ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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21.1.2019

"Auf eigenen Füßen stehen"

Brot für die Welt
Karte: Ghana
lautet das Motto der 42. Aktion Brot für die Welt.

Hilfe zur Selbsthilfe zu geben ist das Ziel, das die Arbeit von Brot für die Welt leitet. Menschen, die unter Ausgrenzung und Armut leiden, sollen so unterstützt werden, dass sie nicht langfristig auf fremde Hilfe angewiesen sind. Sie sollen Startchancen für ein Leben auf eigenen Füßen und in Würde bekommen. Dazu braucht es das Engagement von Menschen, die bereit sind sich für die Anliegen weltweiter Gerechtigkeit und Menschenwürde einzusetzen.

In besonderer Weise steht das Thema Arbeit und Existenzsicherung im Mittelpunkt der Arbeit. Arbeitslos zu sein oder – unter dem Druck drohender Arbeitslosigkeit – Arbeitsbedingungen akzeptieren zu müssen, die krank machen und entwürdigen, ist eine Bedrohung, der sich Menschen im Zeitalter der Globalisierung der Arbeitsmärkte weltweit gemeinsam gegenübersehen und der es an allen Orten zugleich entgegenzutreten gilt. Dass wir selbst lernen zu teilen und als Konsumenten und Bürgerinnen Einfluss nehmen auf Veränderung in der eigenen Gesellschaft und Politik, kann ermutigende Zeichen setzen.

In diesem Jahr liegt unser Aufmerksamkeit auf Ghana.

Ghana, das Schokoladenparadies...

... So könnte man zumindest meinen, liest man die Zahlen der Kakaojahresproduktion aus den 60er Jahren: Das landwirtschaftlich geprägte Land an der Westküste Afrikas produzierte zu jener Zeit 570.000 Tonnen Kakao pro Jahr. Allerdings konnte dieser Produktionshöhenflug nicht fortgesetzt werden. Seit den 60er Jahren ist das Wirtschaftswachstum immer weiter zurückgegangen. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat der Rückgang der Kakaoproduktion und die Abhängigkeit vom Weltmarkt und den Weltmarktpreisen. Das im afrikanischen Vergleich beispielhafte Schul- und Gesundheitssystem der 70er Jahre erlitt mit der Wirtschaftskrise einen Niedergang.

Neue Heimat, was nun?
Ein Projekt zur Aus- und Weiterbildung von Bauern

In den Jahren 1974 bis '76 entstand der Voltastausee. Eine neue Dammkonstruktion wurde zur Stromgewinnung errichtet und über 70.000 Menschen mussten in Folge dessen umgesiedelt werden. Die Ansiedlung in flutsichere Gebiete und Anhöhen verursachte eine über viele Jahre anhaltende Verunsicherung in der Bevölkerung.
Etwa 250 km von der Provinzhauptstadt Ho entfernt liegt die Ortschaft Dambai. Dort leben ungefähr 3000 Menschen verteilt auf fünf Gemeinden. Durch die Umsiedlung hat Dambai – das früher ein blühender und bekannter Handelsplatz war – seine Bedeutung verloren. Projekte, die aus der Misere Hinausführen sollten kamen hier nur sehr langsam in Gang. Mitte der 90er Jahre wurden zusammen mit den Bewohnern der betroffenen Gemeinden Dorfberatungs- und Entwicklungsprogramme konzipiert.

Die große Mehrheit der Bewohner lebt von der Landwirtschaft. Sowohl bei der Tierhaltung als auch bei der Feldbewirtschaftung sind die meisten Bauern auf ein Produkt spezialisiert, was ein relativ hohes Risiko mit sich bringt.
Besonders Frauen sind großen Belastungen ausgesetzt, da sie neben der Landwirtschaft auch noch für den Haushalt zuständig sind. Weite Wege zu den Wasserstellen und die durch Abholzung und Brandrodung immer schwierigere Suche nach Feuerholz kommen erschwerend hinzu..

Ein weiteres Problem in Dambai sind die schlechte Straßen und mangelhaften Kommunikationsmöglichkeiten, die Kontakte und Informationsaustausch mit anderen Projekten wie z.B. in Ho erschweren.

Die Evangelisch-Presbyterianische Kirche unterstützte schon länger kleinere Initiativen in Dambai. 1995 wurde dann ein Dreijahresprogramm erstellt. Ziel sollte sein, den Menschen zu helfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, für das Gebiet angepasste Anbau- und Viehzuchtsprogramme zu entwickeln und die Frauen in ihrer Doppelbelastung sowohl wichtigste Kraft in der Landwirtschaft als auch im Haushalt zu unterstützen.

In der derzeitigen Phase sind die Schwerpunkte des Projekts die Dorfberatungsarbeit, das Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramm und die Arbeit mit Frauengruppen.

Das Beratungsprogramm zielt darauf ab, die landwirtschaftliche Produktion und Kleinviehzucht auf eine breitere Basis zu stellen. Mit Hilfe neu angelegter Versuchsanlagen soll der Anbau alternativer Kulturen gegenüber der bisher betriebenen Monokultur gefördert und auch bei der Wiederaufforstung Hilfe und Anregung gegeben werden.
Auch im Bereich der Viehzucht werden neue Wege eingeschlagen. So wurde ein Berater für die Tierhaltung eingesetzt und angeregt neben Ziegen und Schafen auch Schnecken und Hasen zu züchten.
Weiter sollen Maßnahmen zur Bewußtseinsbildung für Umweltprobleme wie Bodenerosion, Überweidung und Folgen exzessiver Brandrodung durchgeführt werden.
In der Arbeit mit Frauen liegt ein besonderer Schwerpunkt. Sie sollen ihr Wissen im Bereich Ernährung, Hygiene, Gesundheit und Landwirtschaft erweitern. Die engagierte Frauenbeauftragte vermittelt Kenntnisse über Familienplanung, das Führen eines Kleinstunternehmens und Gesundheitspflege. Auch kommt die fachliche Beratung beim Fischfang in der Uferzone, Hygieneförderung und Gemüseanbau besonders den Frauen zugute, da dies typische Frauenaktivitäten sind.

Aus dem Leben einer jungen Frau: Atsufoe Aziabgenyo...

... ist 21 Jahre alt und besitzt kein eigenes Land. Ihren kärglichen Lebensunterhalt verdient sie sich auf einem weniger als ein Hektar großen gepachteten Stück Land. Dort pflanzt sie Kassawa (Maniok) und Erdnüsse an. Ein Drittel der Ernte muss sie an den Landeigentümer abgeben. Das jährliche Einkommen von 600.000 ghanaischen Cedi, das sind rund 430,- DM, ist bei weitem nicht ausreichend, um sich selbst und ihre zweijährige Tochter mit Essen, Kleidung und Medizin zu versorgen. Die Arbeit auf dem fünf Kilometer von ihrem Haus entfernten Feld ist hart und Atsufoe benötigt Medikamente gegen die Schmerzen in den versteiften Gliedern. Die junge Frau ist unglücklich und unzufrieden und sucht nach einer Alternative für ihr tägliches Auskommen.

So sieht ein typischer Tagesablauf von Atsufoe aus:

5.00   Aufstehen und Hütte saubermachen
5.30 - 7.30   Dreimal hintereinander zur ein Kilometer entfernten Wasserquelle gehen.
Das Wasser wird auf dem Kopf transportiert. Feuer machen, um das Wasser zu erhitzen. Frühstück zubereiten.
7.30 - 8.30   zu Fuß zum Feld gehen, das etwa fünf Kilometer entfernt ist.
8.30 - 16.30   Arbeit auf dem Feld
16.30 - 17.30   zu Fuß zurück zum Dorf
18.00 - 19.00   Nochmal Wasser holen und Essen zubereiten.
21.00   Schlafen gehen.

In der Adventszeit und in den Weihnachtsgottesdiensten werden wir wieder für die Arbeit von Brot für die Welt sammeln und bitten herzlich um ihre Gaben.

Ihnen allen eine gesegnete Weihnachtszeit

Pfrn. Susanne Peters-Streu