ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.5.2019

Weltgebetstag 2. März 2001
Voneinander Lernen – Miteinander Beten – Gemeinsam Handeln

von Susanne Peters-Streu

Herzliche Einladung zu den
Gottesdiensten am Weltgebetstag
Freitag 2. März 2001 um 15.30 Uhr
in der Johann-Sebastian-Bach-Gemeinde, Thuner Platz
oder um 16.00 Uhr in der
Kreuzkirche
Kaiser-Wilhelm-Str. 29
 
Familiengottesdienst
zum Thema des Weltgebetstages
am Sonntag, den 25. Februar 2001
um 11.00 Uhr
im Gemeindehaus Parallelstr. 29

"Kaum ist die Sonne uns entschwunden, weckt ferne Menschen schon ihr Lauf, und herrlich neu steigt alle Stunden die Kunde deiner Wunder auf."

Wandern wir einmal mit unseren Gedanken dem Lauf der Sonne hinterher, so ziehen wir einmal rund um den Erdball. Wie über Länder und über Meere der Morgen ewig weiterzieht, so sind wir eingeladen ein Lied zum Lob Gottes erklingen zu lassen, das weiter zieht von einem Ort zum andern, bis der Kreis sich schließt.

Seit über hundert Jahren laden Frauen aller Konfessionen rund um den Erdball zum Gebet ein. Immer am ersten Freitag im März wandern Lieder, Gebete, Sorgen und Klagen, Lob und Dank von einem Erdteil zum nächsten. Im Singen und Beten erleben Menschen die Verbundenheit vor Gott. Ermutigung und Hoffnung wächst aus dieser Verbundenheit. Die Ordnung für den Gottesdienst und das Thema kommen in jedem Jahr aus einem anderen Land und werden dort von Frauen aus verschiedenen Kirchen gemeinsam vorbereitet. So können wir teilnehmen an ihrem Leben mit Ängsten und Sorgen, mit Hoffnung, Kraft und Lebensmut. Sie sprechen uns an auf unserer Leben, fordern uns heraus, uns dem jeweiligen Thema und seinen Fragen zu stellen.

In diesem Jahr kommt der Gottesdienstentwurf aus Samoa, einem kleinen Inselstaat im Südpazifik zwischen Australien, Neuseeland und Südamerika gelegen.
"TALOFA – Willkommen, Schwestern und Brüder auf der ganzen Erde, alle, die mit uns diesen Weltgebetstag feiern", so grüßen sie uns. "Informiert beten – betend handeln" dazu fordert uns der Weltgebetstag immer schon auf. "Unsere Gottesdienstordnung aus Samoa will dieses Motto des Weltgebetstages weitertragen und ermutigt euch, Schwestern und Brüder überall auf der Welt, voneinander zu lernen, miteinander zu beten und gemeinsam zu handeln."

Samoa liegt weit weg, östlich der Datumsgrenze. Zwei kleine Upolu und Savai'i und fünf noch kleinere Inseln, insgesamt so groß wie das Saarland, in der riesigen Wasserfläche des Pazifik. Seit ca. 3000 Jahren besiedelt, im 18. und 19. Jahrhundert von Europäern "entdeckt" und missioniert, waren die samoanischen Inseln von 1900 – 1914 unter Deutscher Kolonialherrschaft.

Aus dieser Zeit zeugen noch immer Kokospalmen, die akkurat geordnet auf alten Plantagen stehen. 1962 wurde Samoa als erster Pazifikstaat unabhängig. In Samoa leben ca. 170 000 Menschen, zumeist in traditionellen Dörfern entlang der Küsten.

Die Küstenregionen sind fruchtbar und werden landwirtschaftlich genutzt. Das Inselinnere ist von dichtem Regenwald bedeckt. Samoa gilt im Weltbankmaßstab als eines der am wenigsten entwickelten Länder. Es gibt kaum Industrie, Arbeitsplätze sind rar. Dennoch: Verhungern muß auf Samoa keiner. Auf der Suche nach Arbeit sind viele SamoanerInnen nach Neuseeland, Australien und in die USA ausgewandert. Ihre Geldsendungen sind wichtige Einkommensquellen für das Land. Die Sehnsucht nach den heimischen Wurzeln und die Verpflichtung die Familie zu unterstützen bleiben lebenslang.

Grundsätzlich war und ist das Land nicht verkäuflich. Es gehört der Großfamilie und wird von den Matai (gewählte Oberhäupter einer Großfamilie) treuhänderisch verwaltet, die für das Wohl der Familie verantwortlich sind. Das Matai-System bestimmt bis heute weitgehend das gesellschaftliche Leben, innerhalb dieses Systems werden Titel für unterschiedliche Funktionen an verdiente Männer – gelegentlich auch an Frauen – vergeben, es gibt Orientierung und schafft Geborgenheit, reglementiert aber auch das Leben sehr weitgehend. Im Vordergrund steht immer die Gemeinschaft, in der jemand lebt und nicht das Individuum. Das traditionelle matai-System, die Unverkäuflichkeit des Landes, die große Bedeutung des Christentums sowie die hohe Wertschätzung des Miteinander-Teilens gehören zu den wichtigsten Merkmalen der Fa'a Samoa, der Samoanischen Lebensart. Mit dem zunehmenden Einfluß des Auslandes geraten aber die traditionellen Werte für die jüngere Generation ins Wanken.

Für uns Europäer verbinden sich Gedanken an die Inselwelt im Südpazifik mit Träumen einer unzerstörten Idylle vom einfachen harmonischen Leben. Das Buch "Der Papalagi" fiktive Reden eines Südseehäuptlings von Erich Scheurmann zeugt davon. "Voneinander lernen" heißt in diesem Zusammenhang nicht, den Mythos der Inselidylle am Strand unter Palmen fortzuschreiben, sondern es bedeutet sich offen und aufmerksam einem Land, seinen Menschen und ihrer Religiosität und Kultur zu nähern. Es bedeutet, die Facetten der Wirklichkeit und die Spannungen wahrzunehmen und dabei nicht zu vergessen, dass unser Blick immer von unserer europäischen Perspektive und von unseren Träumen geprägt ist.

Die Menschen Samoas stehen in der Herausforderung eigene Tradition zu bewahren und in der Auseinandersetzung mit "modernen" westlichen Werten weiter zu entwickeln. So versuchen sie ihren Standpunkt zu finden. Hier können wir einander im Dialog begegnen, denn dies ist eine Aufgabe, die sich in unserer Welt der rasanten Veränderungen, der wirtschaftlichen Globalisierung und politischen Abgrenzungsbestrebungen allen Menschen und Völkern stellt.

Das Plakat zum Weltgebetstag nimmt uns hinein in die Gegensätze und Spannungen. Unvertraute Formen, spannungsvoll zweigeteilt, fremde Worte mitten im Bild. "ia tupu i se fusi" – "Wachse und gedeihe im fruchtbaren Sumpfland". So segnen Eltern auf Samoa ihre Kinder und bestärken sie, die eigene Kultur und Tradition im schnellen Wechsel unserer Zeit immer wieder neu zu beleben. Eine Frauengestalt verbindet Himmel und Erde. Zusammengewachsen scheint sie mit den bunten Bögen samoanischer Tatauiermuster. Gesichter kommen uns entgegen. Verschiedene Menschen, die sich dazu bewegen lassen voneinander zu lernen, miteinander zu beten und gemeinsam zu handeln. Mit den Frauen aus Samoa haben wir Anteil an dieser weltweiten Bewegung und können heute in guter Tradition Neues erleben. Was für ein Segen!

Sie sind herzlich eingeladen zu den Weltgebetstags-Gottesdiensten am Freitag, den 2. März 2001 und zum Familiengottesdienst am Sonntag, den 25. Februar, den wir zum Thema des Weltgebetstages gestalten.