ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

Holzkirche Gemeindezentrum Celsiusstraße Gemeindehaus Ostpreußendamm
Petruskirche Gemeindehaus Parallelstraße Dorfkirche Giesensdorf

ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Gemeindebrief > Archiv > Februar 2001

25.3.2019

Zum Monatsspruch für Februar

von Dr. Peter Neumann

Die Grundfragen nach dem Sinn und Ziel unseres Lebens beschäftigen uns alle in regelmäßigen Abständen, vor allem bei schwerwiegender Erkrankung, oder wenn wir wieder einmal zehn Jahre älter geworden sind, wenn wir in den Ruhestand wechseln oder wenn wir in einer massiven Beziehungskrise stecken.

Großmacht Liebe

Es gibt nur eine Großmacht auf Erden – das ist die Liebe.
Pflicht ohne Liebe
macht verdrießlich.
Verantwortung ohne Liebe
macht rücksichtslos.
Gerechtigkeit ohne Liebe
macht hart.
Wahrheit ohne Liebe
macht kritisch.
Erziehung ohne Liebe
macht widerspruchsvoll.
Klugheit ohne Liebe
macht gerissen.
Freundlichkeit ohne Liebe
macht heuchlerisch.
Ordnung ohne Liebe
macht kleinlich.
Sachkenntnis ohne Liebe
macht rechthaberisch.
Macht ohne Liebe
macht gewalttätig.
Ehre ohne Liebe
macht hochmütig.
Besitz ohne Liebe
macht geizig.
Glaube ohne Liebe
macht fanatisch.

Wie lebst du? –
Wie kannst du leben ohne Liebe?'

Auch Jesus wurde damals mit solchen Fragen konfrontiert, etwa mit der: Was muß ich tun, damit ich das wahre, das ewige Leben erbe? Und er gab zu verstehen, daß die Antwort darauf mit der persönlichen Praxis der Liebe, die jede(r) zu leben bereit ist, gegeben wird. Eigentlich eine einfache, fast selbstverständliche Antwort, zu lieben. Aber sie wird nur selten befolgt, damals wie heute.

Damals wie heute ist folgendes Beispiel für die Kommunikation zwischen den Generationen, zwischen den Menschen, grundlegend: Ein Vater kommt einst zu einem Rabbi und beklagt sich über seinen Sohn, daß er ungeraten sei und andere Wege gehe, als der Vater es meine. Er bittet ihn um Rat, was er tun könne, um den Sohn wieder an die Familie zu binden. Der Rabbi schaut ihn lange und durchdringend an, dann sagt er nur das eine Wort: Mehr lieben!

Bei aller Unterschiedlichkeit im Denken, Handeln und Glauben scheint sich die Menschheit aller Religionen und Rassen in einem einig zu sein: Ohne Liebe – was immer darunter zu verstehen ist – "verdorrt" unser aller Leben. Herrmann Hesse hat dies treffend formuliert, wenn er sagt: Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt; je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.

Mit seinem Leben sprengt Jesus alte religiöse Glaubensvorstellungen. Wie wäre es heute, wenn plötzlich die Liebespraxis Jesu um sich griffe. Gar nicht auszudenken: So manche Kirchenleute, Synoden und Gemeindekirchenräte verstünden die Welt nicht mehr. Das ganze Gesetzes- und Ordnungsgefüge fleißiger Kirchenbeamten käme ins Wanken. Die Börse spielte verrückt. Wirtschaft und Staat kämen ins Stottern. Aber ganze Volksscharen von Arbeitslosen, Armen und Flüchtlingen bekämen neue Hoffnung. – Wir entdeckten auf einmal neu, daß jeder Mensch liebenswert ist und ein Recht hat, geliebt zu werden, daß jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist.

Die Liebe würde vieles durcheinander, aber auch alles an den Tag bringen. Wir entdeckten, Gott und Liebe sind zwei verschiedene Seiten einer Wirklichkeit. – Gottes Wesen ist Liebe. Wer an Gott glaubt, liebt, oder er glaubt nicht. Wer liebt, lebt in Gott, auch wenn er Gott nicht namentlich bekennt. Die Praxis der Liebe ist entscheidend, nicht das Bekenntnis. Ich denke, daran dachte Jesus, als er sagte: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

In einer Zeit, da über die zunehmende Gewaltbereitschaft, Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit aller Orten geklagt und debattiert wird, bekommt das Gebot der Nächsten- und Selbstliebe eine ganz besondere Bedeutung. Von Gott ist jedem Menschen die Würde der Gottebenbildlichkeit zugedacht. Ein gelungenes Leben beginnt deshalb dort, wo wir auch mit uns selber gut umgehen, dort laßt sich auch der Kreislauf aufkeimender und später eskalierender Gewalt aufbrechen.