

Ulf Wolter