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21.1.2019

Aggression – muss das sein?

von Gilka Rohlfs-Haupt

Nun ist es bald wieder so weit. Frühling – Stöckchen-Zeit – aus Stöcken werden Waffen. Eltern und Erzieher geraten in Konflikte. Muss dererlei aggressives Verhalten bei Kindern nicht unterbunden werden?

Wir schauen uns einmal an, was die Friedensforschung dazu sagt:

Aggressive Elemente gehören zum kindlichen Reifeprozeß untrennbar dazu. Eine nur auf Friedfertigkeit ausgerichtete Erziehung ist abzulehnen.
Das Kind muss seine aggressiven Seiten im Kindesalter erfahren haben, um nicht als Erwachsener weit gefährlicheren Aggressionen ausgeliefert zu sein. Zu jeder Altersstufe gehören ganz bestimmte aggressive Verhaltensweisen. Diese entstehen naturbedingt durch die vorwärtsgerichtete Antriebskraft der kindlichen Reifung. Es ist notwendig, daß wir diese ganz normalen Aggressionen kennen und uns über ihre Bedeutung für die Entwicklung des Kindes klar werden.
Immer, wenn im Organismus des Kindes etwas Neues herangereift ist, sei es eine körperliche oder seelische Fähigkeit, drängt es mit Gewalt nach außen zur Verwirklichung. Die innere Spannung wandelt sich um in Bewegung und tritt oft als aggressives Verhalten in Erscheinung.

Ein Kind, das z.B. Spielsachen kaputt macht, sammelt Erfahrungen. Heißen wir es dann böse, nehmen wir ihm die Freude an seinen Experimenten. Entdeckungsdrang darf nicht bestraft werden. Denn wenn die kindliche Neugier erlischt, treten schwerere Aggressionen auf, die auf die Interesselosigkeit der Erwachsenen zurückzuführen sind. Auch wenn sich Erwachsene zu früh in Streitigkeiten einmischen, weil sie Handgreiflichkeiten nicht ertragen können, nehmen sie den Kindern die Chance, herauszufinden, wie sie sich aus eigener Kraft einigen und vertragen lernen können.

Und nun zu den "Stöckchen als Waffen":
Kinder genießen es, alles Schlimme, was sie selbst erleiden müssen, im Spiel aktiv an andere zurückzugeben. Diese Rollenspiele sind ein lustvolles Ventil für ihre angestauten Aggressionen. Sobald das magische Fantasie-Alter abklingt, glauben sie selbst nicht mehr an die Macht dieser Waffen und besinnen sich auf die eigene Stärke, die sie kraft ihrer Spiele erworben haben. Das kann sich bis ins 10. Lebensjahr hineinziehen.
Wenn sie sich jedoch über dieses Alter hinaus unablässig mit Kriegsspielzeug beschäftigen, mit Gewehren herumballern und ständig den starken Mann markieren, so ist dies ein Zeichen dafür, daß die Umwelt zu stark Gegendruck ausgeübt hat.

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