ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.7.2019

Zum Monatsspruch für August

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,
wir würden es König David gerne versprechen, unser Herz nicht daran zu hängen, aber leider stehen die Chancen eher schlecht, dass uns unerwarteter Reichtum zu fallen könnte. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit geht die königliche Weisheit im Monatsspruch für August an unserer Lebenswirklichkeit vorbei: Wir sind nicht reich und dürften es auch kaum werden.

Hier zieht also ein König Bilanz, rechnet ab im Leben und prüft, was übrig bleibt an Sicherheiten. Und da auch sonst internes Wissen aus dem Privatleben der gekrönten Häupter großes Interesse weckt, sollten wir dem Vermächtnis Davids unsere Aufmerksamkeit schenken.

König David gilt als der bedeutendste Herrscher der Israeliten, die Zeit seines Königtums rechnet man als goldenes Zeitalter seines Volkes, das so nie wieder erreicht wurde. Natürlich war David reich und mächtig, aber er wusste immer, dass er dies nicht sich selber zu verdanken hatte. Der Gott Israels hatte ihn in seiner Jugend durch den Propheten zum König über das Volk und zum Nachfolger Sauls bestimmt. Was er hat und ist, das kommt von Gott: "Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde." Nicht seine edle Abstammung oder seine hervorragenden Fähigkeiten als Regent machen ihn zum König, sondern allein die Gunst des Herrn, dem er zu Treue und Gehorsam verpflichtet ist. Deshalb galt und gilt David als gerechter König.

Solche nüchterne Bescheidenheit war unter den Thronfolgern der Nachbarreiche durchaus unüblich. Die Pharaonen, Könige und Cäsaren waren gottgleich und begründeten ihren absoluten Herrschaftsanspruch mit ihrer direkten himmlischen Abstammung. Und selbst ein tributpflichtiger kanaanäischer Stadtkönig gefiel sich als Reinkarnation des Stiergottes Baal.

All das verbietet der Gott Israels als Götzendienst. David dient Gott allein, und darum ist er ein guter König. David kennt militärische Macht und weiß mit ihr umzugehen, aber er verlässt sich nicht auf sein Soldatentum. Den hünenhaften Philister Goliath hätte er aus eigener Kraft niemals besiegen können. Und auch die Gegner im eigenen Lager hätte er alleine nicht in Schach halten können. David kennt und schätzt auch den Reichtum und den Luxus des Palastlebens – umgeben von Kunst, Schönheit und Genuss. Doch er weiß, dass ihm das alles nicht gehört. Keine irdische Macht, auch keine legale oder illegale Gewalt kann ihm seinen Besitz sichern.

Einmal versucht er es und scheitert kläglich. Ihn reizt eine schöne Frau, die mit einem anderen verheiratet ist. "Ich muss sie unbedingt haben," beschließt David. Er lässt ihren Ehemann töten und nimmt die Begehrte in seinen Harem auf. Durch den Propheten Nathan hält Gott ein scharfes Gericht über den ungerechten König. David ist drauf und dran, seine Königswürde zu verspielen. In einem Gleichnis stellt Nathan seinem König als dem obersten Richter in Israel sein eigenes verbrecherisches Verhalten vor. David spricht sich sein eigenes Todesurteil. Aber dann tut er reumütig Buße.

"Verlasst euch nicht auf Gewalt und setzt auf Raub nicht eitle Hoffnung; fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran. Eines hat Gott geredet, ein zweifaches habe ich gehört: Gott allein ist mächtig, und du, Herr, bist gnädig; denn du vergiltst einem jeden, wie er's verdient hat."

Soweit die Worte Davids in einem Lied, das er einem seiner Musikmeister gewidmet hat. Man muss allerdings weder König sein noch einen Musikmeister haben, um die Wahrheit dieser Worte zu erkennen.

Lutz Poetter