ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.5.2019

Zur Konfirmation

von Susanne Peters-Streu

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Ihr seid schon über so manche Brücke gelaufen. Vielleicht seid ihr am Brückengeländer stehen geblieben und habt verträumt ins Wasser geschaut. Vielleicht habt ihr Steinchen ins Wasser geworfen oder gewartet, ob ein Schiff oder Kahn vorbeikommt. In jedem Fall hat euch die Brücke geholfen, euren Weg fortzusetzen. Ohne Brücken gibt es keine Chance Gräben, tiefe Schluchten oder Abgründe zu überwinden. Der Weg endet, wo eine Brücke fehlt.

Wenn ihr euch aufmacht, einen unbekannten Weg geht und plötzlich an einem reißenden, breiten Fluss steht, habt ihr ohne Brücke so gut wie keine Chance hinüberzukommen. Auch der Weg durch unser Leben führt uns an Gräben, tiefe Schluchten, Hindernisse, die unüberwindlich scheinen. Wie gut, wenn dann einer da ist, der Brücken bauen kann. Wie gut, wenn schon einer eine Brücke gebaut hat.

Im vergangenen Jahr bin ich durch große Einsamkeit in Norwegen gewandert. Ein schmaler Pfad durch wilde Natur, ein reißender Bach, und Menschen hatten eine Hängebrücke an beiden Ufern befestigt. Ein bisschen unsicher, mit vorsichtigen Schritten ging es über das tosende Wasser. Gut festhalten an dem Seil, auf die Schritte achten, sind die Bretter auch nicht morsch, so ging der Weg weiter.

Andere hatten dafür gesorgt, dass ich meinen Weg fortsetzen konnte. Wie oft sonst in meinem Leben bin ich schon über Brücken gelaufen, die andere mir gebaut haben. Brücken über den Abgrund eines abgebrochenen Gespräches, Brücken über die Angst eines Neuanfangs, Brücken in fremder Umgebung, Brücken über ein tief empfundenes Versagen, Brücken zu neuem Selbstvertrauen, Brücken über erfahrene Kränkung, Brücken der Verständigung, der Freundlichkeit, der Vergebung.

Ein Brückenbauer für Menschen, die sich in ihrem Leben verrannt haben, die alleine nicht weiterkommen, die alle Verbindungen zu anderen Menschen und zu Gott verloren haben, die in Unfrieden leben, ist Jesus. Er geht zu den Menschen, denen die Brücke ins Leben abgebrochen scheint. Zu denen, die ihren Weg nicht mehr finden, die an einem Abgrund stehen und nicht wissen wie es weiter geht. Er geht zu den Traurigen, den Einsamen, den Kranken, zu denen, die sich ausgegrenzt fühlen, zu den Friedlosen.

Ich wünsche euch zu eurer Einsegnung, dass ihr spürt und erfahrt wie euch Brücken für euren Lebensweg gebaut werden. Dass ihr wagt sie zu betreten und lernt die Tragfähigkeit zu prüfen. Und ich wünsche mir und den Menschen, die mit euch leben, dass Ihr lernt und entdeckt, wo Ihr selbst zu Brückenbauern werden könnt. Seht mit wachen Augen und aufmerksam hin, wo Brücken fehlen oder abgebrochen sind und lasst uns gemeinsam einstimmen in ein Gebet von Ernst Lange:

"Herr, ich möchte den Mut zum Brückenbauen haben, zwischen mir und denen, die ich nicht mag und nicht verstehen kann. Die mir misstrauen oder mich enttäuschen, zwischen mir und denen, mit denen ich im Streit lebe. Brücken auch für die, die untereinander streiten. Brücken zwischen den Menschen in meiner Gemeinde, Brücken zwischen meinem Kreis und anderen Kreisen, meiner Generation, meiner sozialen Gruppe und anderen Gruppen. Brücken zu denen, die draußen sind, den Enttäuschten, den in Vorurteilen befangenen, den Abgefallen, den Spöttern und Feinden. Ich möchte Mut zum Brückenbauen haben auch dort, wo Brückenbau unpopulär ist, quer hindurch durch die eisernen Vorhänge der Angst, der Selbstgerechtigkeit. Ich bitte dich um den Mut zum Brückenbauen!"

Zu eurer Konfirmation wünschen wir aus der Gemeinde euch Gottes Segen und den Mut zum Brückenbauen. Gott lege seinen Segen auf euch!