Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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11.12.2019

Jahreslosung 2001

von Lutz Poetter

Liebe Gemeinde,

unsere Jahreslosung zeigt keine falsche Bescheidenheit. Der Verfasser des Kolosserbriefes will klarmachen: Die christliche Wahrheit braucht sich vor keiner anderen Religion, Philosophie, Mysterien zu verstecken. Christus ist das Geheimnis Gottes.

Man spürt förmlich die vielen Verletzungen und Verfolgungen, welche die jungen christlichen Gemeinden ertragen mussten. Christinnen und Christen galten als gefährliche Irrlehrer und politisch unzuverlässige Störenfriede. Die Lehre von Jesus als dem Christus und seinem Heilshandeln durch Kreuz und Auferstehung wurde von den meisten Zeitgenossen abgelehnt. Die Kommentare reichten von krasser Blasphemie bis billiger Sklavenmoral – die Kenner der religiösen Antike ließen kein gutes Haar am Christentum.

In Christus liegen verborgen... Offensichtlich war die neue Lehre am Anfang nichts für die breite Masse. Die Anhänger empfanden sich deshalb als "Herausgerufene", wie es im griechischen Wort für die Gemeinde – Ekklesia – deutlich wird. Für alle sofort offensichtlich, mühelos verstehbar – so ist der Christus nicht. Er ist im Verborgenen. Von dort her aber will er sich offenbaren, zu erkennen geben, gesucht und gefunden werden.

Alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis liegen so in der christlichen Wahrheit verborgen – und wollen entdeckt werden. Bald nach den bescheidenen Anfängen wurde das Christentum römische Staatsreligion. Es verband sich dadurch mit der Macht. Anfangs selber unterdrückt und verfolgt, wechselte die Kirche als Institution auf die Seite der Mächtigen. Über Jahrhunderte kontrollierten kirchliche Instanzen die wahre Lehre, das Forschen und Denken der Völker und ihrer Eliten. Mit Anbruch der Neuzeit kam es zu einem intensiven Ringen um Wahrheit, Wissen und Erkenntnis, das alle bis dahin gültigen Werte und Ordnungen veränderte. Auch die Kirche wandelte sich in diesem Prozess.

Heute befinden wir uns als Christenheit im Zentrum des alten Europa faktisch wieder in der Situation einer Minderheit. Natürlich sind wir nicht in der Situation der frühen Christenheit. Kaum jemand würde sich heute die Mühe machen, uns zu verfolgen. Religion gilt als Privatsache, nicht als Staatsangelegenheit. Wir stehen mit dem Christentum nicht gerade im Zentrum des Interesses. Unser Glaube ist nicht selbstverständlich. Wir müssen ihn neu bezeugen, gültig formulieren und leben. Denn er ist und bleibt unsere Wahrheit.

Lutz Poetter

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