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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Juli 2001 |
19.5.2012 |
In den großen Ferien, ich war damals etwa 13 Jahre alt, half ich im Lebensmittelladen Dahnke am Pfarracker. Ich belieferte die Kunden mit dem Fahrrad, meistens in der Siedlung Salzunger Pfad bis Hasselfelder Weg. Diese Kunden waren fast alle etwas begütert, hatten oft ein "Mädchen" und ließen sich die Ware ins Haus bringen, die sie dann monatlich bezahlten. Manchmal durfte ich auch mal ein Pfund Zucker abwiegen, in blauen Tüten, und die Kunden bedienen. Frau Dahnke trank am Nachmittag vorne im Garten unter der Fliederhecke ihren Kaffee mit reiner Sahne, was mir sehr üppig vorkam. In dieser Zeit durfte sie nicht gestört werden, aber ich musste ihr den Kaffee bringen. Im Anbau auf dem Hof gab es eine große Wäscherolle. Diese lief auf zwei Holzrollen und war auch schon elektrisch. Die Wäsche wurde in ein Rolltuch aufgerollt, ich besitze noch heute einige von diesen Tüchern, und unter den schweren Kasten gelegt, der immer nach einer Seite kippte, damit man die Rollen unterlegen konnte. Ich habe nie erfahren, was eigentlich in diesem schweren Kasten war, habe mir aber oft vorgestellt, daß meine Mutter mal eine Rolle vergißt unterzulegen und der große Kasten absaust. Zum Glück ist es nie passiert. Für meine Hilfe im Hause Dahnke bekam ich täglich 0,50 Pfennige und eine Cremeschnitte. Da ich schon immer sehr vernascht war, wurde dieses Geld dann wieder beim Bäcker Polenz am Oberhofer Weg umgesetzt, in eine Tüte Kuchenkrümel für 5 Pfennige. Wie herrlich, wenn dann noch ein vermanschtes Stück Cremetorte dazwischen lag. Lag mal eine Wespe dazwischen, so störte das keineswegs. Und dann der herrliche "Warschauer" für 5 Pfennige ein Riesenstück! Für die Unwissenden: es waren alle Kuchenabfälle zusammen gebacken und darüber sehr viel Puderzucker gestreut. Mit Beginn des Krieges 1939 änderte sich schlagartig alles. Inzwischen war ich im Beruf und trotz der nächtlichen Unterbrechungen mussten wir immer pünktlich im Büro erscheinen. Das Wort "Stress" gab es noch nicht. "Organisieren" hat man sofort gelernt und wer irgend etwas entdeckt hatte, gab es an die anderen weiter. Die Not war groß und es half wirklich einer dem anderen. So entdeckte irgend ein schlauer Mensch auf dem Güterbahnhof Lichterfelde Ost einen Tankwagen mit Speiseöl. Wo der herkam oder hinsollte, wusste keiner. Wie ein Lauffeuer ging das herum und wir zogen los, mit Wassereimer und holten uns das kostbare Öl. Da die Russen immer noch in den Häusern und Gärten Kontrollen machten, mit Stangen in den Gärten umherstocherten, um vergrabene Schätze zu entdecken, vergruben wir einfach das Öl in abgefüllte Flaschen auf Grundstücken, die zur Zeit nicht bewohnt waren. Der Rasen in unserem Garten wurde umgegraben und Gemüse angepflanzt. Die Obstbäume trugen auch etwas und mein Vater führte Buch über alle Erträge. In seinen Aufzeichnungen fand ich "Der Obstbaum Boskop – alle Äpfel geklaut", das war 1946. Wir haben alle geheult! Der kalte Winter 1947/48 wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es gab in diesem Winter nur einen Viertel Zentner Steinkohle auf Zuteilung. Man kann sich denken, wie wir gefroren haben. Zum Glück fuhren die Kohlenzüge bei uns vorbei. Sie mussten immer am Signal halten und manch einer von damals wird sich auch daran gut erinnern, wie schnell diese Züge gestürmt wurden und die Kohlen nur so den Bahndamm runter geworfen wurden. Nur so kamen wir einigermaßen über die Runden, aber geheizt wurde im ganzen Haus nur ein einziger Raum, wo sich dann alle Personen aufhielten. Der Bunker wurde gesprengt und es gab wieder Pläne für die Bebauung dieser Fläche. Zur Debatte standen Wohnhäuser, Sportstätten oder Lauben. Zum Glück setzte sich der damalige Rektor Hinze dafür ein, dass die Fläche grün blieb und ein Laubengelände entstand. Damals noch mit Obst und Gemüse bepflanzt, heute Erholung für viele junge Familien mit Kindern. Seit Oktober 1998 fährt nun wieder die S-Bahn bis Lichterfelde Süd und mit den Spaziergängen auf dem Bahndamm ist es vorbei. Doch es wird nicht mehr lange dauern, dann wird die Verbindung bis Teltow wieder hergestellt sein. Die ganze Gegend um mich herum hat sich verjüngt und ich gehöre nun zu den Senioren am Pfarracker. Die gute Nachbarschaft und Gemeinschaft hat sich bis heute erhalten und ich bin glücklich, immer noch in meinem Elternhaus leben zu können. Ihre Eva Laucks geb. Lienig Lesen Sie zu diesem Thema auch:
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