ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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16.7.2019

"Tue deinen Mund auf für die Stummen..."

So heißt es an einer Stelle der Bibel. In einem Altenheim in Steglitz ist eine Frau verstummt. Sie ist stumm geworden, weil ihr dort Schreckliches widerfahren ist. Durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt war sie – nennen wir sie einmal Frau N. – dort ans Bett gebunden. Sie war dort zusammen mit einer Frau untergebracht, die leider Aggressionen entwickelte, die sich gegen Frau N. richteten.

Mehrmals wurde Frau N. dermaßen geschlagen, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste, aber immer wieder mit dem Befund "Prellungen" und der Maßnahme "Kühlen!" zurückgeschickt wurde. Obwohl das Pflegepersonal sicher war, dass die Verletzungen nicht durch Unfälle, etwa beim Baden entstanden, wurde Frau N. jedesmal wieder in ihr Zimmer zurückgebracht. So hatte die Bettnachbarin ein drittes Mal Gelegenheit zuzuschlagen. Sie wurde mit ihrem Gehstock über dem Bett von Frau N. fuchtelnd entdeckt. Auch diesmal ergriff das Heim keine Maßnahmen.

Frau N. blieb in ihrem Zimmer und wurde den Anweisungen des Krankenhauses entsprechend weiter behandelt. Auch als die Nachtschwester feststellte, dass der Arm so dick war, dass die Haut aufplatzte und leichte Risse aufzeigte, aus denen Flüssigkeit austrat, wurde anstatt gleich einen Arzt zu rufen lediglich weiter gekühlt, was im übrigen Brandblasen verursachte. "Hier, glaube ich, hat das Heim ein weiteres Mal die Fürsorgepflicht vernachlässigt!" äußerte sich die Tochter von Frau N., die in Australien lebt.

Dort erreichte sie der Anruf von der Wachstation des Benjam-Franklin-Klinikums, wohin man Frau N. nach einigen Tagen gebracht hatte. Die Verletzungen an den Armen waren so schlimm, dass die Ärzte sie im Klinikum fotografierten, bevor sie Frau N. notoperierten. Mit dem nächsten Flugzeug eilte die Tochter aus Australien an das Krankenbett der verstummten Mutter. Zehn Minuten nach dem Eintreffen der Tochter verstarb Frau N., hatte ihr Leiden ein Ende.

Dieser Tod macht betroffen. Seine Umstände werfen viele Fragen auf. "Seitens des Sozialamtes hörte ich, dass aggressive Übergriffe unter Heimbewohnern keine Seltenheit seien. Sollte das der Heimleitung nicht bekannt sein?" fragt sich die Tochter der Verstorbenen. Dies ist einerseits ein Fall für Staatsanwaltschaft und Kripo, welche auch in diesem Fall ermitteln. Es ist andererseits aber auch ein Aufruf zu mehr Wachsamkeit, was die Situation von alten Menschen in Heimen angeht. Viel zu sehr werden ihre Probleme unterschätzt oder aber als Einzelfälle abgetan und mit verschiedenen Gründen entschuldigt.

Wir rufen unsere Leserinnen und Leser auf, Probleme und Ärger in und mit Altenheimen nicht zu verschweigen. Wir bitten Sie, uns Ihr Vertrauen zu schenken und alles, was Sie an Missständen mitbekommen, uns mitzuteilen. Wir bitten Sie, Ihren Mund aufzutun und für die zu reden, denen es angesichts ihrer Lage nur die Sprache verschlägt.

Rufen Sie an oder schreiben Sie mir:

An den Kreisdiakoniebeauftragten des Kirchenkreises Steglitz
Diakon Manfred Naujeck
Albrechtstr. 81 a
12167 Berlin
Tel. 794 706 22
E-Mail

Das Heim und der Name der Frau sind der Redaktion bekannt.