ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.1.2019

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum"
Eindrücke vom Kirchentag in Frankfurt/Main, Juni 2001

von Susanne Peters-Streu

Eng konnte es schon manchmal werden in den Zügen der S-Bahn und U-Bahn auf dem Weg zu einer der über 2000 Veranstaltungen des 29. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Frankfurt am Main.
Schön war es, so viele Menschen gemeinsam unterwegs zu erleben, suchend und fragend, offen und fröhlich, konzentriert und ernst. Glauben, Gentechnik, Geld, das waren die Hauptthemen die bewegt haben und die entschiedene Stellung gegen Gewalt, die viele Teilnehmer mit ihren weißen Tüchern demonstrierten.

Viel erlebt und viel versäumt, so kann man im Rückblick sagen. Die Kunst des Kirchentagbesuchs liegt in der Einsicht der eigenen Grenzen, man kann nur an einigen wenigen Veranstaltungen teilnehmen.
Für mich war auffällig das große Interesse am Themenbereich "In Vielfalt glauben". An einer Podiumsdiskussion "Glaubhaft glauben – Was ist ein Christ?", an der unter anderen Bischöfin Dr. Margot Käßmann und Dr. Gregor Gysi teilnahmen, sagte Gysi: "Ich fürchte eine gottlose Gesellschaft, weil sie zu totalem Kommerz und zur Entsolidarisierung führt." Er erntete für seine Beiträge viel Applaus, seiner Äußerung, "er glaube an den Menschen", trat Bischöfin Käßmann entschieden entgegen.

Wichtig war mir der Vortrag von Fulbert Steffensky zu dem Thema "Was erwarten die Christen von sich selber". Der Blick des anderen befreit, sich selber machen zu müssen. Gottes Blick auf uns befreit unsere eigenen Lebenszeugen sein zu müssen.

Am Beispiel der Romanfigur Stiller von M. Frisch beschreibt Steffensky, wie einer vor der unerbitterlichen Sicht seiner eigenen Augen nicht bestehen kann. Es befreit, in Scham und Heiterkeit die eigene Nacktheit und Blöße zu erkennen.

Die Kirche ist der Ort der Zuneigung Gottes, sie braucht sich nicht selber zu erbauen. Das Setzen auf Selbstruhm und Selbstgewissheit macht nach außen aggressiv und bringt nach innen den Kälte-Tod. Die Frage nach uns selbst können wir uns von Gott beantworten lassen, wir sind nicht unsere eigene Voraussetzung.

Steffensky wirbt darum, dass wir zeigen, wer wir sind und was wir lieben, dass wir die Sprache der Bibel, die Geschichten und Bilder und unsere Zeit den Menschen zur Verfügung stellen. In der Bibelarbeit am Samstag sprach er von der Bibel liebevoll als unserer alten Lehrerin. Jesus gibt uns Geschichten und sagt: Glaubt, dass es so geschehen ist und so wieder geschehen kann! Wir brauchen Geschichten des Entrinnens und der Lebensrettung, sie sind die große Musik der Hoffnung. Ernährt eure Träume mit dem Brot der alten Geschichten.

Die Urteile über den Kirchentag in der Presse sind vielfältig. Ein Kommentar titelt: "Kirchentag ohne Botschaft", ich glaube, was der Kirchentag bewirkt, ob er und wie er Menschen ermutigt, hängt nicht an entschiedenen Presseerklärungen, sondern daran, was einzelne an ihren jeweiligen Lebensorten und in ihren Lebenszusammenhängen weitertragen, leben, glauben, hoffen und tun.

Der nächste Kirchentag wird 2003 als Ökumenischer Kirchentag in Berlin stattfinden, da werden wir die Gastfreundschaft, die durch so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich war, weitergeben können.

Susanne Peters-Streu