Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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17.9.2019

Zum Monatsspruch für Mai

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,

Sprechen ist eine riskante Angelegenheit. "Wo viel Worte sind, da geht's ohne Sünde nicht ab, wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug", so steht es in den Sprüchen Salomos. Die Weisheitsbücher der Bibel werden nicht müde, vor den Übeln zu warnen, die mit einer scharfen Zunge, gottlosen Lippen und einem schwatzhaften Narrenmaul angerichtet werden. "Ein heilloser Mensch gräbt nach Unheil, und in seinem Mund ist es wie brennendes Feuer." Rauchende Trümmerfelder, wo einst prächtige Städte standen – oftmals waren hasserfüllte Brandreden der Anfang von Menschen verursachter Katastrophen. "Der Gottlosen Reden richten Blutvergießen an...". Kein Krieg, der nicht von kalten Demagogen vorbereitet und von skrupellosen Scharfmachern herbei geredet wurde...

"Tu von dir die Falschheit des Mundes und sei kein Lästermaul.", so rät der erfahrene Weise dem jungen Schüler und warnt ihn so vor schändlicher Lüge und schädlicher Geschwätzigkeit. Die Zunge im Zaum halten, sich nicht hinreißen lassen in Hass und Hast, vielmehr vorsichtig und nachdenklich die richtigen Worte suchen – und die dann auch klar aussprechen: Dies ist der weise und gottgefällige Gebrauch der menschlichen Sprache. Denn Worte können wunderbar sein – und Wunder bewirken!

"Eine linde Zunge ist ein Baum des Lebens.", so schwärmt einer, der wohl von den Früchten dieses Baumes genossen hat. Worte haben dann einen positiven Einfluss auf Sprecher und Hörer: "Es ist einem Mann eine Freude, wenn er richtig antwortet, und wie wohl tut ein Wort zur rechten Zeit!"

"Die Worte in eines Mannes Munde sind wie tiefe Wasser, und die Quelle der Weisheit ist wie ein sprudelnder Bach." Um lebendig zu sein und lebendig zu machen, muss unsere Sprache aus der Tiefe kommen, aus der Tiefe echter Erfahrung, ernsthaften Nachdenkens und einfühlsamen Schweigens. Worte aus der Tiefe sind ein wahrer Segen: "Des Gerechten Mund ist ein Brunnen des Lebens, die Lippen der Gerechten lehren heilsame Dinge." Worte werden zu kostbaren Schätzen: "Es gibt Gold und viel Perlen; aber ein Mund, der Vernünftiges redet, ist ein edles Kleinod." Vielleicht hat Sprechen aber auch etwas mit Liebe zu tun: "Eine richtige Antwort ist wie ein lieblicher Kuss." Naja, fast wenigstens... Sprechen ist aber auf jeden Fall eine klare Parteinahme. Gottes Gerechtigkeit fordert uns auf zur Fürsprache: "Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind."

Paulus, der Missionar und Gemeindegründer ist so ein parteilicher Fürsprecher. Christus soll durch ihn zur Sprache kommen. Er ist der Herr über alles. Er befreit uns zu einem neuen Leben, als neue Menschen sollen wir in dieser Freiheit leben. Und so spricht Paulus die Christinnen und Christen in Kolossä an – eben als Befreite, die kein Gefängnis der Welt in ihrer Freiheit beeinträchtigen kann. Paulus muss es wissen, denn er schreibt diesen Brief aus dem Gefängnis. In seiner Lebenszeit sind die Christen mit ihren verstreuten Gemeinden eine kleine Minderheit im Römischen Weltreich, die Mehrheit mit ihren vielfältigen Religionen und Kulten ist den Christen nicht gerade freundlich gesinnt. Paulus ermutigt sie, eben auch in heidnischer Umgebung von dieser Freiheit in Christus zu reden – lieblich, aber auch mit Salz gewürzt. "Ihr seid das Salz der Erde!" Wer sagte das doch gleich?

Lutz Poetter

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