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21.5.2019

Der umgeschulte Linkshänder
Oder: Der Knoten im Gehirn

von Pfr. Dr. Peter Neumann

So lautet der Titel des 1995 erschienenen Buches von Johanna B. Sattler. In diesem Buch werden zum erstenmal Ursachen und Auswirkungen des genannten Phänomens systemathisch beschrieben, und zwar ohne Schönfärberei. Das heißt, Frau Dr. Sattler teilt ihre Ergebnisse ohne Weichzeichner, ohne Verharmlosung mit aufgrund der Befragung einiger tausend Betroffener, auch wenn in einem zweiten Buchteil nur einige repräsentative Fallbeispiele ausführlicher geschildert werden. – Mit diesem Buch, so kann man sagen, werden damit wissentlich oder unwissentlich Betroffene über manche Veranlagung ihres Wesens aufgeklärt.

Ich hatte ein Gespräch mit einem etwa vierzigjährigen Personalchef eines Berliner Unternehmens. Er ist umgeschulter Linkshänder. In der Unterhaltung benannte ich einige Auffälligkeiten für diese Personengruppe, wie etwa ungeduldiges Unterbrechen in einer Gesprächsrunde, Angst vor Konflikten und Hemmungen vor anstehenden Entscheidungen, spezifische Schwierigkeiten mit dem analytisch-logischen Denken und dem Erlernen bzw. Beherrschen von Fremdsprachen, was zeitweilig zu einem langanhaltenden Stress im Gehirn führen kann. Er fand sich in bestimmten Eigenschaften bestätigt und war an der weiteren Bearbeitung dieses Themas so interessiert, dass er sich dieses Buch kaufte.

Ein anderer Mann ähnlichen Alters fand es frappierend, dass diese Merkmale auch für ihn, der er als Grundschüler gleich bei Schulbeginn umgelernt worden ist, zutreffen. Dabei sind beide, geboren etwa 1960, eingeschult 1966, in Berlin aufgewachsen. Gelegentlich wurde auch umgeschult, um einer vermeintlichen Legasthenie abzuhelfen. Das bedeutet, dass selbst in deutschen Großstädten noch bis weit in die sech-ziger Jahre hinein umgeschult worden ist, und dass wohl erst seit Mitte der siebziger und mit dem Beginn der achtziger Jahre dies kein Thema mehr für Schulkinder sein dürfte.

Daneben hatte ich Kontakt mit zwei älteren "Umgeschulten": Der eine bekam in der Schule der zwanziger Jahre eine erhöhte Prügelstrafe, wenn er anlagegemäß den Schreibstift mit der linken Hand ergriff und zu schreiben anfangen wollte. Diese "Behandlung" ging bis zu eingerissenen, blutenden Ohrläppchen, wurde dann allerdings von den Eltern her gestoppt... Eine andere, sie war einige Zeit "Hausmädchen" bei einer Giesensdorfer Pfarrfamilie, fand es verblüffend, dass viele der aufgezeigten Merkmale auf sie zutreffen, wofür sie sich bisher keine einleuchtende Erklärung geben konnte.

Mir ist es nicht anders ergangen. So manches habe ich mit dem elterlichen Zuhause, mit Kriegs- und Nachkriegszeit erklärt. Erst mit der Lektüre des genannten Buches wurden Zusammenhänge deutlich, die auf eine andere Ursache, eben die Umschulung auf rechts, schließen lassen. Es ist mir deutlich geworden, dass manch wichtige Entscheidung oder Nichtentscheidung im Leben mit diesem Phänomen zu tun hat.

Für die zweite Junihälfte werde ich zu einem Erfahrungsaustausch einladen und erhoffe ein spannendes Gespräch. Hierzu werden diejenigen angeschrieben, die sich bisher gemeldet haben und auch Sie, wenn Sie sich angesprochen fühlen als umgeschulte Linkshänderin oder als umgeschulter Linkshänder. Rufen Sie mich (833 76 34) oder unsere Küsterei 755 19 285 in diesem Fall an.

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