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26.3.2019

Meine Erinnerungen an Lichterfelde-Ost
Teil 1

von Eva Laucks

"Damals war's"
Bilder und Geschichten aus dem alten Lichterfelde
 
Liebe Leserinnen und Leser,
In unserem SCHLÜSSEL gab es schon einmal im Jahr 1999 dieses Thema mit mehreren Folgen in Wort und Bild.
 
In diesem Jahr nehmen wir erneut diese Erinnerungsbilder und -geschichten wieder auf und hoffen, unseren Lesern damit eine Freude zu machen.
 
Sollten die Alt-Lichterfelder Senioren unter Ihnen Lust verspüren, mal in den alten Fotoalben zu stöbern, um uns das eine oder andere Foto zu schicken, "Ach so sah damals die ...straße aus", oder "Ich erinnere mich noch an ...", dann  melden Sie sich bei uns.
 
Wir würden uns freuen, Ihre Erinnerungen zu veröffentlichen.

Ihre Redaktion

Eines Tages sagte unser Vater zu uns: "Zieht euch an, Kinder, wir machen einen Ausflug nach Lichterfelde-Ost." Wir wohnten damals, 1934, in Lichterfelde-West in einer sehr schönen Wohnung am Karlsplatz.
Vater liebte immer solche Überraschungen, er sagte nie vorher, wohin es geht und somit war unser Leben als Kinder auch immer recht spannend und aufregend.

Es war im Frühjahr und so zog die Familie – Vater, Mutter, Sohn und Tochter los. Natürlich zu Fuß! Auf dem Heimweg durfte die Straßenbahn genommen werden. Die Ringstraße, die Drakestraße über die Wiesenbaude, die ehemalige Wilhelmstraße, heute Königsberger Straße. Der Weg erschien uns Kindern immer endlos. Dann an einer hohen Mauer entlang die Brauerstraße und endlich kamen wir zum Brauerplatz, der in eine große Wiese überging.
Auf der Wiese, am Hasselfelder Weg, stand eine kleine Holzbude und darin verschwand mein Vater erst einmal. Wir wussten nicht so recht, was wir dort sollten und plötzlich kam mein Vater heraus und sagte: "Kinder, wir ziehen hierher!"

Diese Bude war die erste Kontaktaufnahme für die Parzellenaufteilung auf dem Gelände. Diese Wiese, vom Pfarracker bis hoch zur Hochstraße, Brauerstraße und zum Hasselfelder Weg, gehörte damals der Kirchengemeinde Lichterfelde. Die Straßennamen besagen es ja noch heute. Sicher brauchte auch damals die Kirche Geld und musste ihr Land verkaufen.

Da mein Vater einer der ersten Interessenten war, konnte er sich auch das schönste Grundstück mit Südwest-Lage aussuchen, der Quadratmeter kostete 4,80 RM.
In meiner Erinnerung war ich nicht voll großer Begeisterung. Ich dachte nur an meine Schule in der Kommandantenstraße und an meine Freundinnen dort.

Das Grundstück Am Pfarracker 5 gehörte vorher in Pacht einem Gärtner Wegner aus der Brauerstraße. So standen auf unserem Grundstück noch einige Obstbäume und eine Brombeer-hecke, was wiederum von Nutzen war. Im Laufe des Sommers 1934 begann dann die Aufteilung aller übrigen Grundstücke und der Hausbau begann im August desselben Jahres.

Nun ging es jedes Wochenende dorthin, eine Tour laufen, eine Tour fahren. Mein Vater war Textilkaufmann und belieferte damals das Lebens-mittelgeschäft Dahnke am Pfarracker mit Kurzwaren. Bei Dahnkes wurden wir dann des öfteren zum Mittagessen eingeladen. Herr Dahnke besaß noch Pferdefuhrwerke, diese standen gegenüber auf der Wiese und wurden von ihm geputzt und gepflegt. Der Hausbau ging so schnell vonstatten, es glaubt heute kaum jemand, im November 34 konnten wir schon einziehen. Allerdings war noch kein Licht angeschlossen, mit Petroleumlampen mussten wir uns aushelfen. Auf jeden Fall war es für uns alle ein Glücksgefühl, ins eigene Haus zu ziehen.

Mein Vater stand seit 1924 mit meiner Großmutter auf dem Markt in Lichterfelde-West und auch auf dem Ferdinandmarkt am Kranoldplatz. Heute steht nun genau an dieser Stelle das neue Geschäftshaus mit überdachtem Markt.

Unser Haus am Pfarracker hatte auch einen kleinen Laden mit Textilien, Kurzwaren usw. Da der Weg zum Kranoldplatz etwas weit für die Kinder war, verkaufte er auch Schreibhefte für die Schule. Um die Kinder anzulocken, legte er in jedes Schreibheft eine Briefmarke zum Sammeln. Mit Erfolg! So gab es damals an dem stillen Pfarracker schon vier Läden. Nr. 5, unser Geschäft, dann fast gegenüber der Zigarrenladen von Familie Peterson, daneben der Lebensmittelladen von Dahnkes und etwas weiter die Fleischerei der Familie Komm. Am Pfuhl gab es noch ein Lebensmittelgeschäft von Ehepaar Pfahl und sogar einen Frisörladen des Herrn Schäfer.

Der Pfarracker war nur auf einer Seite mit Kopfsteinen gepflastert, die andere Seite war noch ein Sandweg, für uns zum Spielen gut geeignet. Damals war man verpflichtet, mit dem Kauf eines Grundstückes in einen "Pflasterkassen-Verein" einzutreten, der damals gegründet wurde. Die Straßen mussten auch schon selbst bezahlt werden, ebenso die Birken, die später gepflanzt wurden.

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